Schwere Anschuldigungen

02. Februar 2012 10:48; Akt: 03.01.2013 15:55 Print

War Fußball-Drama von Polizei geplant?

Nach den heftigen Krawallen mit mindestens 74 Toten bei einem Fußballspiel in Nordägypten werden Fragen nach einem politischen Hintergrund laut. Das Parlament wollte am Donnerstag in Kairo zusammenkommen und über das "Massaker" beraten.

 (Bild: Reuters)

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Nach den heftigen Krawallen mit mindestens 74 Toten bei einem Fußballspiel in Nordägypten werden Fragen nach einem politischen Hintergrund laut. Das Parlament wollte am Donnerstag in Kairo zusammenkommen und über das "Massaker" beraten.

Die Muslimbruderschaft, die die stärkste Fraktion stellt, betonte in einem auf ihrer Website veröffentlichten Statement, dass Kräfte am Werk seien, die in enger Verbindung zu dem früheren Regime von Präsident Hosni Mubarak stünden. Sie riefen den regierenden Militärrat auf, Maßnahmen zum Schutz der Menschen in Ägypten zu ergreifen. Zudem müsse untersucht werden, welche Verantwortung die Polizei an der Eskalation trage.

Die Anschuldigungen im Detail: Das Militär soll den Aufstand bei dem Fußballspiel von langer Hand geplant haben. Soldaten, die noch immer dem gestürzten Machthaber Hosni Mubarak die Treue halten, hätten eine "Botschaft der Anhänger des alten Regimes" übermitteln wollen, erklärte der Abgeordnete Essam al-Erian. Mubaraks Sturz jährt sich kommende Woche zum ersten Mal.

Warum unternahm Polizei nichts?

Auf eine Verwicklung der Sicherheitskräfte deutet auch, dass die Polizei nur zaghaft eingriff, als es bereits zu Toten auf dem Spielfeld kam. Auf Fotos ist zu sehen, wie Polizisten ruhig herumstehen - aber nicht, weil sie geschockt sind. Es sieht eher danach aus, als ob die Einsatzkräfte das Drama erwartet hätten. Aufgrund der Anschuldigungen wurde der Chef der Sicherheitskräfte in der Stadt Port Said entlassen.

Innenminister Mohammed Ibrahim habe entschieden, Sicherheitschef Essam Samak seines Amtes zu entheben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Mena am Donnerstag. Der regierende Militärrat ordnete nach den Ausschreitungen in der Stadt am Suezkanal eine dreitägige Staatstrauer an. Militärvertreter wiesen dagegen jegliche Schuld zurück. Es habe einen guten Sicherheitsplan bei dem Fußballspiel gegeben, erklärte Militärvertreter Ahmed Gamal. Doch der Gewaltausbruch nach Abpfiff sei nicht mehr einzudämmen gewesen.

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