Boykott

26. September 2017 06:34; Akt: 26.09.2017 07:19 Print

Kern verhängt Inseraten-Stopp über "Österreich"

"Ich mache da nicht mehr mit", schreibt er in einem Facebook-Posting und sagt nicht nur Interviews ab, sondern auch Inserate.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ= (Bild: picturedesk.com)

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ= (Bild: picturedesk.com)

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Vergangene Woche sorgte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ausgerechnet mit Abwesenheit für Aufsehen. Er sagte ein Interview mit dem TV-Sender von oe24 ab.

Die Tageszeitung "Österreich" und das zugehörige Fernseh-Angebot hatten am Tag des vereinbarten Kern-Interviews interne Dokumente aus der SPÖ-Wahlkampfzentrale veröffentlicht. In ihnen wurde auf die Schwächen des Spitzenkandidaten eingegangen.

Angesichts dieser "diffamierenden" Berichterstattung habe er die Konsequenzen gezogen. Mit der Erklärung "Man muss sich nicht alles gefallen lassen" und "Habt's mich gern" sagte er das Interview kurzerhand ab.

Selbstverständlich berichteten auch (fast) alle anderen österreichischen Zeitungen über das brisante Dossier, das von einem früheren Pressesprecher aus der Ära Gusenbauer für Ex-Berater Tal Silberstein verfasst worden sein soll. Was Kern aber an "Österreich" stört: Dort wurde es vier Tage lang mehrfach breitgetreten.

Inseraten-Boykott
Nun folgt der nächste Schritt. Es werde auch keine Wahlkampf-Inserate der SPÖ mehr in der Zeitung geben. "Nur, weil ich bei einer Wahl kandidiere, heißt das noch lange nicht, dass ich alles mitmachen muss", schreibt Kern auf Facebook.

Denn "Österreich" führe eine Kampagne gegen seine Person. Jeden Tag würden verleumdende Texte und abwertende Fotomontagen veröffentlicht: "Offenbar erwartet sich der Herausgeber dadurch mit anderen Kandidaten bessere Geschäfte. (...) Ich mache da nicht mehr mit."

"Keine Interviews mit mir in "Österreich", keine TV-Diskussionen auf oe24. Und natürlich auch keine Wahlkampfinserate", schreibt Kern.

Es sei für ihn klar, dass er als Politiker kritische Berichterstattung aushalten müsse, bei inhaltlichen Fragen würde er sie sich sogar mehr wünschen. Aber hier gehe es nicht um kritische Berichterstattung, sondern um eine Kampagne und einen Angriff auf die politische Kultur des Landes.

Die kritisierte Zeitung wehrt sich natürlich gegen den Boykott. Das Geld, das durch die stornierten Inserate jetzt fehlt, wird marginalisiert. Es würde den wirtschaftlichen Erfolg nicht beeinflussen.

Trotzdem widmet sich das Blatt in einem langen Artikel der Verteidigung seiner Praxis. Man habe das strittige "Dossier" aufgrund der großen Leser-Nachfrage mehrmals veröffentlicht. Dann wird Kern auch noch mit Donald Trump verglichen. Er wird als "hyperempfindlich", "Mimoserl" und nochmals als "Super-Mimoserl" bezeichnet, während man gleichzeitig behauptet, "fair zu Christian Kern" zu bleiben.

(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hermann B am 26.09.2017 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Kern ist kein Politiker

    sondern eine Mimose. Er hat nicht nur den Wählerauftrag falsch verstanden, auch seine Aufgabe. Er ist nicht mehr Manager, sondern Politiker. Als Vertreter des Volkes muss man sich auch widrigen Umständen stellen und Verantwortung zeigen. Das interne Papiere seine Schwächen offenlegen, die genau auf das o.e. Problem aufmerksam machen, ist ja Beweis genug, dass er auch als Parteichef nicht ankommt. Wer Medien kaufen muss, um Sympathie zu erlangen, ist ohnehin am falschen Platz.

  • Wienerberg am 26.09.2017 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    typisch SPÖ

    Habts schon recht, steckts nur Eure Köpfe in den Sand. Das zeigt wenigstens wie Ihr wirklich tickt.

  • grilli am 26.09.2017 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung-SAT1-Österreich

    Gibt Kern seine ständige Werbung auf SAT 1 auch auf?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nil am 27.09.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach Prinzessin

    Der Kern nimmt es selber mit der Wahrheit nicht so genau, wenn aber einer was schreibt was den Pizzaboten nicht passt hagelt es an Sanktionen. Erinnert mich irgendwie an so manchen anderen Staat. (Türkei USA usw...)

  • So rennt am 26.09.2017 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    der Hase?

    Sind wir wer wer bietet mehr oder was?? "Offenbar erwartet sich der Herausgeber dadurch mit anderen Kandidaten bessere Geschäfte???" echt jetzt?

  • Fritz3 am 26.09.2017 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    kernwähler

    Liebe User hört zu:Kern ist der einzige Politiker der wählbar ist, bitte merken.

    • Angelika. am 26.09.2017 20:21 Report Diesen Beitrag melden

      Kern, what else?

      Richtig! Gott bewahre uns vor Schwarz/Blau!! Diejenigen, die die Herren Kurz/Strache aufs Schild heben, werden die ersten beim österreichischen Nationalsport, dem Raunzen sein, wenn die neue Regierung unpopuläre Maßnahmen beschließt...

    einklappen einklappen
  • Diddi am 26.09.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Selber nichts aushalten

    Aber wenn er und die SPÖ andere Parteien und Leute denunziert dann ist das ok oder?

  • Karl Marx am 26.09.2017 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit mit Sanktion bestraft

    Ein wesentliches Problem ist die Sprunghaftigkeit des Kanzlers, heißt es in dem Papier. Deshalb passiere vieles unkoordiniert und mangels Plan oft auch aus reinem Zufall. Kern wird als unerfahren, nicht belastbar (fit, aber eine schwache Grundkonstitution), unsicher und ungemein eitel dargestellt - er sei wie eine Prinzessin. Der Kanzler habe ein äußerst schwaches Nervenkostüm und ein Glaskinn. Er halte Kritik nicht aus und reagiert nervös, um nicht zu sagen panisch, meint zumindest der Insider. Das Dossier von Häupl ist noch viel schlimmer ;D