Robert Wagner unter Verdacht

19. Dezember 2017 12:49; Akt: 19.12.2017 15:10 Print

Österreicher in Gatlins Doping-Affäre verstrickt

Justin Gatlin, Weltmeister über 100 Meter, soll erneut gedopt, sein Coach sogar gedealt haben. Sein Manager Robert Wagner spielt auch eine wichtige Rolle.

Bildstrecke im Grossformat »
Wer dopt, und warum? Die Ausreden reichten von kurios bis absurd. "Heute" hat eine Auswahl der besten Begründungen. Der aktuelle Spring-Weltmeister wurde bereits einmal mit einem erhöhten Testosteronwert getestet. Er meinte: "Ein Betreuer hat mich mit einer Salbe eingerieben. Er hatte vorher Ärger mit mir und wollte mir Probleme machen." "Der Asthma-Inhalator meiner Mama ist explodiert. Vor Schreck hab ich 'huch' gesagt und wohl versehentlich etwas inhaliert", gestand die deutsche Mountainbikerin 2007. "Ich habe nach einem Einbruch zu viel Whiskey getrunken", ist die Sauf-Ausrede des ehemaligen Tour-Siegers. Dem Rad-Profi wurde auf der Tour nach einem Sturz Fremdblut-Doping durch eine Bluttransfusion nachgewiesen. "Die Sturzverletzungen haben die Blutembolie ausgelöst", glaubt er. "Mit ist das Krebsmittel meiner Mutter in das Essen gefallen", erklärt der Tennis-Profi. Sie wurde zwei Monate gesperrt. Tyler Hamilton: Für Blutdoping hatte der Radprofi eine schlüssige Erklärung: "Ich bin ein Mischwesen, die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." Der Rumänien-Kicker griff zu Kokain - mit gutem Grund: "Ich hatte den Wunsch, meine sexuellen Leistungen zu verbessern." Später wurde er ein weiteres Mal des Dopings überführt: "Das liegt an einem Abführmittel. Ich wusste nicht, dass es verbotene Substanzen enthält." "Jemand hat mir die Substanz in die Zahnpasta gemischt", erklärte der deutsche Leichtathlet, nachdem er 1999 positiv auf Nandrolon getestet wurde. Norwegens Langlauf-Olympiasiegerin wurde auf das Steroid Clostebol getestet. Nach Angeben des Verbands war eine Sonnencreme schuld, die von der siebenfachen Weltmeisterin zur Behandlung eines Sonnenbrandes auf der Lippe verwendet wurde. "Ich habe Caramel-Bonbons eingenommen, die ich aus Südamerika mitgenommen habe", erklärte der Rad-Profi den Kokain-Nachweis. (l.): "Meine Schwiegermutter hatte mir einen Tee zur Stärkung der Potenz empfohlen", meinte der Rad-Profi. Der französische Judoka hat nach eigenen Angaben nie gedopt - und trotzdem einen erhöhten Nadrolonwert. "Ich bin Moslem und halte mich strikt an die Regeln, die Drogen als Todsünde ansehen - also auch Doping." Argentiniens Kicker-Ikone und Weltmeister von 1986 wurde 1994 des Dopings mit Ephedrin überführt. "Ich habe nur ein Mittel gegen meine Erkältung genommen." Die Tennis-Ikone aus der Schweiz wurde mit Kokain erwischt und meinte: "Jemand hat es mir in den Fruchtsaft getan." Der Sprinter erklärte seinen erhöhten Nandrolonwert so: "Ich habe nicht gedopt, nur Avocados gegessen." "Irgendwer hat mir in der Disko zwei Pillen angedreht. Keine Ahnung, was da drin war, aber ich habe sie halt in meiner Dummheit geschluckt." Problem für den Ex-Radprofi: es waren Amphetamine!

Zum Thema
Fehler gesehen?

In London kürte sich Justin Gatlin heuer zum Sprint-Weltmeister über die 100 Meter. Nun tauchten Gerüchte auf, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging. Der US-Athlet sah sich prompt gezwungen, via Instagram Stellung zu beziehen.

"Ich nehme keine leistungssteigernden Mittel und habe dies auch nicht getan", schreibt Gatlin.

Die Anschuldigungen sind brisant – und kommen nicht von ungefähr. Die englische Zeitung "The Telegraph" hatte Undercover-Reporter in Gatlins Trainingscamp geschickt. Dort sollen sein Coach Dennis Mitchell – selbst Staffel-Olympiasieger – und sein vermeintlicher Manager, der 57-jährige Oberösterreicher Robert Wagner, den Reportern angeboten haben, illegale Substanzen wie Testosteron und Wachstumshormone zu besorgen. Wagner soll dabei erklärt haben, dass die Anwendung von Dopingmitteln eine "alltägliche Situation" ist und sein "Fachgebiet" ist.

Arzt aus Österreich als Lieferant?

Die Produkte sollen laut "The Telegraph" von einem Arzt aus Österreich kommen. Kaufsumme: 275.000 Euro.

Wagner selbst äußerte sich in der Zeitung bereits zu den Vorwürfen. Er gibt an, "nicht in Doping involviert" gewesen zu sein. Seine Ansage, dass auch seine Kollegen verbotene Substanzen verwenden, erklärt er folgendermaßen: "Ich habe ihr (der Undercover-Reporterin) das gesagt, um den Job zu bekommen." Zudem wisse er nichts von einem Doping durch Gatlin: "Ich bin ja nicht sein Manager."

Gatlin hat sich mittlerweile von seinem Trainer getrennt. "Ich war geschockt und überrascht, als ich erfahren habe, dass er mit dem Aufkommen dieser Anschuldigungen etwas zu tun hat. Ich habe ihn gefeuert, als ich davon erfuhr", sagt Gatlin.

Fakt ist: Die unabhängige Integritätskommission (AIU) des Leichtathletik-Weltverbandes und die US-Anti-Doping-Agentur gehen der Sache nach.

Gatlin war bereits 2001 und 2006 des Dopings überführt worden. Im aktuellen Fall gilt freilich die Unschuldsvermutung.


(red.)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.