"Bösartig"

27. August 2018 09:40; Akt: 27.08.2018 13:46 Print

Scharfe Kritik an Aus für Asylwerber-Lehre

Auf die Ankündigung der türkis-blauen Bundesregierung folgte ein Sturm der Entrüstung aus der Opposition.

Kritik am Ende der Asylwerber-Lehre. (Video: APA/ORF)

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Wie Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal am Sonntag bestätigte, sollen Asylwerber künftig nicht mehr in eine Lehre gehen dürfen.

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Sollen Asylwerber weiterhin eine Lehre in Mangelberufen beginnen dürfen?
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Seit einem Erlass aus dem Jahr 2012 war es Asylwerbern erlaubt, bereits während ihr Asylverfahren noch läuft, eine Lehre in 25 vordefinierten Mangelberufen zu beginnen.

Zuletzt machten sich zahlreiche Prominente und die Wirtschaft gegen die Abschiebung solcher Lehrlinge stark – "Heute" berichtete.

"Bösartig"

SPÖ-Chef Christian Kern bezeichnete die Maßnahme nach dem "Heute"-Bericht als "unsinnig" und "bösartig". Die Regierung vergrößere die Probleme, die sie zu lösen vorgebe.

Auch NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn reagierte empört: "Es zeigt, welchen Kurs Strache und die Bundesregierung verfolgen: Das Spalten der Gesellschaft wird munter fortgesetzt – die Bedürfnisse der vielen Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich in den vergangenen Wochen lautstark zu Wort gemeldet haben und sich für ihre Auszubildenden eingesetzt haben, sind der Bundesregierung aber offenbar egal. Und außerdem tritt die Bundesregierung mit solchen Maßnahmen die Integrationswilligen in diesem Land mit Füßen."

"Parteipolitisches Kernthema am Leben halten"

Der grüne OÖ-Integrationslandesrat Rudolf Anschober bezeichnete das Aus als "die Zerstörung der letzten großen Integrationsmaßnahme" sowie ein schweres Foul an den vielen Unternehmen, die unter Lehrlingsmangel leiden würden: "Wer Integrationsmaßnahmen verhindert, will offensichtlich nicht, dass Integration funktioniert. Ganz offensichtlich, um sein zentrales parteipolitisches Kernthema am Leben zu halten."

Die Wirtschaftskammer betonte, dass man "eine pragmatische Lösung" für das Thema Lehre und Asyl haben wolle. Man trete für "einen eigenen Niederlassungstitel zur Absolvierung einer Ausbildung für Lehrlinge aus Drittstaaten, als auch eine Verbesserung und Ausweitung der Rot-Weiß-Rot Card" ein. Dafür rege man die schnelle Erarbeitung eines gemeinsamen Lösungspakets der Wirtschaft und der Regierung an.

"Möglichkeit der Integration abgeschafft"

"Die ÖVP hat die gesamte Asyl- und Migrationspolitik den Freiheitlichen überlassen. Die Entscheidung der Regierung, die Lehre für Asylwerber abzuschaffen, ist nicht nur ökonomisch sondern auch menschlich ein großer Fehler", kritisiert die Integrationssprecherin der Liste Pilz, Alma Zadic.

Caroline Pavitsits, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung (BJV,): "Es ist uns absolut unverständlich, warum man hier versucht, jungen Menschen eine Chance auf eine gute Zukunft zu verbauen. Asylverfahren dauern in der Regel mehrere Monate, unter Umständen auch mehrere Jahre. Es kann nicht sein, dass junge Menschen in dieser Zeit zur Untätigkeit gezwungen werden. Hier wird eine großartige Möglichkeit der Integration einfach abgeschafft."

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR bedauert die Ankündigung der Bundesregierung. "Für viele junge Asylsuchende würde das bedeuten, dass sie oft jahrelang untätig herumsitzen müssen anstatt in Österreich etwas Sinnvolles zu tun und dabei etwas zu lernen. Zugang zu Bildung und Ausbildung sind sowohl für die jungen Menschen als auch für die gesamte Gesellschaft eine Investition in die Zukunft. Aus Sicht von UNHCR ist die geplante Änderung ein Schritt in die falsche Richtung", so Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich.

"Die Ankündigung der Regierung, die Lehre für asylsuchende Jugendliche in Mangelberufen abzuschaffen, stellt eine klare Verletzung der Kinderrechte dar", sagt Elisabeth Hauser, stellvertretende Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf. "Denn laut Kinderrechtskonvention hat jedes Kind und jeder Jugendliche das Recht auf bestmögliche Bildung, Entwicklung und Entfaltung – völlig unabhängig von Herkunft und Asylstatus."

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(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nima am 27.08.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung!!

    Na wie kann es anders sein, als dass die Opposition wieder einmal protestiert!

    einklappen einklappen
  • Alles Gut am 27.08.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Weite so

    Vollkommen richtig diese Vorgangsweise der Regierung! Zuerst müssen die vielen eigenen arbeitslosen Jugendlichen eine Lehrstelle annehmen. Bei Weigerung gibt es halt kein Geld mehr.

  • zimbo am 27.08.2018 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz repariert !

    Wieder eins.Es gibt noch viel zu tun.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Gauf am 27.08.2018 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuld

    Warum gibt man jetzt der Regierung die Schuld? Schuld sind doch diejenigen die sich nicht mit dem gültigen Gesetz abfinden konnten und es ausgenützt haben wenn jemand eine Lehre begonnen hat es eingefordert haben das derjenige dann auch mit abgelehnten Asyl hier bleiben sollen.

  • Joe heute am 27.08.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich ...

    weiß ja nicht was da zu diskutieren gibt . ist auch richtig so . wer kein Bleiberecht hat muss gehen. mir haben genug arbeitslose jungendliche die eine Lehre machen könnte. da brauchen mir auch nicht die importierten die kein Bleiberecht sowieso haben. Recht muss auch Recht bleiben.

  • Fridolin am 27.08.2018 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld abschöpfen

    Wer ist sich heutzutage schon sicher, wie alt der Lehrling nun wirklich ist, ist es nicht so, dass sich viele jünger machen um als unbegleitete Schutzbedürftige zu gelten um einen Daueraufenthalt zu bekommen. So ein positiver Asylbescheid ist doch nicht für immer, wenns zu Hause als sicher gilt, sind die doch wieder fit und bereit ihre Heimat aufzubauen und vor allem die doch einst zerrissene Familie wider zu vereinen, oder sonst müsste ja man glauben, die sind zum Geld abschöpfen hierher gekommen......!

  • Karl Fensterstock am 27.08.2018 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft will Sklaven

    Man sollte doch die Arbeitsbedingungen in den Mangelberufen verbessern, dann würden wieder Österreicher kommen. ZB in der Gastro oder im Handel! Nicjt einmal Slowaken kommen mehr, weil sie in Tschechien schon mehr verdienen als hier! Das Wichtigtuen der Wirtschaft ist nicht etwa aus Menschenliebe, sondern weil sie Sklaven brauchen, die nicht aufmucken!

  • Walter am 27.08.2018 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gäste müssen nicht integriert werden

    jemand der keinen Aufenthaltstitel hat braucht auch nicht integriert werden, also ist die Diskussion an sich schon die Vorbereitung sich zum erschleichen des Bleiberechts.