Acht Jahre Sperre

09. Januar 2018 13:38; Akt: 09.01.2018 14:32 Print

Kanu-Star dopte heimlich seinen Teamkollegen

Der Kanute Yasuhiro Suzuki wollte seine Chance auf die Olympischen Spiele 2020 erhöhen und "dopte" seinen Rivalen. Zudem stahl er seine Ausrüstung.

Bildstrecke im Grossformat »
Wer dopt, und warum? Die Ausreden reichten von kurios bis absurd. "Heute" hat eine Auswahl der besten Begründungen. Der aktuelle Spring-Weltmeister wurde bereits einmal mit einem erhöhten Testosteronwert getestet. Er meinte: "Ein Betreuer hat mich mit einer Salbe eingerieben. Er hatte vorher Ärger mit mir und wollte mir Probleme machen." "Der Asthma-Inhalator meiner Mama ist explodiert. Vor Schreck hab ich 'huch' gesagt und wohl versehentlich etwas inhaliert", gestand die deutsche Mountainbikerin 2007. "Ich habe nach einem Einbruch zu viel Whiskey getrunken", ist die Sauf-Ausrede des ehemaligen Tour-Siegers. Dem Rad-Profi wurde auf der Tour nach einem Sturz Fremdblut-Doping durch eine Bluttransfusion nachgewiesen. "Die Sturzverletzungen haben die Blutembolie ausgelöst", glaubt er. "Mit ist das Krebsmittel meiner Mutter in das Essen gefallen", erklärt der Tennis-Profi. Sie wurde zwei Monate gesperrt. Tyler Hamilton: Für Blutdoping hatte der Radprofi eine schlüssige Erklärung: "Ich bin ein Mischwesen, die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." Der Rumänien-Kicker griff zu Kokain - mit gutem Grund: "Ich hatte den Wunsch, meine sexuellen Leistungen zu verbessern." Später wurde er ein weiteres Mal des Dopings überführt: "Das liegt an einem Abführmittel. Ich wusste nicht, dass es verbotene Substanzen enthält." "Jemand hat mir die Substanz in die Zahnpasta gemischt", erklärte der deutsche Leichtathlet, nachdem er 1999 positiv auf Nandrolon getestet wurde. Norwegens Langlauf-Olympiasiegerin wurde auf das Steroid Clostebol getestet. Nach Angeben des Verbands war eine Sonnencreme schuld, die von der siebenfachen Weltmeisterin zur Behandlung eines Sonnenbrandes auf der Lippe verwendet wurde. "Ich habe Caramel-Bonbons eingenommen, die ich aus Südamerika mitgenommen habe", erklärte der Rad-Profi den Kokain-Nachweis. (l.): "Meine Schwiegermutter hatte mir einen Tee zur Stärkung der Potenz empfohlen", meinte der Rad-Profi. Der französische Judoka hat nach eigenen Angaben nie gedopt - und trotzdem einen erhöhten Nadrolonwert. "Ich bin Moslem und halte mich strikt an die Regeln, die Drogen als Todsünde ansehen - also auch Doping." Argentiniens Kicker-Ikone und Weltmeister von 1986 wurde 1994 des Dopings mit Ephedrin überführt. "Ich habe nur ein Mittel gegen meine Erkältung genommen." Die Tennis-Ikone aus der Schweiz wurde mit Kokain erwischt und meinte: "Jemand hat es mir in den Fruchtsaft getan." Der Sprinter erklärte seinen erhöhten Nandrolonwert so: "Ich habe nicht gedopt, nur Avocados gegessen." "Irgendwer hat mir in der Disko zwei Pillen angedreht. Keine Ahnung, was da drin war, aber ich habe sie halt in meiner Dummheit geschluckt." Problem für den Ex-Radprofi: es waren Amphetamine!

Zum Thema
Fehler gesehen?

Acht Jahre Sperre – dieses Urteil fasste der Kanute Yasuhiro Suzuki jetzt von der japanischen Anti-Doping-Behörde aus. Der 32-Jährige hatte gestanden, dass er seinem teaminternen Rivalen Seiji Komatsu die verbotene Substanz Methandienon, bekannt als Dianabol, zum Muskelaufbau ins Getränk gemischt hatte.

Mit der höchst unsportlichen Aktion hat Suzuki versucht, seine Chancen auf einen Kaderplatz für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu erhöhen. Zunächst ging sein Plan auf, Komatsu wurde im September nach seinem Sieg über die 200 Meter-Distanz im Kajak-Einer bei den nationalen Sprint-Meisterschaften des Dopings überführt. Suzuki selbst wurde nur Achter. Später gestand er aber, dass er das Getränk seines Teamkollegen (wobei das Wort Kollege hier irreführend ist) mit dem anabolen Steroid versetzt hat.

"Ein derartiges Ereignis hat es in der Geschichte des Sports in Japan noch nie gegeben"

"Ich wollte bei den Olympischen Spielen in Tokio im Kajak-Vierer dabei sein, aber ich war nur auf Rang fünf", versucht sich Suzuki in einer Erklärung. "Ich wusste, wenn es so weiterginge, dass ich mich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren werde, also habe ich das Mittel reingelegt."

Der japanische Verband hielt außerdem fest, dass Suzuki wiederholt versucht hat, andere Sportler zu schwächen, indem er ihnen die Trainings- und Wettkampf-Ausrüstung stahl. "Ein Ereignis dieser Art hat es in der Geschichte des Sports in Japan noch nie gegeben und ist sehr enttäuschend", erklärt der Vorsitzende der japanischen Sport-Agentur Daichi Suzuki zerknirscht.


Das könnte Sie auch interessieren:

(red.)

Themen
Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.