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23.04.2012

Baumgartner vor 36 km-Sprung

"Ich will nicht live vor Kamera sterben"

Felix Baumgartner

Felix Baumgartner: Er springt aus 36 Kilometern Höhe - und trotzdem hängt er am Leben (© APA)

Der Stratosphären-Sprung des Salzburger Extremsportlers Felix Baumgartner rückt immer näher. Im März absolvierte er einen ersten Testsprung, im August will er seinen Traum verwirklichen, als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer zu durchbrechen. Aber nicht um jeden Preis: Seit fünf Jahren arbeitet Baumgartner und das Red Bull Stratos-Team mit 40 Wissenschaftern mit Präzision an dem Plan. "Ich hänge sehr am Leben, ich will auf keinen Fall sterben", sagte der Basejumper am Montag im Hangar 7 in Salzburg.

"Das letzte Entscheidungsrecht habe ich als Athlet", so Baumgartner, der am Freitag seinen 43. Geburtstag feierte. "Aber das ist natürlich ein sehr einfacher Satz, der schnell ausgesprochen ist. Man weiß ja selber vor Ort, dass alle Leute, das gesamte Team dort ist und mit dir auf den Tag X wartet. Wenn dann eine Kleinigkeit nicht perfekt passt, ist es schon schwierig das Ganze abzublasen. Du musst für dich abschätzen können, denn Kompromisse musst du immer eingehen. Aber wie weit ist ein Kompromiss vertretbar", so Baumgartner.

Baumgartner will nicht "live vor der Kamera verunglücken"
"Und wir wollen ja eins nicht: Live vor der Kamera tödlich verunglücken. Das willst du deiner eigenen Mutter, deiner Freundin nicht antun. Du hast eine gewissen Verantwortung deinem Sponsor gegenüber, deinen Teampartner gegenüber. Das sind alles Leute, die einem Vertrauen. Diese Menschen willst du nicht enttäuschen."

Rechtliche Probleme 2010

Ans Aufgeben habe er niemals gedacht, auch nicht, als aus rechtlichen Gründen das Projekt im Oktober 2010 gestoppt werden musste. "Ich habe mir im Vorfeld genau überlegt, was ich mache", sagte der 43-Jährige. "Ein Umdrehen auf halber Strecke, hat es bei mir nie gegeben."

Absprung aus 36 Kilometern Höhe
Beim Stratos-Projekt will Baumgartner in der Wüste von New Mexiko, knapp 30 Kilometer von Roswell entfernt, mit einer Kapsel, die durch einem Ballon aufsteigen wird, aus einer Höhe von 36 Kilometer auf die Erde springen. Noch im Sommer soll der Rekordsprung stattfinden.

"Im August gibt es die meisten Tage, die windstill sind und daher ist es für August geplant. Ansonsten kann man nur noch kurz davor eine Feinjustierung machen. Dann muss man in einer sehr kurzen Zeit die gesamte Mannschaft mobilisieren und sie nach Roswell bringen, was logistisch ein irrsinniger Aufwand ist."

Testsprung "ein Riesenmoment"
Nach jahrelanger Vorbereitung absolvierte Baumgartner im März den ersten Testsprung aus 21,8 Kilometern: "Wenn du in der Kapsel sitzt und irgendwann schaukelt die Kapsel weg und du siehst, wie die Erde unter dir kleiner wird, das war schon ein Riesenmoment. Nach fünf Jahren verlässt du zum ersten Mal die Erde, weil vorher alles nur am Boden simuliert wird. (...) Das Aussteigen und draußen stehen und die Krümmung der Erde und den pechschwarzen Himmel zu sehen, war ein Riesenmoment. Du weißt in diesem Moment, dass es nur ganz wenigen Leuten vorher vorbehalten war, dort zu stehen." Baumgartner wusste, nach sechs Minuten würde er "nach Hause" kommen.

Funkverbindung fiel aus, Kälte setzte ihm zu
Der Probesprung verlief nach Plan, allerdings hatte Felix Baumgartner mit der Kälte an Händen und Füßen zu kämpfen. Ein weiteres Problem war der Ausfall der Funkverbindung während des freien Falls. Sobald der Extremsportler den Fallschirm öffnet, muss er per Funk seine Position bekanntgeben, um sich so rasch wie möglich in ärztliche Hände zu begeben, falls eine Embolie droht. "Es ist natürlich eine Riesenlast von meinen Schultern gefallen, weil wenn man sich fünf Jahre lang vorbereitet und du vom Papier weg planst und so viele Up and Downs hast und nie sicher bist, ob es funktioniert."

Der Sprung hätte bei Organisationen wie der NASA großes wissenschaftliches Interesse geweckt. Das Wissen der Tests, etwa Informationen über den Raumanzug, werde für die Weiterentwicklung für Raum- und Luftfahrt interessant sein, sagte der 43-Jährige. "Da möchten wir unseren Beitrag leisten."

Entscheidung über letzten Sprung
Der Salzburger sah das Stratos-Projekt eigentlich als krönenden Abschluss seiner Karriere als Extremsportler. "Ich hab immer gesagt, dass dies mein letzter Sprung sein wird." Als zweites Standbein hatte er eine Ausbildung als Hubschrauberpilot absolviert. Doch es könne "noch nicht vorbei sein, dafür bin ich noch zu jung und zu umtriebig."

APA/red.



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