Das Leben des Italieners EM 2012

Bad Boy und Ballwunder: Mario Balotellis irre Welt

Mario Balotelli im Match gegen Deutschland

Mario Balotelli im Match gegen Deutschland

Mario Balotelli im Match gegen Deutschland

Mario Balotelli im Match gegen Deutschland

Mario Balotelli liebt es, auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn zu spazieren. Der italienische Teamstürmer pflegt mit Hingabe sein Desperado-Image und polarisiert damit wie kein Zweiter in der "Squadra Azzurra". Doch auch wenn ihn viele hassen, am Platz ist er unverzichtbar, wie er im EM-Halbfinale gegen Deutschland unter Beweis stellte.

Alles dreht sich um Balotelli, egal ob er auf dem Platz keine Glanzleistung hinlegt - so etwa im Halbfinale gegen Deutschland - oder versagt - wie beim 1:1 gegen Spanien in der Gruppenphase. Italienische Journalisten wollen von Teamchef Cesare Prandelli regelmäßig über den 21-Jährigen fast genauso viel wissen, wie über das eigentliche Spiel selbst.

Durch die leichtfertig vergebene Chance gegen Spanien wurde Balotelli zum Feindbild vieler Tifosi,  mit seinen Traumtoren gegen Deutschland  gewann er ihre Liebe zurück. Doch auch mit selbstgerechten öffentlichen Aussagen zog sich der Angreifer schon oft den Unmut jener Fans zu, für die ein Fußballer bodenständig zu sein hat. "Ich glaube, ich bin ein Genie", sagte er etwa kürzlich der französischen Fachzeitschrift France Football.

"Wenige können beurteilen, was ich tue"
In dem Interview gewährte Balotelli weitere Einblicke in seine Gedankenwelt. "Ich glaube, dass ich intelligenter bin als der Durchschnitt." Und weiter: "Das Talent, das Gott mir gegeben hat, ist schön und wundervoll. Aber es ist auch schwierig, weil man immer auf andere Menschen trifft, die einen beurteilen wollen. Doch es gibt nur wenige Menschen mit einem solchen Talent, daher gibt es auch nur wenige, die beurteilen können, was ich tue."

Die Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon gefällt. Balotelli gilt als störrisches, unbelehrbares Problem-Kind, das abseits des Rasens präsenter ist als auf dem Platz. Genährt wird die Meinung durch so manch auffälliges Verhalten: Seit seinem 27-Millionen-Euro-Transfer von Inter Mailand zu Manchester City im Sommer 2010 häufte er Parkstrafen jenseits der 10.000 Euro an, weil er sein Auto dort abstellt, wo es ihm gerade passt.

Jugendspieler mit Dartpfeilen beworfen
Gerne flaniert er durch die Innenstadt von Manchester und verteilt Geld an Passanten, und als er zum Einkaufen geschickt wurde, um Haushaltsgeräte zu besorgen, kam er mit einem Riesen-Trampolin und zwei Vespas nach Hause - aber ohne Bügeleisen und Wischmop.

Balotelli bewarf Jugendspieler von ManCity mit Dartpfeilen ("Weil mir fad war"), ließ sich von einem Freund fast sein Haus durch einen Feuerwerkskörper abfackeln und marschierte während der Unterrichtszeit in eine Schule, weil er pinkeln musste. An so einem Spieler verzweifelte sogar Jose Mourinho. "Er sagt, niemand kann mich verstehen, aber der einzige, der mich nicht verstehen kann, ist er", meinte Balotelli über seinen Trainer bei Inter Mailand.

"Mit ihm ist es wie in einer Familie"  
Mit City-Coach Robert Mancini hat Balotelli ein weit innigeres Verhältnis. "Wenn er nicht hier wäre, wäre ich niemals nach Manchester gekommen." Und dennoch schien das Band zerschnitten, als der Angreifer im April wieder einmal eine Rote Karte sah. Mancini wollte seinen Bad Boy verkaufen und schwenkte schließlich doch wieder um. "Mit ihm ist es wie in einer Familie, wenn sich ein Kind danebenbenimmt. Die Zuneigung der Eltern ist weiterhin da", erklärte Mancini.

Die Zuneigung seiner leiblichen Eltern gewann Balotelli nach eigener Meinung erst spät. Der Stürmer wurde in Palermo als Sohn ghanaischer Einwanderer geboren und mit drei Jahren zu einer Pflegefamilie in Brescia gegeben. Als er zum Star aufstieg und seine Erzeuger wieder den Kontakt zu ihm suchten, bezeichnete er sie als "Glory Hunter".

Debut im August 2010
Da Balotelli nicht adoptiert wurde, erhielt er erst nach seinem 18. Geburtstag die italienische Staatsbürgerschaft - und unmittelbar darauf die Einberufung in die U21-"Squadra Azzurra". Im A-Team debütierte er im August 2010 unter Teamchef Prandelli, der trotz der Skandale fest zum Freund von Marko Arnautovic steht. "Ich bin hundertprozentig sicher, dass er die Nationalmannschaft nicht im Stich lassen wird", meinte Prandelli. Den Beweis hat Balotelli geliefert.

Dass um ihn Ruhe einkehren wird, darf bezweifelt werden. Zu viele Skandalern geistern durch die Öffentlichkeit. Es gibt kaum einen Moment, in dem Ruhe um den italienischen Kicker einkehrt. Im Match gegen Kroatien war Balotelli mit rassistischen Gesten der Fans in Form von Affenlauten konfrontiert. Beim Match gegen Irland musste ihm beim Jubel nach seinem Traumtor der Mund zugehalten werden.

Balotelli bald im Vaterglück
Auch mit den Schiedsrichtern legte sich der "Bad Boy" bisher gerne an und geigte ihnen lautstark die Meinung. Jüngster Aufreger: "Ich habe den Arsch nicht in Nutella", betonte der exzentrische Stürmer der Squadra Azzurra bei der Pressekonferenz rund 24 Stunden vor dem EM-Viertelfinale gegen England.

Bekannte hoffen, dass Balotelli zukünftig etwas leiser tritt. Immerhin soll seine Ex-Freundin Raffaella Fico schwanger sein. Das 24-jährige Showgirl wurde erst kürzlich mit Babybauch-gleichen Rundungen entdeckt. Pikantes Detail: Fico hatte sich eigentlich vom Skandalkicker getrennt, nachdem publik wurde, dass sich Balotelli trotz Liebesgeständnissen mit einer Prostituierten vergnügte. Und diese Dame wiederum war genau jene, die auch in den Skandal rund um Wayne Rooney verwickelt war - Englands Paradekicker, der Balotelli im Viertelfinale direkt am Platz gegenüberstand.


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1 Kommentar
unbekannt Newcomer (1)

Antworten Link Melden 0 am 29.06.2012 09:37

ich war sehr erstaunt, als diese woche einen Vergleich von Balotelli mit Arnautovic in einer Heute Ausgabe gelesen habe. Wie kann bitte so einen Klasse Fußballspieler mit Arnautovic vergleichen.

Fotoshows aus EM 2012 (10 Diaserien)
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