Hooligans ekelten Spieler raus Fußball

DFB: Gewalt gegen Fußballer nimmt zu

Joachim Löw

Joachim Löw versteckt sich - aktuelle Gewaltexzesse gegen Spieler gehen auch am deutschen Bundestrainer nicht spurlos vorbei.

Joachim Löw

Joachim Löw versteckt sich - aktuelle Gewaltexzesse gegen Spieler gehen auch am deutschen Bundestrainer nicht spurlos vorbei.

Joachim Löw und der DFB sind besorgt, die Spielergewerkschaft schlägt Alarm: Der Fall Kevin Pezzoni lässt dem deutschen Fußball keine Ruhe. "Ich finde das inakzeptabel, dass so etwas überhaupt passieren kann", sagte der deutsche Teamchef zu den Geschehnissen um den Mittelfeldspieler, der nach Gewaltdrohungen von Hooligans seinen Vertrag beim Zweitligisten 1. FC Köln gelöst hatte.

"Da müssen wir ganz klar dagegen angehen", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff und versicherte: "Es ist schon eine Entwicklung, die uns beunruhigt beim DFB." Auch Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft, warnte vor weiteren Eskalationen.

"Es darf nicht sein, dass Spieler durch kriminelle Machenschaften so eingeschüchtert werden, dass sie Reißaus nehmen müssen. Und es kann nicht sein, dass Gewalttäter quasi die Kader der Vereine bestimmen", sagte Baranowsky. Wenn das so weitergehe, "haben wir bald Verhältnisse wie in Mexiko, wo Spieler schon zu Tode gejagt wurden."

Autos zerkratzt, gebrochene Knochen
Laut Gewerkschaft nehmen Negativbeispiele auch im deutschen Fußball zu. "Autos werden zerkratzt, einem Spieler wurde das Wadenbein gebrochen, einem anderen nach einem Discobesuch die Nase." In Dresden seien als Drohung elf Gräber ausgehoben worden, sagte Baranowsky.

"Die Hemmschwelle wird immer niedriger, die Hysterie größer. Dieses Thema müssen wir auf allen Ebenen ernst nehmen. Wenn Schläger vor der Haustür von Spielern stehen, wenn Autos zerkratzt oder Angehörige bedroht werden, ist das eine sehr gravierende Sache."

"Das wird Schule machen"
Fan-Experte Harald Lange fürchtet, dass die Causa Pezzoni kein Einzelfall bleiben wird. "Das wird Schule machen, das macht Schule", sagte der Leiter des Instituts für Fankultur an der Universität Würzburg. Lange geht zwar von Einzeltätern aus, sieht aber auch einen Trend: "Seit zwei, drei Jahren gibt es immer mehr solche sonderbaren Fälle."

Bierhoff hat ähnliche Situationen wie im Fall Pezzoni in seiner Zeit als Profi in Italien erlebt. "Das sind eigentlich keine Fans, das sind Kriminelle, die entsprechend beobachtet und verfolgt werden müssen", sagte der einstige Kapitän der Nationalmannschaft. Er forderte einen "Schulterschluss" von Fußball, Politik und Fans. "Da muss man sich ernsthaft Gedanken machen, wie man so etwas in Zukunft vermeidet", ergänzte Löw im ARD-Radio. "Es ist kein leichter Fall, man darf es nicht banalisieren", warnte Bierhoff.

"Köln klar gegen Gewalt"
Der 1. FC Köln hat den Vertrag mit dem von Hooligans bedrohten Kevin Pezzoni "nicht wegen ein paar Chaoten aufgelöst, die den Spieler bedrängt haben". Das teilte der Klub seinen Mitgliedern und der Öffentlichkeit mit. Die Annahme, der FC kapituliere "vor aggressivem Verhalten einzelner Störer, wie zunächst behauptet wurde", bezeichnete der Verein als absurd.

"Der 1. FC Köln positioniert sich klar gegen Gewalt und stellt sich vor seine Spieler und Mitarbeiter", hieß es weiter. "Diese Chaoten haben keinerlei Einfluss auf Vertragsentscheidungen von Vorstand und Geschäftsführung, weder in der einen, noch in der anderen Richtung. Wer etwas anderes behauptet, liefert die Vorlage für weitere Chaoten, andere Spieler ins Visier zu nehmen. Der FC ist seiner Fürsorgepflicht gegenüber Kevin Pezzoni jederzeit nachgekommen", beteuerte der Bundesliga-Absteiger.

Bereits am Mittwoch vergangener Woche sei Pezzoni auf Trainer Holger Stanislawski und die sportliche Führung zugekommen, um das Gespräch über seine persönliche Situation zu suchen. Öffentliche Kritik über die vergangenen Jahre sowie Vorfälle der vergangenen Woche hätten sich aufgestaut. Die einvernehmliche Vertragsauflösung sei schließlich der auch von Pezzoni und seinem Berater gewünschte beste Weg gewesen, um dem Spieler die Möglichkeit zu geben, seine fußballerische Zukunft in einem unbelasteten Umfeld und frei zu gestalten.


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