Sonder-Deal mit Liechtenstein

14. November 2017 09:50; Akt: 14.11.2017 10:26 Print

Schlupfloch: Nur Österreich will Steuer-Daten nicht

Trotz eines Abkommens zwischen der EU und Liechtenstein zum Austausch steuerrelevanter Daten verzichtet Österreich auf Infos über anonyme Stiftungen.

ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling (Bild: Helmut Graf)

ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling (Bild: Helmut Graf)

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Ab 2018 tritt zwischen der EU und dem Fürstentum Liechtenstein ein Transparenz-Abkommen zur Vermeidung von Steuer-Schlupflöchern in Kraft. Dabei sollen steuerrelevante Daten ausgetauscht werden.

Nur Österreich handelte als einziges EU-Land einen Sonder-Deal mit dem Fürstentum aus, in dem auf Informationen über anonyme Stiftungen verzichtet wird.

Transparenz gegen Steuerhinterziehung

Die Transparenz-Initiative zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung wurde auf Bestreben der OECD ins Leben gerufen. Kreditinstitute müssen ausländische Kunden – deren Kontostand, Namen und Zins- und Dividendeneinkünfte – an das Finanzministerium melden. Von dort werden die Daten an diejenige Finanzbehörde im Ausland weitergeleitet, die für den Kunden zuständig ist.

Österreich macht mit, will aber keine Infos über Stiftungen

100 Staaten, auch Österreich, machen bei diesem automatischen Austausch ab 2018 mit. Die Republik hat unter ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling jedoch einen Sonder-Deal mit dem Fürstentum Liechtenstein ausgehandelt: Anonyme Stiftungen von österreichischen Kunden in Liechtenstein dürfen weiter anonym bleiben, wie der "Standard" berichtet.

Für einige Stiftungen gilt dies nur, wenn sie bis zum 31. Dezember 2016 bereits bestanden haben. Intransparente Stiftungen – also solche, bei denen Stifter und Begüsntigte laut Gesetz keinen Einfluss auf die Vermögensverwaltung haben – dürfen weiter anonym bleiben.

Abkommen zur Nachversteuerung

Österreich hat seit 2013 ein Abkommen mit Liechtenstein. Schwarzgeldkonten werden im Fürstentum versteuert und der Betrag an Österreich überwiesen – die Anonymität des betreffenden Kunden wird allerdings gewahrt.

Durch das OECD-Abkommen könnte Österreich Einblick in die Kundenlisten bekommen, verzichtet aber darauf ohne Grund und Nutzen, wie Steuerexperten gegenüber dem "Standard" feststellten.

Für Ministerium kein Problem

Im Finanzministerium in Wien hält man die Kritik generell für unbegründet. Ein aus Steuerprüfern beider Länder bestehender Ausschuss führe stichprobenartige Kontrollen durch, ob die Banken in Liechtenstein alle Abzüge richtig vornehmen. Bei der Abkehr von den anonymen Konstruktionen hätte man dieses Prüfrecht verloren, wird argumentiert.

(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Georg am 14.11.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wer wird hier geschützt?

    Wird hier die eigene Klientel geschützt? Das gehört offen gelegt. Gleiches Recht für alle!

  • genug am 14.11.2017 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    doch nicht unter den tisch ?

    was käme denn da an die oberfläche ? scheinen sie nicht zu wollen. vielleicht interessiert es aber den wähler ?

  • Lupo am 14.11.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Der schwarze

    Finanzminister muß naürlich sein reiches Klientel vor Steuerzahlungen schützen - der Chefverhandler der Blauen sitzt da mit im Boot und unterstützt die Pharisäepartie.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Siggi am 15.11.2017 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker als Steuersünder

    Das Volk soll Steuern zahlen und die Politiker hinterziehen die Steuern.

  • Barbara K. am 15.11.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gut gemacht!

    Gut hat er das gemacht, der Wunderkurzi :-)

  • Willi am 15.11.2017 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Steuertricks

    Die meisten Politiker und Großunternehmen verwenden doch alle Stiftungen und sonst. Steuertricks.

  • franz am 15.11.2017 05:42 Report Diesen Beitrag melden

    jetzt nicht jammern

    jetzt nicht jammern ihr alle habt die Parteien gewählt die gegen einer Erbschaftssteuer sind , nicht zu vergssen das sich die partein von der GRO?wirtschaft kaufen ließen

  • onlinekiebitz am 14.11.2017 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Er wird wohl ...

    ....selbst eine stiftung laufen haben, daher wehrt er sich so vehement ! es bewahrheitet sich mal wieder : wenn man butter am kopf hat soll man nicht in die sonne gehen ! und das wird er mit der verneinung des einblicks in die kundenliste der oecd auch meinen !!! keiner soll wissen wer dort gelistet ist ! ein schöner finanzminister, der das gutheißt !

    • Mike am 14.11.2017 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @onlinekiebitz

      Braucht das Geld ja nicht, schröpft sowieso die kleinen die sich nichts mehr leisten können. Das ist Österreichische Politik.

    • onlinekiebitz am 15.11.2017 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      @ den mike

      auch wenn er geld nicht besonders braucht, geld und gold kann man nicht genug haben ! da kommt die gier ins spiel.

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