"Totengräber warten schon"

10. Mai 2017 16:10; Akt: 10.05.2017 19:47 Print

Warum Wolfs ZiB-Schmäh Mitterlehner ins Herz traf

Die ZIB-Anmoderation von Armin Wolf am Dienstag sei "das letzte Mosaiksteinchen" gewesen, so Mitterlehner. Bereits im Jänner hatte er im Interview vom Krebstod seiner Tochter erzählt.

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Reinhold Mitterlehner wurde am 10. Dezember 1955 in Helfenberg geboren. Er war seit 2002 Bezirksparteiobmann der ÖVP im Bezirk Rohrbach und seit dem Jahr 2008 Wirtschaftsminister. 2013 übernahm er auch die Agenden des Wissenschafts- und Forschungsministers. Am 8. November 2014 wurde er Bundesparteiobmann der ÖVP, nachdem er am 1. September 2014 Michael Spindelegger als Vizekanzler nachgefolgt war. Infolge des Rücktritts von Werner Faymann am 9. Mai 2016 war Mitterlehner bis zur Anlobung seines Nachfolgers Christian Kern am 17. Mai kommissarischer Regierungschef. Mitterlehner hat Rechtswissenschaften in Linz studiert und später einen Post-Graduate-Lehrgang für Verbandsmanagement in Freiburg abgeschlossen. Seine beruflichen Anfänge hatte Mitterlehner in der Wirtschaftskammer Oberösterreich als Abteilungsleiter im Marketing - 12 Jahre lang von 1980. Zuvor hatte er ein Gerichtspraktikum absolviert. Danach war er bis 2000 war er Geschäftsführer des Österreichischen Wirtschaftsbundes. Von 2000 bis 2008 war Mitterlehner Generalsekretär-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Österreich. Politisch war Mitterlehner schon ab 1991 aktiv. Anfangs saß Mitterlehner bis 1997 im Gemeinderat von Ahorn, 2002 wurde er Chef der ÖVP Rohrbach. Bereits seit 2000 saß er im Nationalrat. Seit 2001 war Mitterlehner mit einer Pause Obmann des parlamentarischen Wirtschaftsausschusses. 2008 wurde Mitterlehner vom damals geschäftsführenden ÖVP-Parteiobmann Josef Pröll als zukünftiger Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend präsentiert und später angelobt. Erneut als Minister angelobt wurde Mitterlehner nach den Wahlen 2013 von Bundespräsident Heinz Fischer. Nach dem überraschenden Rücktritt Michael Spindeleggers als Finanzminister, Vizekanzler und ÖVP-Obmann im August 2014 wurde Mitterlehner ÖVP-Bundesparteiobmann und Vizekanzler. Reinhold Mitterlehner ist mit seiner Frau Anna Maria verheiratet und hat zwei Töchter aus dieser Ehe. Eine weitere Tochter Mitterlehners aus einer vorehelichen Beziehung starb 2016 38-jährig an Krebs. Sein Verbindungsspitznamen "Django" wurde im Rahmen seiner Wahl zum Bundesparteiobmann der ÖVP im August 2014 österreichweit bekannt. 2011 erhielt Mitterlehner das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich. 2016 erhielt Mitterlehner den Orden der Freundschaft der Russischen Föderation. Nach tagelangen Streitigkeiten inner- und außerhalb der ÖVP trat Reinhold Mitterlehner am 10. Mai 2017 in einer eilig anberaumten Pressekonferenz zurück. Zunächst hatte die VP-Führung noch erklärt, es handle sich um ein böses Gerücht, das vermutlich vom Koalitionspartner gestreut worden sei. Außenminister Sebastian Kurz, der von vielen als Nachfolgekandidat gehandelt wird, sah sich sogar genötigt, in persönlichen Telefonaten mit VP-Granden seine Loyalität zum Parteichef zu erklären. Hintergrund des Polit-Streits earen die Äußerungen von Innenminister Wolfgang Sobotka (ebenfalls ÖVP): Denn der hatte in einem Interview Bundeskanzler Christian Kern "Versagen" vorgeworfen.

Der Filmtitel-Schmäh "Django - Die Totengräber warten schon" von ZIB-Sprecher Armin Wolf war für Reinhold Mitterlehner "das letzte Mosaiksteinchen". (Quelle: Twitter)

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Reinhold Mitterlehner ist als ÖVP-Chef und Vizekanzler zurückgetreten. Wie er bei seiner Rücktrittsrede vor Journalisten am Mittwoch sagte, sei die Anmoderation von ZIB-Sprecher Armin Wolf am Vorabend das "letzte Mosaiksteinchen" für seinen Entschluss gewesen.

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In Anspielung auf Mitterlehners Verbindungsname "Django", mit dem dieser selbst gern kokettierte, hatte Armin Wolf gewitzelt: "...dieser Tage erinnert er sich von den vielen Django-Filmen vielleicht am ehesten an diesen..." und dazu das Titelbild des Italowesterns "Django - Die Totengräber warten schon" eingeblendet.


Der Schmäh war auf Mitterlehners zerstrittene Partei bezogen, den nunmehrigen Ex-Parteichef traf es allerdings wohl auf persönlicher Ebene. Denn erst im vergangenen November war Mitterlehners älteste Tochter Martina im Alter von nur 38 Jahren an Krebs gestorben.

Schicksalschlag im Jänner publik gemacht

Der Vizekanzler selbst hatte Anfang Jänner im Ö3-Interview mit Claudia Stöckl erstmals über den schweren Schicksalsschlag gesprochen. Es sei im Sinne seiner Tochter gewesen, "es nicht öffentlich an die große Glocke zu hängen und damit vielleicht sogar Mitleid zu erwecken", sagte Mitterlehner damals. Da der Schicksalsschlag aber in der Zwischenzeit bekannt geworden war, habe er sich entschlossen, darüber zu reden.

Seine politische Agenda versuchte Mitterlehner zu jedem Zeitpunkt - auch im November rund um den Tod seiner Tochter - zu entsprechen, selbst die ORF-Pressestunde sagte er nicht ab: "Ich habe in dem Zusammenhang mit einer geistlichen Schwester gesprochen, sie hat mir die Empfehlung gegeben beides wahrzunehmen." – "Ich habe mich der Trauerarbeit gestellt", sagte Mitterlehner weiter. Für ihn sei es sehr schwierig gewesen, beides zu verkraften – "die politischen Herausforderungen und das Private".

"Ständig die gleiche Platte vom Abschießen"

Die ständige Obmann-Debatte ärgerte ihn schon damals: "Es kränkt mich, wenn ständig die gleiche Platte vom 'Abschießen' kommt, und man irgendwo den Eindruck bekommt, man wird eigentlich unter dem Wert geschlagen."

Er habe sich aber eine dicke Haut zugelegt, sagte er damals. Auch die reichte nun – vier Monate später – nicht mehr aus. "Es ist genug", sagte er am Mittwoch und trat zurück.

Gerade in Hinblick auf den Schicksalsschlag Mitterlehners wurde der Schmäh in der "Zeit im Bild" auf sozialen Medien mehrfach kritisiert.




ORF-Chefredakteur entschuldigte sich

ORF-Chefredakteur Fritz Dittelbacher hat sich am Mittwoch bei Reinhold Mitterlehner für die persönliche Kränkung durch den Witz entschuldigt. Er betonte, dass die Redaktion sich auf das politische Klima in der Partei sowie das Django-Image Mitterlehners bezogen habe.

Auch ZIB-Moderator Armin Wolf postete die Entschuldigung auf Twitter und schrieb dazu "Es tut mir leid".


(hos)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ist Er am 10.05.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mag.

    Über die Moderation von Armin Wolf wurde hier schon ausgiebig geschrieben, aber er musste ja um jeden Preis gehalten werden. Welche Taktlosigkeiten toleriert der linke ORF noch von ihm , wann ists endlich genug?

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  • Hans am 10.05.2017 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    Rücktritt

    Herr Dr. Wolf, bitte treten Sie ab.

    einklappen einklappen
  • katja am 10.05.2017 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    rücktritt

    herr dr. mitterlehner, ich habe volles verständnis für diesen schritt, und wünsche ihnen eine gute zukunft, danke für ihren einsatz!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Edith Kafka am 12.05.2017 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Dr.

    Hr.Dr.Wolf nimmt sich die letzte Zeit eindeutig zu viel heraus. Was glaubt er eigentlich wer er ist? Richter über alle und alles? Eine sehr bedauerliche und unnötige Entwicklung. Ich war einmal großer Fan von ihm, das ist leider vorbei.

  • sp am 11.05.2017 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Absolutes No Go

    Eigentlich fand ich Armin Wolfs Art zu interviewen immer wieder sehr interessant, aber jetzt hat er eindeutig eine absolute Grenze überschritten vor allem vor dem Hintergrund Mitterlehners privatem Verlust, absolutes No Go und alles andere als professionell, ...

  • Manu am 11.05.2017 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pietätlos Hr. Wolf

    Machen Sie nur so weiter Hr. Wolf. Dann sind Sie bald der Nächste auf der Abschußliste. *lach*

  • Calimero am 11.05.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ORF

    Kein Wort von Alexander Wrabetz ! Sagt wohl alles über diesen Verein ! Ein Handlanger wird sich schon entschuldigen.

  • 1002Himmelszelt am 11.05.2017 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Totales Burn-Out

    ... und Sobotka und Amon waren die letzten Sargnagel. Einfach scheuslich, wie es in der ÖVP zugeht, da wird ein Obmann nach dem anderen "kannibalisiert", jetzt soll der junge Kurz wohl für die nächsten 2 Jahre herhalten. Machthunger, Intrigen, Neid. Um Mitterlehner tut es mir irgendwie leid, normalerweise gibt man so jemanden 3 Monate Urlaub zur psychischen Erholung. Und jemand anderer vertritt ihn in dieser Zeit halt. Ist wohl in einer Kannibalen-Partei unmöglich. Armin Wolf machte nur einen Witz, der leider von Mitterlehner komplett negativ aufgefasst wurde.

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