"Heute"-Interview

13. Oktober 2017 07:00; Akt: 12.10.2017 19:33 Print

Lederer: "Rapid bringt die PS jetzt auf die Straße"

von E. Elsigan - Liga-Schlusslicht St. Pölten ist am Samstag im prall gefüllten Allianz Stadion von Rapid zu Gast. Für Coach Oliver Lederer das "lässigste" Match.

Oliver Lederer spricht im

Oliver Lederer spricht im "Heute"-Talk über das Duell mit Rapid, den Teamchef-Posten und Willi Ruttensteiner. (Bild: GEPA-pictures.com)

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Drei Spiele, ein Punkt – Oliver Lederer legte einen durchwachsenen Start als St. Pölten-Trainer hin. Am Samstag (18.30 Uhr) muss das Liga-Schlusslicht zu Rapid, dem Ex-Klub des 39-Jährigen. "Heute" bat den "Wölfe"-Coach zum ausführlichen Interview.

Herr Lederer, am Samstag sind Sie mit St. Pölten im randvollen Allianz Stadion zu Gast. Warum gelingt ausgerechnet gegen Rapid der erste Sieg?
"Warum nicht? Nach außen hin spricht natürlich nicht viel für uns. Das wissen wir auch. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Mannschaft konkurrenzfähig ist. Die Mannschaft will die Wende herbeiführen, sie glaubt an sich. Es wird gegen Rapid natürlich ein brutal schweres Match. Aber es ist auch die lässigste Auswärtspartie. Es ist so gut wie ausverkauft. Für das leben die Fußballer, auch wenn das Stadion gegen uns ist. Ich möchte, dass meine Spieler das genießen. Denn so oft kommt es nicht vor, dass du so eine geile Kulisse erleben kannst."

Sie haben in drei Spielen einen Punkt geholt. Tordifferenz 2:9. Haben Sie sich den Start bei St. Pölten so schwer vorgestellt?
"Das eine sind die Ergebnisse und die Punkte. Das andere die Entwicklung einer Mannschaft und einzelner junger Spieler. Da muss man unterscheiden. Es war natürlich absolut nicht das, was ich mir erhofft habe. Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass wir den Klassenerhalt schaffen können. Es ist im Endeffekt noch nicht viel passiert. Der Rückstand auf Mattersburg beträgt nach wie vor vier Punkte."

Wie geht es Max Entrup? Im Juni hat er im "Heute"-Interview erzählt, dass er einsatzfähig ist. Er hat aber nie gespielt. Gab es einen Rückschlag?
"Also seit ich bei St. Pölten bin, ist er größtenteils beim Training der Kampfmannschaft dabei. Er macht große Fortschritte. Aus heutiger Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis er die ersten Einsatzminuten bekommt."

Ist er für das Rapid-Spiel ein Thema?
"Das werden wir sehen."

Es ist bekannt, dass Sie großer Rapid-Sympathisant sind und eines Tages den Klub trainieren wollen. Ist es schwer, gegen seinen Herzensklub zu spielen?
"Ich habe mir bei diesem Thema schon öfter die Zunge verbrannt. Ich bin Trainer von St. Pölten und als solcher komme ich ins Allianz Stadion. Ich werde alles versuchen, um mit meiner Mannschaft den SK Rapid zu schlagen. Ob ich Fan von Rapid bin oder eines Tages Trainer dort sein will, ist überhaupt nicht relevant. Was mir der Klub bedeutet, hat man ohnehin in der Vergangenheit vernommen. Ich bin beim SKN glücklich, habe hier super Möglichkeiten, arbeite mit einer tollen Mannschaft, die momentan unter ihren Möglichkeiten performt."

Rapid-Stürmer Philipp Prosenik hat im Sommer ein Angebot aus St. Pölten abgelehnt. Unternehmen Sie im Winter einen neuen Anlauf?
"Prosenik hat seine Qualitäten schon oft unter Beweis gestellt. Warum er sich gegen St. Pölten entschieden hat, weiß ich nicht. Das war vor meiner Zeit. Aber er ist sicher einer, der interessant werden kann. Ich glaube auch, dass uns Entrup noch helfen wird. Wir sind momentan in der Planung. Wir streichen einzelne Spieler für gewisse Positionen heraus und prüfen die wirtschaftliche Machbarkeit. Zuerst schauen wir natürlich, wer sich bei uns die Möglichkeit verdient. Was ist im eigenen Nachwuchs, in der eigenen Akademie los? Das ist der erste Weg. Wenn wir der Meinung sind, dass wir auf der einen oder anderen Positionen keinen haben, der uns entscheidend weiterhilft, dann wird man über Transfers reden. Und da kann es dann auch sein, dass Prosenik thematisiert wird."

Am Samstag geht es wie gesagt gegen Rapid, das zuletzt zwei Siege einfuhr. Wie gut ist die aktuelle Mannschaft wirklich?
"All jene, die in der Vergangenheit, als Rapid in den unteren Tabellenregionen war, gesagt haben, dass Rapid nicht besser ist, werden jetzt eines Besseren belehrt. Ich konnte über solche Aussagen immer nur den Kopf schütteln. Das ist eine richtig gute Mannschaft, die das Potential und die Pflicht hat, einen Platz zwischen eins und vier zu belegen. Da sind richtig gute Individualisten dabei, die man nicht so leicht findet. Da rede ich von Schwab, Schobesberger, Schaub. Da sitzt ein Thanos Petsos auf der Bank. Nicht böse sein, die haben richtig gute Spieler. Momentan bringen sie die PS auf die Straße, hoffentlich haben sie gegen uns einen Reifenplatzer."

Ein Blick zum Nationalteam: Gesucht wird ein Teamchef, ein Österreicher soll es werden. Stehen Sie auch auf Peter Schöttels Kandidaten-Liste?
"Das glaube ich nicht. Für den ÖFB ist ein Teamchef Oliver Lederer nicht interessant. Dafür habe ich als Trainer noch zu wenig geleistet, ich muss meine Sporen erst verdienen. Schauen wir, was in zehn Jahren ist. Aber im Augenblick bin ich sehr glücklich als SKN-Trainer."

Andreas Herzog gilt als Topkandidat. Wäre er eine gute Wahl?
"Im Vorfeld kann man nicht von einer guten oder schlechten Wahl sprechen. Der Teamchef wird an den Ergebnissen und der Entwicklung der Mannschaft gemessen. Egal, wer es wird. Es sind richtig große Fußstapfen, die Marcel Koller und Willi Ruttensteiner hier hinterlassen. Andi Herzog ist sicher einer, der sich den Posten verdient hätte. Warum soll man ihm nicht die Möglichkeit geben, sich zu beweisen? Für mich ist er ein vernünftiger Mensch, der unter Jürgen Klinsmann sicher viel gelernt hat. Warum sollte man nicht ein gewisses Risiko eingehen und einem mit weniger Erfahrung die Chance geben? Ich würde die Lösung mit Herzog begrüßen."

Mit Koller musste auch Sportdirektor Ruttensteiner gehen. Mit ihm hatten Sie 2014 einen Disput, weil er Sie nicht am Trainer-Kurs teilnehmen ließ. Noch sauer?
"Ganz im Gegenteil. Der Willi und ich hatten Differenzen, aber die haben wir bereinigt. Aktuell ist er im UEFA-Pro-Lizenz-Kurs, der am 25. Oktober Gott sei Dank endet, mein Tutor. Er betreut und begleitet mich. In dieser Zeit ist eine richtig gute Beziehung zwischen uns entstanden, von der ich wirklich profitieren konnte. Ich habe seine Arbeitsweise absolut zu schätzen gelernt. Ich glaube, dass die Fußstapfen, die er hinterlässt, richtig groß sind. Aktuell wird er nur daran gemessen, wie das Nationalteam die letzten sieben, acht Monate performt hat. Aber man vergisst – und das finde ich brutal unfair – die Nachwuchs-Nationalteams, die sich für diverse Großereignisse qualifizieren, man vergisst die Infrastruktur, die rund um die Ausbildungszentren entstanden ist. Und man vergisst natürlich, wie toll sich der Damen-Fußball in Österreich entwickelt hat. Nicht falsch verstehen, ich traue den Job dem Peter Schöttel schon zu. Es wäre unfair, ihn jetzt mit Ruttensteiner zu vergleichen. Man soll dem Peter in der Causa keinen Strick drehen, sondern eine offene und faire Chance geben. Vielleicht macht er es ja sogar noch besser. Es wird schwierig, aber man darf ihn nicht vorab abqualifizieren. Er kann im Grunde für seine Bestellung nichts."