Neue Aufregung

12. Oktober 2018 16:29; Akt: 15.10.2018 18:50 Print

Lehrlings-Abschiebung mit "Nazi-Methoden"

Wieder soll ein Lehrling abgeschoben werden. Vorarlbergs ÖGB-Landeschef Norbert Loacker spricht von "Nazi-Methoden".

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Ein 26-jähriger Gastronomielehrling aus Pakistan mit einem negativen Asylbescheid ist am Donnerstag in Hard festgenommen worden. Er steht nun vor der Abschiebung.

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Bereits Anfang September wollte die Polizei den 26-jährigen Qamar Abbas an seinem Arbeitsplatz am Blauen Platz in Lustenau festnehmen. Damals tauchte der Pakistani unter.
Der Lehrling sei gut in eine Vorarlberger Familie integriert, erzählte der Wirt Marcel Lerch. "Niemand flüchtet gerne. Aber Pakistan ist gefährlich. Ich hatte Angst um mein Leben", sagte Abbas.

Kontakt verweigert


Am Donnerstagmittag machte die Polizei den Mann in Hard ausfindig, nahm ihn fest und überstellte ihn nach Bludenz ins Polizeianhaltezentrum. Der Anwalt des Lehrlings, Stefan Harg aus Bregenz, schrieb in einer E-Mail an den ORF, dass die Polizei bislang den Kontakt zu seinem Mandanten verweigert habe. Qamar Abbas kann jederzeit ins Flugzeug gesetzt werden.

Bestens intergriert


Derzeit sitzt der junge Mann in einem Polizeianhaltelager in Salzburg, wie Laura Melzer "Heute" erzählt. Bei ihrer Familie fand der Pakistani Aufnahme, er freundete sich mit ihren Eltern an. "Mein Vater ist ein Pflegefall", sagt die junge Frau Melzer, der "Herr Abbas" habe ihnen immer "irrsinnig geholfen" – sei es bei einem anstrengenden Umzug oder einfach nur im Alltag. "Er war immer da für uns. Und wir für ihn".

"Nazi-Methoden"


Massive Kritik kommt von ÖGB-Landesvorsitzende Loacker. Ein Mensch, der seit sechs Jahren in Österreich ist und immer tüchtig gearbeitet habe, werde wie ein Verbrecher mitten in der Lehre abgeholt. "So geht man mit jungen Menschen nicht um. Das ist unmenschlich und muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Wir haben mit diesen Nazi-Methoden nichts am Hut", sagte Loacker zu "Heute". Er werde stets gegen solche Entwicklungen vorgehen. Das sei er allein schon seiner 91-jährigen Mutter schuldig, die den Nazi-Terror noch selbst miterlebt hatte.

Loaker habe am Donnerstagabend gemeinsam mit Vorarlbergs SP-Klubobmann Michael Ritsch noch das Gespräch mit Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) gesucht. Wallner unterstütze die Forderung, die Abschiebung zu stoppen. Praktisch seien ihm aber die Hände gebunden, da das humanitäre Bleiberecht vom Bund entschieden werde, meinte Loaker. Nun sei Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Zug. Dieser müsse unverzüglich handeln und das unmenschliche Treiben stoppen: "Jetzt ist VdB gefordert."

"Dunkelste Zeiten"


"Dass über Nacht unsere unbescholtenen Kollegen und Freunde von der Polizei abgeholt werden, erinnert mich an dunkelste Zeiten in der Vergangenheit. Ich bin entsetzt darüber, dass Menschen aus unserer Mitte gerissen werden, um sie zu deportieren. Diese Praxis kennt man aus faschistischen Diktaturen. Einem Rechtsstaat ist ein solches Vorgehen vollkommen unwürdig", wettert Loacker weiter.

"Kickl muss gehen"


Von einem rechten Hardliner wie Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sei keine menschliche Entscheidung zu erwarten, schrieb der Gewerkschafter am Freitagvormittag in einer Presseaussendung. Der Minister sei für einen Skandal nach dem anderen verantwortlich. "Er bleibt aber im Amt, während man einen integrierten Lehrling deportiert. Qamar soll bleiben, Kickl muss gehen", fordert Loacker.

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(GP)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Wiener am 12.10.2018 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Negativ ist negativ

    Wenn er nach seinem negativen Bescheid ausgereist währe hätte er sich die Verhaftung erspart.

  • dsgl am 12.10.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    dauert alles viel zu lange

    Es ist mir wie immer unverständlich, wie lange sich ein Asylverfahren hinziehen kann. 6 (!) Jahre ! Wahnsinn! So entstehen dann auch diese Dramen. Die Verfahren gehören gestrafft und eine bestimmte Zeit vorgegeben, in denen sie abgeschlossen sein müssen.

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  • Christian am 12.10.2018 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz....

    Gesetz ist Gesetz und hat immer und für jeden zu gelten und darf auch nicht verhandelbar sein ! Moral und Ethik sind beliebig, geltendes Recht darf dies niemals sein !

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Gerhard am 16.10.2018 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Wer einen negativen Bescheid hat ist zur Ausreise verpflichtet und der Gewerkschaft steht es nicht zu sich hier einzumischen. Bei unseren Bundespräsidenten wundert mich seine Haltung nicht.Es gibt Gesetze die einzuhalten und umzusetzen sind.Wenn Gesetze unterlaufen werden dann sind sie wirkungslos und jeder könnte machen was er will,so kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Der Regierung ist zu raten bleibt konsequent wenn ihr nicht unglaubwürdig werden wollt,grundlos seid ihr nicht gewählt worden.

  • SockenRambo am 16.10.2018 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WIN WIN

    Das ist doch bitte eine einfache Kosten/Nutzen Rechnung. Ein Beamter kostet den Staat jährlich ca 75.000 Euro.. sprich 10.000 Beamte kommen auf 750 Millionen Euro, ca 40 Prozent nimmt der Staat wieder an Steuern ein, und für 10.000 Menschen müssen keine 125 Millionen bezahlt werden an Grundversorgung. Bleiben 325 Millionen an Kosten über, dem gegenüber stehen 1,5 MILLIARDEN an Kosten für Illegale.. Der Staat spät 1,175 Milliarden pro Jahr, 10.000 Menschen haben einen Job und die Kriminalstatistik sinkt.. WIN WIN

    • Penelope am 16.10.2018 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Win-Win für wen?

      Für die Obrigkeit ist es vor allem eine Win-Win-Situation wenn man günstige Arbeitskräfte importiert und damit zusätzlich noch die Gesellschaft nach dem alten Teile&Herrsche-Prinzip spalten kann... nichts ist unangenehmer für das Machtmonopol als wenn die Untertanen zusammenhalten und sich organisieren. Nachdem sich linke & rechte Kräfte 2015 zusammenschlossen um gemeinsam gegen die Weltelite zu demonstrieren... musste man eben für Ablenkung sorgen.

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  • manola am 16.10.2018 01:36 Report Diesen Beitrag melden

    Einmischung nicht akzeptabel

    Was mischt sich da ein VdB ein , hat er nix anderes zu tun? Wäre oft nötiger gewesen sich zu Wort zu melden , aber der ist oft so das man sich fragt ob er weiß für wen er hautpsächlich da sein müsste.

  • Ottokar am 16.10.2018 01:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Ausbildung fertig machen lassen + 2Jahre Praxis - weites muss er 10 Jahre arbeiten in AT für dauerhafte Aufenthaltsbewilligung - weitere 10 Jahre für Staatsbürgerschaft und alle haben was davon -er kann bleiben und AT hat einen fleißigen Arbeitnehmer oder Unternehmer !!

    • Penelope am 16.10.2018 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Ottokar

      Naja... die Frage in dieser Hinsicht ist vor allem ob die Motivation zu arbeiten nicht stark nachlässt sobald der Familiennachzug da ist...

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  • SockenRambo am 16.10.2018 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerichte ad absurdum

    Was jetzt bedeutet das dass der Bundespräsident den österreichischen Gerichten jeder Legitimation abspricht sprich jede Verurteilung eines jeden Verbrechers muss revidiert werden? Ich habe mit denen absolut nichts am Hut aber genau wegen solchen Fällen gibt es vermutlich die ganzen Staatsverweigerer.. und wenn VDB die österreichischen Gerichte nicht anerkennt gehört er selber auf die Anklagebank.. und das ganz wertfrei...

    • Penelope am 16.10.2018 14:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz wertfrei:

      Wenn jemand die Republik Österreich zu Gunsten der "Vereinigten Staaten von Europa" abschaffen möchte - ist das eigentlich nicht auch "Staatsfeindlich"?

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