"Heute"-Kolumne

11. Oktober 2017 18:46; Akt: 11.10.2017 18:46 Print

Schinkels: "Geht es ohne David Alaba besser? Nein!"

"Heute"-Experte Frenkie Schinkels über die Rolle von David Alaba im ÖFB-Team und das Erbe von Teamchef Marcel Koller.

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Der Zug zur WM-Endrunde nach Russland ist abgefahren! "Heute" hat die Übersicht über die WM-Quali-Partien des Österreichischen Nationalteams. Zum Auftakt gab es drei Punkte! Aleks Dragovic (li.) und Co. erkämpften auswärts bei Georgien einen 2:1-Sieg. Dann der erste Hochkaräter! Wales gastierte mit Superstar Gareth Bale (re.) im Happel-Stadion. Im zweiten WM-Quali-Match gab es am Ende einen Punkt - nach einem 1:2-Pausenrückstand stand es am Ende ein 2:2. Arnautovic sorgte per Doppelpack (28., 48.) für das Remis. Drittes Match: das Gastspiel in Serbien. Eine enge Partie. Zwei Mal gingen die Hausherren in Führung, zwei Mal gelang der ÖFB-Auswahl der Ausgleich. Am Ende setzte es aber eine Niederlage für Marc Janko (re.) und Co. - 2:3. Am 12. November 2016 folgte das Heimspiel gegen Irland - und die nächste Abfuhr. McClean schoss die Iren zum 1:0-Auswärtssieg. Das WM-Ticket drohte damit schon vorzeitig in weite Ferne zu rücken. Im Heimspiel gegen Moldawien war ein Sieg bereits Pflicht. Durch Tore von Arnautovic (75.) und Harnik (90.) gelang ein 2:0-Erfolg. Dann wieder ein Rückschlag. Gegen Irland verspielten Sebastian Prödl (li.) und Co. eine 1:0-Führung. Am Ende setzte es ein glückliches 1:1. In der Tabelle liegt Österreich damit punktegleich mit Wales auf Platz vier. Auf die Leader Serbien und Irland fehlen vier Punkte. Alles ist noch möglich, aber es wird immer enger ... In Irland sah es lange Zeit nach Sieg aus. Hinteregger hätte das ÖFB-Team in der 31. Minute in Führung gebracht, Walters glich kurz vor Schluss aus (85.). Ernüchterung! Vier Spiele vor dem Ende der WM-Qualifikation betrug der Rückstand auf Serbien und Irland vier Punkte. Nur ein Sieg in Wales hätte die Hoffnung am Leben gehalten. Mit einem Sieg gegen Wales wäre die Tür zum WM-Ticket weit offen gewesen. Das ÖFB-Team spielte gut, doch der Treffer gelang nicht. Marko Arnautovic vergab die größte Chance in der 33. Minute. Kaltschnäuziger präsentierte sich der 17-jährige Ben Woodburn, der die Waliser zum 1:0-Sieg schoss. Damit war es nun endgültig besiegelt. Der WM-Traum ist geplatzt. Gegen Georgien kamen die Österreicher nicht über ein 1:1 hinaus. Louis Schaub erzielte als Ersatzmann für David Alaba, der verletzt ausgewechselt wurde, den Ausgleich (43.). Valerian Gvilia hatte die Gäste im Happel-Oval in Führung gebracht (8.). Im letzten Heimspiel unter Marcel Koller feierte Österreich noch einen 3:2-Prestigeerfolg über Gruppenleader Serbien. Gruppenplatz vier war vor dem finalen Match in Moldawien dennoch fix. In der abschließenden WM-Quali-Partie in Moldawien hatten Baumgartlinger und Co, lange Zeit zu kämpfen... ...doch dann erzielte Schaub das Goldtor zum 1:0-Auswärtssieg und... ...und bescherte Teamchef Marcel Koller damit einen gebührenden Abschied von der österreichischen Nationalmannschaft.

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Vier Pflichtspiele bestritt Österreichs Nationalteam seit 2014 ohne David Alaba, vier Mal wurde gewonnen. Geht es ohne den Bayern-Star wirklich besser? Natürlich nicht! Bei aller Kritik ist Alaba ein Weltklassespieler, der Österreich zur EM 2016 führte und auch maßgeblichen Anteil daran hatte, dass Bayern 2013 neben Meisterschaft und Pokal auch die Champions League gewann.

Aber er ist eben derzeit nicht der Alaba von damals. Sein Leistungsabfall liegt auch an Ex-Coach Carlo Ancelotti, der ihn nicht so hegte und pflegte wie Vorgänger Pep Guardiola.

Diese Vaterrolle, die Alaba ganz offensichtlich braucht, wird bei den Münchnern jetzt wieder Heynckes übernehmen. Und der alte neue Trainer wirkte bereits Wunder: Alaba, für die letzten zwei Länderspiele noch verletzt gemeldet, trainierte am Montag im Klub voll mit. Also alles wieder gut. Hoffentlich.

"Koller nur schwer zu toppen"

57 Spieler hat Marcel Koller in seiner ÖFB-Ära eingesetzt. Die Qualität, die du für das Erreichen einer WM oder einer EM benötigst, haben aber nur maximal 20 davon. Die Partie in Moldawien zeigte ganz deutlich: Spieler wie Wöber, Danso, Bauer oder Lienhart haben sicher ihre Stärken, sind aber noch nicht so weit. An den Eckpfeilern Kollers – Alaba, Arnautovic, Junuzovic, Baumgartlinger, Dragovic – wird auch in der nächsten Quali kein Weg vorbeiführen.

Auch gerade deshalb ist der neue Teamchef nicht zu beneiden. Wer immer es wird, er muss mit den sensiblen Charakteren umgehen können. Er muss die ideale Position für Alaba finden. Wie man gehört hat, pocht der Bayern-Star auf seine Mittelfeld-Rolle. Und er muss ausgeprägte Gruppenbildungen im Team verhindern. Die waren für das schlechte Abschneiden in Frankreich mitverantwortlich. Keine leichten Aufgaben. Ich befürchte daher: Kollers Erfolg, die EM-Quali, ist nur ganz schwer zu toppen.

(Heute Sport)