Neue Biografie

06. Dezember 2017 09:13; Akt: 06.12.2017 10:12 Print

So prägte die Familie den künftigen Kanzler Kurz

Die Falter-Journalistinnen Barbara Tóth und Nina Horaczek haben ein politisches Portrait von Sebastian Kurz veröffentlicht. Hier einige Auszüge.

Sebastian Kurz und seine Freundin Susanne Thier.  (Bild: picturedesk.com)

Sebastian Kurz und seine Freundin Susanne Thier. (Bild: picturedesk.com)

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Zu seinem Privatleben hielt sich Kurz bis vor kurzem äußerst bedeckt. "Weder meine Eltern noch meine Freundin haben ein Interesse, in der Öffentlichkeit zu sein", erklärte der Außenminister. Selbst in seinem Büro im Außenministerium stehen keine Bilder seiner Liebsten auf dem Schreibtisch.
Er hat dort zwar ein Album mit Fotos von seiner Familie, dieses ist aber im Bücherregal versteckt.

Kurz, der Neoösterreicher in dritter Generation

Erst einen Monat vor der entscheidenden Nationalratswahl 2017 öffnete er die Türen zu seinem privaten Umfeld, aber auch das immer nur so, dass er die Kontrolle behielt. Gemeinsam mit der auflagenstarken Kronen Zeitung besuchte Kurz seine 89-jährige Oma, die im tiefsten Waldviertel auf einem Vierkanthof lebt. Die Großmutter stammt ursprünglich aus Ungarn, die Mutter versteht die Sprache noch ein bisschen, Enkel Sebastian wächst hingegen bereits vollkommen assimiliert ohne ein Wort Ungarisch auf. „Könnte ich es, wäre es natürlich ein Vorteil für mich“, sagte Kurz 2011. Kurz ist damit streng genommen Neoösterreicher in dritter Generation. Die Oma kam während des Zweiten Weltkrieges ins Land und heiratete einen Waldviertler, Kurz’ Großvater.

Eltern stammen aus Niederösterreich

Vater und Mutter stammen vom Land. Papa Josef wuchs in Wetzleinsdorf auf, einer kleinen niederösterreichischen Gemeinde mit nur 216 Einwohnern, etwa vierzig Minuten von Wien entfernt. Dort, von wo Mutter Elisabeth herkommt, in Zogelsdorf im Waldviertel, ist auch nicht viel mehr los. Genau 158 Einwohner und Einwohnerinnen zählt der Ort und eine davon ist die 89-jährige Magdalena, Oma von Sebastian Kurz. Mehrmals pro Woche pendelt die Tochter neben ihrem Job aus Wien hierher, um die pflegebedürftige alte Dame zu unterstützen.

Starke Frauen in der Familie

Auch Kurz’ Tante Maria Magdalena Nödl ist berufstätig und sozial engagiert. Die Diplompädagogin und Begründerin der Neuen Mittelschule in Eggenburg hat drei Kinder und ist nebenbei begeisterte Chorleiterin von gleich mehreren Chören in der Region. Sie erinnert sich an ihren Neffen als ein "sehr talentiertes, lebhaftes Kind, sehr interessiert an allem", das dann "natürlich sehr viel Ehrgeiz im Laufe seines Lebens entwickelt hat". Die Familie Kurz ist jedenfalls eine der starken, arbeitenden und engagierten Frauen.

Mutter und Vater berufstätig

Die Eltern von Sebastian Kurz sind beide bis heute berufstätig. Mutter Elisabeth unterrichtet Deutsch und Geschichte in einem Gymnasium in Alterlaa in Wien. 2014 wurde ihr der Titel "Oberstudienrätin" verliehen. Vater Josef ist technischer Manager in einer Firma mit Sitz in Belgien, und das, obwohl er schon 67 Jahre alt ist und längst in Pension sein könnte.

Langzeitfreundin Susi

Mit seiner Langzeitfreundin Susanne Thier, "Susi" gerufen, wohnt Kurz seit Jahren gleich ums Eck von den Eltern. Die beiden kennen einander seit Schulzeiten. Als sie beide 18 Jahre alt waren, sind sie bei einer privaten Silvesterfeier zusammengekommen und seitdem mit zwei Unterbrechungen ein Paar. Über Susanne Thier ist wenig bekannt. Sie scheut die Öffentlichkeit. Sie hat in Wien Wirtschaftspädagogik studiert und arbeitet in der Öffentlichkeitsabteilung des Finanzministeriums. Ihr Chef ist der Wiener ÖVP-Politiker Johannes Pasquali, der 2004 von den Freiheitlichen zu den Christlich-Sozialen gewechselt ist.

Kurz sitzt am Steuer

Über seine Freundin sagte Kurz, der anscheinend ein Faible für Astrologie hat, einmal: "Sie ist Stier im Sternzeichen, weiß, was sie will“. Und sie erledigt, wie Kurz in einem anderen Interview erklärte, den Großteil der Arbeit im gemeinsamen Haushalt. Die Freundin sei zwar Besitzerin des gemeinsamen Autos, bei Ausflügen, erklärte Kurz, "da sitze dann aber schon ich am Steuer".

Der Aufstieg zum ÖVP-Star

Zwei Jahre zuvor noch belächelt, ist Kurz im anstehenden Nationalratswahljahr 2013 endgültig der heimliche Star der Volkspartei. Mittlerweile kennen ihn 93 Prozent der Österreicher und er steht regelmäßig auf Platz eins im Vertrauensindex der Austria Presse Agentur. "Herzbube" betitelte die Süddeutsche Zeitung ein großes Porträt über ihn, eine Würdigung, die 27-jährigen Regierungsmitgliedern im Rang eines Staatssekretärs normalerweise nicht zugute kommt. Dass ihm in der Partei die Herzen zufliegen, wurde bei der "Österreich-Rede" am 15. Mai 2013 endgültig klar.

Kurz neckt die Partei

Kurz war Spindeleggers (damals ÖVP-Chef, red) Vorredner und sprach nur 15 Minuten. Trotzdem stahl der Junge seinem Mentor und Förderer die Show. Er neckte die Partei selbstbewusst, indem er jene Anekdote zum Besten gab, wie er als Schüler in der Meidlinger Zweigstelle der Jungen ÖVP abgewiesen wurde – und damit den Aufruf verband, die Partei stärker zu öffnen, als Konservative moderner und jünger zu werden. Er pries die Vielfalt Österreichs, indem er Seniorenbund-Obmann Andreas Khols Familie darstellte. Ein Schwiegersohn stamme aus der Türkei, ein anderer aus Indien und ein dritter aus der SPÖ Wien, scherzte er – und erhielt dafür spontanen Applaus.

Das junge Talent

Aber es gab auch warnende Stimmen. Wird hier ein junges Talent verheizt? Was macht es mit einem, wenn man so jung so weit oben landet? Verliert man nicht die Bodenhaftung? Verfällt man der Hybris? Die Grande Dame der österreichischen Presse, Anneliese Rohrer, riet Kurz in einem Kommentar, für eine Weile aus der Politik auszusteigen, er sei sonst bald verschlissen. „Kurz würde sich selbst einen Dienst erweisen, wenn er die nächsten Jahre zur Festigung von Sachkompetenz, Studienabschluss und Erweiterung des Horizonts über die Türen eines Parteilokals hinaus nützen würde. Er hatte es in den letzten Jahren richtig bequem, konnte sein Kommunikationstalent nützen und musste nichts durchsetzen.“

Die Auszüge stammen aus dem neuen Buch von

Nina Horaczek / Barbara Tóth
Sebastian Kurz. Österreichs neues Wunderkind?“
Residenz Verlag
ISBN: 9783701734511
128 Seiten, € 18,00

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(GP)