Verbot für Fußball und Ski-Rennen

09. März 2018 18:33; Akt: 09.03.2018 18:48 Print

Regierung verbannt Pyro-Technik aus den Stadien

Kommende Woche werden Bengalen und Leuchtfeuer von Sportveranstaltungen verbannt. Die Ausnahmegenehmigungen werden aufgehoben.

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Von Fan-Transparenten über Pyro-Eklats bis hin zu Platzstürmen. In dieser Diashow sind die größten österreichischen Fan-Skandale des Jahrtausends in Bildern gefasst. 24. Oktober 2017: Beim Amateur-Derby in der Regionalliga Ost stürmen rund 250 vermummte Fans den Platz der Austria-Akademie. Erst ein Eingreifen der Exekutive kann die Situation klären. Das Spiel endet 1:1 19. August 2017: Ein ekelhaftes Transparent der Rapid-Ultras im Duell mit Sturm Graz. Hier werden Journalisten mit Terroristen verglichen. 13. August 2017: Der Stangenwurf-Eklat von Maria Enzersdorf. Beim Duell zwischen Admira und Rapid flogen Stangen aufs Spielfeld. 6. August 2017: Das 2:2 im ersten Wiener Derby der Saison sorgt für Schlagzeilen. In der Nachspielzeit wird die Partie unterbrochen, Austria-Spieler Raphael Holzhauser wird vom "Wut-Ordner" beschimpft. 9. Mai 2017: Das Amateur-Derby zwischen Rapid und Austria endet in einem Skandal, nachdem Hütteldorfer "Fans" zu antisemitischen Gesängen gegriffen hatten. Endstand: 2:1 zugunsten der Veilchen. 25. Februar 2016: Eine ganz besonders geschmacklose Botschaft der Rapid-Fans an den Europa-League-Gegner FC Valencia. "Hure Valencia" war zu lesen. Dafür gab es 20.000 Euro Strafe durch die UEFA. Valencia gab die sportliche Antwort. Gesamtscore: 0:10! 25. Februar 2016: Im selben Spiel entrollten Rapid-Fans ein Banner, auf dem Funktionäre des Europa-League-Gegners Valencia beschimpft werden. Das war wohl die Reaktion der Ultras auf das Hinspiel im legendären Mestalla. 200 Rapid-Ultras hatten auf den Stadionbesuch verzichtet, weil sie ihre Fan-Utensilien nicht mit in die Arena nehmen durften. 6. April 2014: Nach einem Training der Austria Amateure passen Rapid-Ultras den violetten Nachwuchsspieler Valentin Grubeck ab und schlagen ihn brutal zusammen. Der Stürmer muss im Krankenhaus behandelt werden. Heute ist Grubeck beim LASK tätig. 22. Mai 2011: Unmittelbar nach dem 2:0 der Wiener Austria beim Derby in Hütteldorf stürmen hunderte Fans in der 26. Minute aufs Spielfeld. Die Partie wird abgebrochen und mit 3:0 zugunsten der Veilchen gewertet. 22. Mai 2011: Hier ist das Gesicht des Abbruch-Derbys. Der entblößte Panathinaikos-Hooligan wurde als "Hass-Grieche" bekannt. 4. Dezember 2009: Die Austria-Fans sorgen im Europa-League-Duell mit Athletic Bilbao (0:3) beinahe für einen Abbruch. Nach dem zweiten Gegentor kommt es zu schweren Ausschreitungen. Die Veilchen werden mit zwei Geisterspielen, eines davon auf Bewährung, bestraft. 24. August .2008: Bereits nach sechs Minuten endete im Wiener Derby die Karriere von Georg Koch. Neben dem damaligen Rapid-Keeper explodierte ein Knallkörper. Koch erlitt dabei ein Gehörtrauma und einen Kreislaufzusammenbruch, kehrte nicht mehr auf den grünen Rasen zurück. 22. Oktober 2005: Das 275. Wiener Derby wird zu einem echten Skandal. Nachdem beide Fanlager Feuerwerkskörper aufs Feld schießen, startet die Partie mit einer halbstündigen Verspätung. Rapid tritt nur unter Protest an. 22. Oktober 2005: Die Rapid-Fans reagieren auf ihre ganz eigene Art auf das Horror-Foul von Joey Didulica an Axel Lawaree im Mai 2005 und zünden eine Puppe mit dem Trikot des Austria-Tormanns am Galgen hängend mitten im Fan-Sektor an. 5. Mai 2005: Beim Stand von 3:0 für den GAK stürmen zahlreiche Austria-Fans in der 79. Minute das Spielfeld. Es kommt zu einer 15-minütigen Unterbrechung, ehe die Partie fertiggespielt werden kann. 20. Mai 2004: Beim 2:0-Sieg von Salzburg über Rapid durchbrechen zahlreiche Hütteldorfer Ultras die Absperrungen. Das Spiel wird vorzeitig abgepfiffen und voll gewertet. 29. Mai 2003: Die Austria feiert den Meistertitel. Hier jubeln Ernst Dospel und Ivica Vastic. Doch dem gingen dramatische Szenen voraus. Beim Stand von 2:0 für Schwarz Weiß Bregenz stürmten hunderte violette Anhänger bereits in der 77. Minute aufs Spielfeld, um den Titelgewinn zu feiern. Erst das Zureden der Verantwortlichen kann die Fans beruhigen, die Partie wird nach 25-minütiger Unterbrechung fertiggespielt. 27. Juli 2002: Auch bei Testspielen können die Emotionen überkochen. So wie beim Freundschaftsspiel zwischen Rapid und Arsenal London in Eisenstadt. Es kam dabei zu einer Schlägerei auf den Zuschauerrängen. Rund 200 unbeteiligte Fans, die sich in Sicherheit bringen wollten, stürmten aufs Feld. 5. August 2001: Beim Spiel zwischen Rapid und dem GAK (0:4) starteten rund 50 unzufriedene Fans einen Sitzstreik auf dem Spielfeld, riefen lautstark: "Wir wollen unser Geld zurück." Die Einsatzkräfte konnten den Protest nach wenigen Minuten auflösen.

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Schlechte Nachrichten für Fans der Pyro-Technik! Den Leuchtfeuern und Rauchtöpfen bei Sportveranstaltungen geht es an den Kragen. Das Innenministerium stoppt die Ausnahmegenehmigungen für Fußball-Spiele und Ski-Rennen.

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In der kommenden Woche wird Peter Goldgruber, Generalsekretär im Innenministerium, einen Erlass herausgeben, der die bengalischen Feuer aus den Stadien verbannt. Die Sonderregelung für die umstrittenen Pyro-Gegenstände wird aufgehoben.

Karl Mahrer, ÖVP-Polizeisprecher im Parlament, argumentiert den Schritt: "Die Pyro-Fackeln produzieren giftige Verbrennungserzeugnisse, einschließlich Schwefeloxide, Stickstoff und solide Metalloxide", sagt Mahrer gegenüber dem Kurier. Auch von "krebserregenden Folgen" ist die Rede.

Die Ausnahmegenehmigung gibt es weiterhin, aber nicht mehr für Fußball-Spiele und Ski-Rennen, sondern nur mehr für besondere Anlässe. "Ein Fußball-Spiel ist nichts Besonderes", lässt auch Christoph Pölzl, Sprecher von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), ausrichten. "Bei einer Ski-WM kann man darüber reden. Wenn Rapid Meister wird, dann wird es so etwas schon geben. Aber das wird nun sehr restriktiv ausgelegt", so Pölzl weiter.

Rapid und Austria sauer

Bei den großen Wiener Vereinen stößt das Verbot auf sehr wenig Gegenliebe. Austria-Vorstand Markus Kraetschmer meint im Kurier: "Das ist Teil der Fankultur, und es ist besser, das zu kontrollieren als es zu verbieten."

Auch Rapid-Geschäftsführer Christoph Peschek ist sauer: "Es ist in all den Jahren bei dem aktuell praktizierten, legalen Einsatz von Pyrotechnik bei uns kein Verwender zu Schaden gekommen. Diese Initiative würde keine Probleme lösen, sondern künstlich neue schaffen."

"Es kann kein Polizei-Experte Verbannung von Pyrotechnik garantieren. Selbst bei der EM 2016 wurden Bengalen gezündet. Bilder von Vermummten gibt es beim Einsatz verbotener Pyro-Technik und der damit verbundenen Kriminalisierung", so Peschek.

Nicht nur Fußball-Spiele sind betroffen, Pyro-Technik wird auch bei den Ski-Klassikern in Kitzbühel und Schladming ab sofort verboten.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Donauinsulaner am 09.03.2018 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwann reicht es eben.

    Tja, wer nicht hören und sich benehmen kann... Über die Jahre wurde es schlimmer und schlimmer. Wie kommen andere dazu, daß ihnen Luft & Sicht genommen werden? Spiele mussten schon unterbrochen bzw. mit minutenlanger Verzögerung angepfiffen werden, Fackeln wurden auf´s Spielfeld und teilweise ins Publikum geworfen etc. Und bei den Skirennen wurde es auch immer ärger.

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  • Heinz Rettensteiner am 09.03.2018 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mag.

    Rapid wird eh nie Meister

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  • Felix am 09.03.2018 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Feuer

    Jetzt darf man nicht einmal mehr die Mindestsicherung abbrennen!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Pyro Mantika am 10.03.2018 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Rauchersheriff

    WO war er, als die hochgiftigen Pyroteile angezündet wurden? Sonst ist er ja immer am Brennpunkt in R-Lokalen? Da werden wieder tausende am Krebs sterben, weil sie von ihm nicht informiert wurden.

    • Fred von Jupiter am 10.03.2018 10:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Pyro Mantika

      Der Amlacher hat Angst vor den Fans von Rapid und Austria.

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  • Steve am 10.03.2018 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal eine richtige Rote Karte

    Nicht nur das Fußball generell fad ist, gewinnen eh immer nur die selben Club's, ist das mit den Hooligans schon so zum vergessen. Austria oder Rapid, wer wird Meister? Salzburg! und wieder Salzburg. In anderen Ländern das gleiche, z.B. Deutschland. Bayern oder Dortmund? Überwiegend Bayern! Pyrotechnik und die Ausschreitungen zwischen den Hooligans, machen diesen Sport nur noch lächerlich und gefährlich. Kaum auszudenken was passiert wenn man ins Stadion gehet, und so ein Böller landet neben seinen Kindern! Schießen sie diese ja schon aufs Spielfeld.

    • Mike am 10.03.2018 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Steve

      Einlauf beim Eishockey und Football muß dann auch verboten werden (Grillgefahr)!

    • Steve am 10.03.2018 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      Das ist Kontrollierte Pyrotechnik! Oder schon mal gesehen, das sie mit den Feuer- und Konfettikanonen auf andere Leute ziehlen?

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  • Nicht blauäugig am 09.03.2018 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnvolles Verbot

    Wenigstens einmal ein Verbot, das Sinn macht. Pyrotechnik hat in Händen von Laien, bei Groß-Veranstaltungen, nichts zu suchen. Deshalb sollte es auch keine Ausnahmen geben.

  • Sepp am 09.03.2018 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kasperltheater

    Diese Regierung ist Brüsslerischer als Brüssel. Rauchen erlauben...Freudenfeuer nicht.

  • Objektiv betrachtet am 09.03.2018 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Maß

    Krebserregend? Interessant. Beim Rauchen in der Gastronomie spielt das bei der Regierung offensichtlich keine Rolle. Oh! 'tschuidigung. Der Innenminister ist ja nicht der Vizekanzler...