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05.07.2012
Historischer Entscheid
Torkamera und Chip ab sofort bei Fußballturnieren!
Torlinientechnologie?
Das International Football Association Board (IFAB), die oberste Regelbehörde, gab am Donnerstag in Zürich grünes Licht für die Einführung technischer Systeme, die dem Schiedsrichter anzeigen, ob der Ball die Torlinie überschritten hat oder nicht. Das IFAB erlaubt sowohl das bereits beim Tennis erprobte Hawk-Eye zur Überwachung der Torlinie (Torkamera) als auch das sogenannte GoalRef-System (Chip im Ball).
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(© Heute)
Genehmigt wurde auch der weitere Einsatz von zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten. Jeder Veranstalter soll selbst entscheiden können, ob Torrichter eingesetzt werden. Die infrage kommenden technischen Systeme müssen noch vom Weltverband zertifiziert werden. Mit der Entscheidung findet die jahrelange Diskussion über den Technik-Einsatz im Fußball aber wohl nur ein vorläufiges Ende.
Denn nationale Verbände oder die österreichische Bundesliga müssen den Zeitpunkt für die Einführung selbst bestimmen - und die Kosten in erwarteter Millionenhöhe tragen. Neue Nahrung hatte die Diskussion zuletzt bei der EM in Polen und der Ukraine erhalten, als England-Verteidiger John Terry im entscheidenden Gruppenspiel gegen die Ukraine (1:0) einen Ball mutmaßlich erst hinter der Linie klärte, der Treffer aber nicht zählte.
Kurios: Kopftücher im Frauenfußball erlaubt
Zwei Jahre davor waren die Engländer noch die Leidtragenden gewesen, als im WM-Achtelfinale gegen Deutschland (1:4) ein Lattenpendler von Frank Lampard klar hinter der Torlinie landete, der 2:2-Ausgleich aber nicht anerkannt wurde. Erst seit den Fehlentscheidungen der WM 2010 in Südafrika zeigte sich auch Blatter aufgeschlossen gegenüber Torlinien-Technologien. Die Einführung könnte ob der hohen Kosten aber schleppend verlaufen.
Zudem ist selbst Hawk-Eye nicht eindeutig, wenn ein Spieler auf dem Ball liegt. Die englische Premier League überlegt laut Verbandsvertretern dennoch, technische Hilfsmittel bereits in der kommenden Saison einzuführen. Neben der Torlinien-Technologie und der weiteren Erlaubnis von Torrichtern nach Ablauf einer zweijährigen Testphase beschloss das IFAB in seiner Sondersitzung auch die Erlaubnis von Kopftüchern.
Dieser Erlass betrifft vor allem Spielerinnen islamischen Glaubens. Art, Design und Farbe der erlaubten Kopftücher werden erst im Oktober bei einer weiteren Sitzung in Glasgow festgelegt. Zudem gilt auch für die Kopftücher eine Testphase.
Die Systeme im Vergleich
Hawk-Eye: Die aus dem Tennis bekannte Technologie stammt aus England. Bis zu sechs Kameras nehmen das Spielgeschehen auf und funken Bilder an einen zentralen Computer. Dieser berechnet aus der Bildersumme die Position des Balles und sendet bei einem Tor ein Signal auf die Armbanduhr des Schiedsrichters. Ein Schwachpunkt: Liegt ein Spieler auf dem Ball, können keine Bilder aufgenommen werden.
GoalRef: Das Fraunhofer Institut in Erlangen war an der Entwicklung des sogenannten "Intelligenten Tores" maßgeblich beteiligt. Im Torrahmen wird dabei ein Magnetfeld erzeugt. Der Ball enthält drei Magnetspulen. Überschreitet der Ball die Torlinie, wird durch das Magnetfeld im Tor ein Magnetfeld im Ball aktiviert und ein zugeschalteter Computer sendet ein Signal auf die Armbanduhr des Schiedsrichters.
AAR: Der Additional Assistent Referee wurde in den Europacup-Wettbewerben und bei der EM getestet. UEFA-Präsident Michel Platini findet die Idee der zusätzlichen Torlinienrichter gut. Sie sollen den Hauptreferee auf Verstöße im und um den Strafraum aufmerksam machen sowie bei der Torentscheidung helfen. Bei der EM wurden die Schwächen durch den Fehler des Ungarn Istvan Vad im Spiel England gegen Ukraine (1:0) offenkundig.
Blatter ist zufrieden
FIFA-Präsident Joseph Blatter hat die Einführung technischer Hilfsmittel im Fußball als "absolut historischen Tag" bezeichnet. Sie sei gut für den Fußball und die Fans, betonte der Chef des Fußball-Weltverbandes am Donnerstag in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen. "Es gibt keine Pflicht, aber für uns war es ein Muss", erläuterte Blatter die Entscheidung des Regelkomitees (IFAB), dem Vertreter des englischen, schottischen, walisischen und nordirischen Verbandes sowie der FIFA angehören.
"Der Fußball hat sein menschliches Gesicht behalten. Wenn man Hilfe hat, muss man die auch einsetzen. Für uns als FIFA war klar, was 2010 passiert ist, darf sich nicht wiederholen", sagte der Schweizer Blatter mit Blick auf Lampards "Phantom-Tor" im WM-Achtelfinale zwischen Deutschland und England.
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