Heinz Jungwirth

31. Juli 2012 11:22; Akt: 01.08.2012 06:28 Print

Ex-Generalsekretär des ÖOC muss 5 Jahre in Haft

Mit einem Paukenschlag ist der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth, zu Ende gegangen.

Fehler gesehen?

Der einst wohl mächtigste Sportfunktionär des Landes wurde am Dienstag im Wiener Straflandesgericht im Sinne der Anklage schuldig erkannt und zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Die mitangeklagte Manuela K., eine ehemalige Mitarbeiterin Jungwirths, wurde freigesprochen. Der Schöffensenat ging bei Jungwirth von einem angerichteten Schaden von 3,3 Mio. Euro aus.

Dieses Geld fehle dem ÖOC, "und wenn man sich den Lebenswandel von Doktor Jungwirth ansieht, kann man sich vorstellen, wo die Beträge gelandet sind", so Richter Georg Olschak in der Urteilsbegründung. Olschak bescheinigte Jungwirth eine "besonders freche" bzw. "infame" Vorgangsweise, zumal dieser von ÖOC-Konten sogar seine privaten Lieferanten bezahlt habe.

ÖOC 1,5 Millionen Euro zugesprochen

Das ÖOC, das sich als Privatbeteiligte dem Verfahren mit 1,5 Mio. Euro angeschlossen hatte, bekam diese Summe in voller Höhe zugesprochen. Sämtliche Entscheidungen des Schöffensenats sind nicht rechtskräftig. Jungwirth, der zu diesem Zeitpunkt einen sichtlich konsternierten, fast geknickten Eindruck hinterließ, erbat Bedenkzeit, ehe er mit seinem Verteidiger Herbert Eichenseder überstürzt das Weite suchte.

Lesen Sie weiter: Die Chronologie der Affäre Chronologie der Affäre um den ehemaligen Langzeit-Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), Heinz Jungwirth, der am Dienstag wegen Untreue zu fünf Jahren Haft verurteilt worden ist - das Urteil ist nicht rechtskräftig:

Anfang Februar 2009: Erste Gerüchte um ungeklärte Geldflüsse im Zuge der gescheiterten Olympiabewerbung Salzburgs und Verstrickungen Jungwirths.

16. Februar 2009: Das ÖOC informiert über die von Jungwirth "gewünschte" Auflösung seines Vertrags mit Monatsende. Matthias Bogner wird sein interimistischer Nachfolger.

28. Februar 2009: Die Amtszeit Jungwirths endet nach mehr als 26 Jahren.

21. Juli 2009: Die Staatsanwaltschaft Salzburg weitet ihre Ermittlungen rund um die Olympiabewerbung Salzburgs auf Jungwirth und andere Verdächtige aus. Bereits seit Februar wurden gegen gegen drei ehemalige Bewerbungs-Geschäftsführer Erhebungen angestellt.

30. Juli 2009: Der "Kurier" berichtet über zahlreiche Unregelmäßigkeiten, die eine interne ÖOC-Revision entdeckt habe. Jungwirth müsse dem ÖOC Wiedergutmachung für unrechtmäßig privat genutzte Fahrzeuge, Mobiltelefone und Flugreisen im Wert von 70.000 Euro leisten. Zudem sei er zur Rückzahlung seiner Abfertigung von 180.000 Euro aufgefordert worden.

31. August 2009: Anzeige des ÖOC gegen Jungwirth wegen fragwürdiger Verwendung von ÖOC-Geldern. ÖOC-Präsident Leo Wallner weist seine Mitwisserschaft an den mutmaßlichen Millionen-Malversationen zurück.

1. September 2009: ÖOC-Chef Wallner äußert erstmals Rücktrittsgedanken. Sportminister Norbert Darabos fordert diesen indirekt.

4. September 2009: Nach fast 19-jähriger Amtszeit verkündet Wallner seinen vorzeitigen Rücktritt.

23. September 2009: Karl Stoss, der Wallner bereits als Chef der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien nachgefolgt war, wird von Wallner als neuer ÖOC-Präsident vorgestellt. Mit Wallner tritt auch der restliche ÖOC-Vorstand geschlossen ab.

22. Oktober 2009: Stoss wird von der ÖOC-Hauptversammlung einstimmig für vier Jahre gewählt.

Februar 2010: Medienberichte über ein angeblich von Jungwirth geführtes ÖOC-Schwarzgeld-Konto und verschwundene Buchhaltungsunterlagen aus dessen Amtszeit. Wallner dementiert Kenntnisse über Geldflüsse außerhalb der Buchhaltung.

17. März 2010: Das ÖOC präsentiert Peter Mennel als neuen Generalsekretär. Mennel tritt sein Amt am 1. Juni an. Außerdem wird die Existenz eines geheimen Konto aus der Jungwirth-Zeit bestätigt und die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft versichert.

20. März 2010: Stoss beziffert die über das Geheimkonto gelaufene Summe mit 3 Millionen Euro. Auch große Bargeldabhebungen werden als fragwürdig erachtet. Wallner, Jungwirth und seine damalige Stellvertreterin Manuela K. waren für die ÖOC-Konten zeichnungsberechtigt.

6. Mai 2010: Die aufklärungswürdige Summe aus den Jahren 2003 bis 2009 beziffert das ÖOC mittlerweile mit 4,64 Millionen Euro.

30. September 2010: Die Staatsanwaltschaft Salzburg weitet ihren Kreis der Beschuldigten auf Wallner und drei weitere Verdächtige aus. Damit laufen bereits gegen insgesamt neun Personen Ermittlungen.

3. Februar 2012: Jungwirth und Manuela K. werden wegen Untreue angeklagt. Jungwirth habe in Summe rund 2,8 Mio. Euro durch Überweisungen und Barbehebungen "in die eigene Tasche gewirtschaftet", so die Staatsanwaltschaft. K. sei Mittäterin gewesen. Gegen einen ehemaligen ÖOC-Kassier wird ein gesondertes Verfahren geführt.

7. - 9. Mai 2012: Strafprozess im Straflandesgericht Wien gegen Jungwirth und K. Beide bestreiten die Vorwürfe. Eine äußerst seltsame Finanzgebarung und Buchprüfung im ÖOC wird offenkundig. Jungwirth belastet den als Zeugen auftretenden Wallner als Mitwisser. Dieser dementiert und beschuldigt seinerseits Jungwirth schwer. Der Prozess wird vertagt, ein Gutachten soll die genaue Schadenssumme feststellen.

17. Mai 2012: Das ÖOC verklagt Wallner auf 800.000 Euro Schadenersatz wegen Verletzung der Aufsichtspflicht. Auch gegen einen Ex-Kassier geht das ÖOC juristisch vor.

3. Juli 2012: Der Prozess gegen Jungwirth und Manuela K. in Wien wird zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

19. Juli 2012: Die Staatsanwaltschaft Salzburg stellt das seit 2009 laufende Ermittlungsverfahren gegen die ehemaligen Geschäftsführer der Salzburger Olympiabewerbung, Fedor Radmann, Rudi Höller und Gernot Leitner, ein. Gegen Wallner, Heinz Jungwirth, Manuela K., den Salzburger Strategie-Berater Erwin Roth sowie gegen zwei damalige ÖOC-Kassiere wird weiter ermittelt.

31. Juli 2012: Jungwirth wird wegen Untreue zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Er habe durch eine "besonders freche" und "infame" Vorgangsweise einen Gesamtschaden von 3,3 Millionen Euro angerichtet, hieß es in der Begründung des noch nicht rechtskräftigen Urteils. Jungwirth erbat sich Bedenkzeit. Die mitangeklagte Manuela K. wird freigesprochen.