Antisemitismus

20. Februar 2018 13:26; Akt: 20.02.2018 21:18 Print

Neue Liederbuch-Affäre um FPÖ-Funktionär

Der neue "Falter" enthüllt: In einem Liederbuch der Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia sollen antisemitische Texte stehen. Die Vereinigung dementiert die Vorwürfe.

Herwig G., FPÖ-Mitglied und Mitarbeiter von Norbert Hofer, ist Vorsitzender der schlagenden Burschenschaft

Herwig G., FPÖ-Mitglied und Mitarbeiter von Norbert Hofer, ist Vorsitzender der schlagenden Burschenschaft "Bruna Sudetia" aus Wien. FPÖ, Facebook/@brunasudetia; heute.at-Montage (Bild: Partei, Facebook)

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"Zwei Juden saßen auf einer Bank, der eine roch und der andere stank. Da sagte der roch zu dem, der stank: ,Jetzt setz ich mich auf eine and´re Bank!´
Zwei Juden schwammen einst im Nil, den einen fraß ein Krokodil, den anderen hat es nur angeglotzt, da hätt´es den ersten fast ausgekotzt.
Zwei Juden badeten einst im Fluß, weil jeder Mensch einmal baden muss. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir`s hoffen."

Auf Seite 114 eines Liederbuches der Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia soll dieser Text stehen. Die Bruna, mit Sitz in der Josefstadt, ist eine der ältesten Studentenverbindungen in Österreich. Auf Seite 29 desselben Buches (unter der Bezeichnung "inoffiziell") soll sich auch jenes Lied finden, das jüngst für Aufregung gesorgt hatte. "Da trat in der Mitte der Jude Ben Gurion: Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die sieb´te Million". Die Nazis töteten sechs Millionen Menschen im Holocaust.

Social-Media-Mitarbeiter, Bezirksrat

Wie schon vor drei Wochen die "Germania-Affäre" (in der Folge trat der niederösterreichische Spitzenkandidat der FPÖ, Udo Landbauer, von allen Ämtern zurück), enthüllt der "Falter" auch diesen Skandal in seiner aktuellen Ausgabe.

Und deckt auch auf, dass es (mindestens) eine brisante Querverbindung der Bruna Sudetia in die aktuelle Regierung gibt. Vorsitzender der Burschenschaft ist nämlich Herwig G., er arbeitet als Social-Media-Mitarbeiter im Kabinett von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Schon als Hofer Dritter Nationalratspräsident war, jobbte Herwig G. bei ihm als Referent.

In der Burschenschafter-Szene ist Herwig G. eine größere Nummer. Er organisiert den FPÖ-Akademikerball mit, war 2016 Stellvertretender Sprecher der Deutschen Burschschaft, ist "Schriftwart" des Österreichischen Penäler Rings. Er soll auch schon bei der Pegida zu Gast gewesen sein.
Er ist seit 2010 außerdem freiheitlicher Bezirksrat in Wien-Leopoldstadt.

Die oben genannten Strophen dürften selbst gedichtet sein, sie werden zur Melodie des Liedes "Freut euch des Lebens, Großmutter wird mit der Sense rasiert" gesungen. Im Liederbuch der Bruna Sudetia sollen sie in der Rubrik "Heiteres" gesammelt sein.

Burschenschaft bestreitet Vorwürfe

Der "Falter" versuchte Herwig G. zu erreichen. Zunächst soll es geheißen haben, er sei in der Besprechung, dann krank. Über einen Sprecher des Ministeriums ließ er ausrichten, er kenne das Liederbuch nicht, verwende es nicht und lehne die Inhalte ab.

Am Dienstagabend nahm die Burschenschaft Stellung und weist die Vorwürfe "mit aller Vehemenz" zurück. Das Buch sei niemals in Besitz und somit auch nicht in Verwendung der akademischen Vereinigung gewesen. Die Bruna Sudetia prüfe nun rechtliche Schritte gegen die Wochenzeitung.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WolfgangHeute am 20.02.2018 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falter allwissend? Ui.

    Der Falter scheint ja bestens integriert zu sein in die Burschenschaften. Ich kenne nicht einmal die Wandfarbe hinter der Eingangstür und der Falter darf die Bücher haben? Irgendwie macht das nachdenklich. Ich hoffe man jagt nicht auch noch jene Mitbürger, die das Kinderbuch mit den zehn kleinen N. . kennen.

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  • John Milton am 20.02.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sind die Menschen Marionetten?

    Tägliche Einzelfälle, Rechtsbrüche und Geschichten wie aus Dystopien gehen an Falter und Standard Fans vorbei als wären sie Schall und Rauch. Kindliche Bücher und klassische Bücher machen sie zum Skandal. Absurdistan live.

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  • Siegfried Heller am 20.02.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht erklärbar ?

    Außerhalb jeglicher Parteipräferenz kann ich einfach nicht glauben, daß sich "gebildete erwachsene Menschen" mit angeblichen Liedtextexten befassen, die abgesehen von rassistischen Wörtern, in der Reimung die intellekte maximale Grenze eines Vorschulalters erreichen, also entsprechend Kindergarten?! Das derartige Texte dann noch in der Gruppe geträllert werden ist noch unbegreiflicher und müßte nereits psychologisch untersucht werden? Was ist also wirklich dahinter ?

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • fireone am 21.02.2018 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das gibts doch nicht,

    irgendwo MUSS doch was zu finden sein und wenns im "Gotteslob" ist.

  • Christa am 20.02.2018 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frau

    was soll die Liederbuchsucherei? Was glauben sie wieviele Leute alte Liederbücher besitzen.Wahlen stehen ins Haus da wird nach Fehlern der FPÖ gesucht,anstatt vor der eigenen Tür zu kehren!! Dreckig dreckig und ein Zeichen von grosser Schwäche.

    • Tina am 20.02.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Christa

      das ist supper geschrieben ,genau so ist es,man kann eine Masse dahin bewegen,man muss nur wissen mit welchen Mitteln.Das sind die Spielchen gegen die FPÖ ,immer und immer wieder

    • Josef Vouivre am 21.02.2018 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      bedenklich

      Es geht nicht darum, Bücher zu besitzen. Burschenschaften verwenden Liederbücher etwa bei ihren Kneipen, bei denen regelmäßig gesungen wird. Diese Art Lieder, die aufgezeigt wurden, zeigen eine deutliche rechtsradikale, verfassungsfeindliche und antisemitische politische Einstellung mit deutlichen NS-Gedankengut. Wenn nun eine Partei an der Macht ist, bei welcher derartiges Gedankengut normal und alltäglich ist, ist das bedenklich.

    • Penelope am 21.02.2018 21:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Pepperl

      Na, Sie glänzen mal wieder mit "Fachwissen" aus der ORF-Sendung "Report" :) Wenn es aber z.B. um die faschistoide Zwangsentrechtung von rund 80.000 Staatsbürgern geht scheinen Sie ja nicht so interessiert zu sein, um welches Gedankengut es sich dabei wohl handelt... weil Sie ja wissen, dass die Justiz vor allem mit roten "Rechtsorganen" besetzt ist, gell? Und Sie ja auch der Meinung sind, Sozialismus wäre 1933-1945 "Rechts" gewesen...

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  • Roman am 20.02.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Partei wird nicht gescheiter

    So ein Wahnsinn werden diese Leute von der FPÖ nicht gescheiter. So eine Partei stellt den Viezekanzler.

    • A echta Wiener am 20.02.2018 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Schon empört?

      Was sagen sie zum Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche? Was sagen sie dazu dass in Europa Kinder zur Prostitution gezwungen werden? Na, sind sie schon empört? Das stört sie nicht so sehr wie ein 100 Jahre altes Buch das keiner mehr kennt u d das womöglich sogar das aus Wr. Neustadt ist? Sie sind ein armer Mensch.

    • pele am 21.02.2018 06:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Lieber unechta Wiener

      sie haben sicher recht. alles fürchterliche sachen was da in der welt passiert. aber sie sollten die überschrift lesen....genau zu diesem thema wird hier diskutiert. also warum sind die menschen arm die dazu schreiben. oder spielen sie das spiel der fpö, ablenken was das zeug hält. sie armer wiener

    • Linkswähler am 21.02.2018 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      Abhilfe

      Lieber Roman, wenn sie in der Wikipedia nach Wiking-Jugend suchen, finden sie Namen wie Gundolf Köhler und Thomas Lemke. Wenn sie nachsehen, was die bei der Wikingjugend gelernt haben, und nachschlagen wer noch Kontakte zur Wikingjugend hatte, dann stören die Burschenschaften sie nicht mehr. Beruhigter sind sie dann zwar auch nicht, aber man muss die Burschenschaften relativ sehen.

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  • aref am 20.02.2018 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr verdächtig

    Komisch, dass der Falter alles weis.

    • SockenRambo am 20.02.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @aref

      Na die haben sicher Agenten in jeder Burschenschaft, und auch die Zeit und die Ninjaaisbildung um sich unbemerkt 1000de Bücher von vorn bis hinten durch zu lesen...

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  • TantePolly am 20.02.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Und wenn es nicht verboten ist,

    dann ist es auch erlaubt. Also regt euch wieder ab. Ihr könnt ja eine Anzeige einbringen und dann beobachten wie diese im Papierkorb landet.