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08.07.2012
GP von Großbritannien
Webber schnappte Alonso in Silverstone Sieg weg
Mark Webber springt nach dem Sieg wie ein Rumpelstilzchen herum (© APA/EPA)
Webber hat sich in der Formel-1-WM als erster Verfolger von Spitzenreiter Fernando Alonso in Position gebracht. Der Red-Bull-Pilot holte am Sonntag in Silverstone seinen zweiten Saisonsieg. Nach Monaco gewann der Australier mit dem Grand Prix von Großbritannien einen weiteren Klassiker. Webber setzte sich bei trockenen Bedingungen vor Pole-Mann Alonso im Ferrari und seinem Teamkollegen Sebastian Vettel durch.
Spannung bis zur Schlussphase
Die Entscheidung brachte erst die Schlussphase, als sich Webber mit besseren Reifen und einem beherzten Manöver außen an Alonso vorbeipresste. In der WM liegt der 35-Jährige nun nur noch 13 Punkte hinter dem Spanier, der als einziger Pilot in allen neun Saisonrennen in den Punkten gelandet ist. Titelverteidiger Vettel liegt mit 29 Zählern Rückstand auf Platz drei. Mit dem dritten Saisonsieg untermauerte Red Bull die Führung in der Konstrukteurs-WM.
Für Webber ist es der neunte GP-Sieg seiner Karriere, der zweite in Silverstone nach 2010. "Erneut hier zu gewinnen ist fantastisch", gestand der Wahl-Engländer. Die Rennstrecke ist keine halbe Autostunde von der Red-Bull-Fabrik in Milton Keynes entfernt. Nach dem Rennen steigt traditionell eine Grillparty des Rennstalls bei Teamchef Christian Horner. "Das Manöver von Mark auf der Außenseite war großartig", lobte der Gastgeber den Sieger.
Not very british: 20 Grad und Sonnenschein
Bis dahin hatte Alonso das Rennen diktiert. Im Finish musste der Vorjahressieger aber die weicheren Reifen aufziehen, fiel in den Rundenzeiten ab und musste Webber fünf Runden vor Schluss passieren lassen. "Ich bin trotzdem zufrieden", versicherte Alonso, der am Samstag im strömenden Regen seine erste Pole Position seit fast zwei Jahren herausgefahren war. Am Renntag blieb der Regen aus. Der Wettergott überraschte mit 20 Grad und sogar mit Sonnenschein.
"Wir haben die richtige Strategie gewählt", erklärte Horner. Dabei war allerdings Geduld gefragt. "Am Anfang hat es ganz blöd für sie ausgeschaut", meinte Österreichs dreifacher Weltmeister Niki Lauda. "Aber am Ende haben sie recht gehabt. Red Bull hat alles richtig gemacht." Als Lohn gab es den 30. GP-Sieg für das österreichisch-englische Team, das zugunsten einer Charity-Aktion mit einem Mosaik aus 25.000 Fotos auf den Autos angetreten war.
Vettel betrieb Schadensbegrenzung
Vettel hielt den Schaden mit Platz drei in Grenzen. Die WM-Führung ist für Vettel bei seinem Heimspiel in zwei Wochen auf dem Hockenheimring allerdings außer Reichweite - selbst wenn er seinen Juli-Fluch beendet. In diesem Monat hat der Doppel-Weltmeister weiterhin noch nie ein Rennen gewonnen.
"Am Anfang habe ich ein bisschen Zeit liegen gelassen", sagte Vettel. Beim Start überholte ihn Ferrari-Pilot Felipe Massa. Der Brasilianer erreichte als Vierter sein bestes Saisonergebnis, dahinter landeten die beiden Lotus von Kimi Räikkönen und Romain Grosjean. Der als Dritter gestartete Rekordweltmeister Michael Schumacher wurde im unterlegenen Mercedes durchgereicht, kam nicht über Rang sieben hinaus.
McLaren-Desaster
Ein noch größeres Desaster setzte es für McLaren. Lewis Hamilton wurde Achter, Teamkollege Jenson Button Zehnter. Dazwischen klassierte sich Williams-Pilot Bruno Senna. Durch die Schwäche von McLaren könnte Ferrari zum Hauptkonkurrenten von Red Bull im Kampf um den WM-Titel werden. In der Konstrukteurswertung schoben sich die Italiener auf Platz zwei vor, in der Fahrerwertung fehlen dem Vierten Hamilton bereits 37 Punkte auf Alonso.
Kobayashi fuhr zwei Mechaniker an
In der Sauber-Box kam es während des Rennens zu einem Zwischenfall. Pilot Kamui Kobayashi verletzte bei einem missglückten Boxenstopp in Silverstone zwei seiner Mechaniker. "Einer hat eine Blessur am Daumen, der andere hat Schnitte und Prellungen am linken Bein", teilte das Sauber-Team mit. Später hieß es, auch ein dritter Mechaniker habe Prellungen am Fuß erlitten.
"Es war meine Schuld. Ich habe zu spät gebremst", betonte der 25-Jährige. Er habe vorher keine Tests unter trockenen Bedingungen machen können. "Deshalb wusste ich nicht, wie schnell ich heranfahren kann. Ich war zu schnell, dafür entschuldige ich mich", sagte Kobayashi. Das Malheur kostete ihn einen Punkterang, am Ende wurde der Japaner Elfter.
Die Formel-1-Piloten widmeten das Rennen der schwer verunglückten Testpilotion Maria de Villota und trugen kleine Sterne, die Zeichen der Rennfahrerin, auf dem Helm.
Formel-1-Grand-Prix von Großbritannien in Silverstone (52 Runden à 5,891 km):
1. Mark Webber (AUS) Red Bull 1:25:11,288
2. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +3,060
3. Sebastian Vettel (GER) Red Bull +4,836
4. Felipe Massa (BRA) Ferrari +9,519
5. Kimi Räikkönen (FIN) Lotus +10,314
6. Romain Grosjean (FRA) Lotus +17,101
7. Michael Schumacher (GER) Mercedes +29,153
8. Lewis Hamilton (GBR) McLaren +36,463
9. Bruno Senna (BRA) Williams +43,347
10. Jenson Button (GBR) McLaren +44,444
11. Kamui Kobayashi (JPN) Sauber +45,370
12. Nico Hülkenberg (GER) Force India +47,853
13. Daniel Ricciardo (AUS) Toro Rosso +51,241
14. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso +53,313
15. Nico Rosberg (GER) Mercedes +57,394
16. Pastor Maldonado (VEN) Williams +1 Runde
17. Heikki Kovalainen (FIN) Caterham +1 Runde
18. Timo Glock (GER) Marussia +1 Runde
19. Charles Pic (FRA) Marussia +1 Runde
20. Pedro de la Rosa (ESP) HRT +2 Runden
21. Narain Karthikeyan (IND) HRT +2 Runden
Ausgeschieden: Sergio Perez (MEX) Sauber, Paul di Resta (GBR) Force India
Nicht gestartet: Witali Petrow (RUS) Caterham
Schnellste Runde: Kimi Räikkönen (FIN) Lotus 1:34,661 Min. (50. Runde/Schnitt: 224,040 km/h) (© APA/red)
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