Sportminister fordert Namen

14. Februar 2018 12:09; Akt: 14.02.2018 12:09 Print

Missbräuche: Strache nimmt den ÖSV in Schutz

Die Missbrauchsfälle rund um den österreichischen Ski-Sport beschäftigen auch Sportminister Heinz-Christian Strache, der sich nun deutlich äußerte.

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Der Bombenanschlag auf Dortmund, Kamera-Sturz in St. Moritz und die tragischen Todesfälle im Ski-Sport. Das sind die Sport-Dramen aus 2017. Drama! Kurz vor dem Saisonstart der Weltcup-Speedfahrer erschütterte der tödliche Unfall von David Poisson den Ski-Zirkus. Der Franzose kam im Training im kanadischen Nakiska zu Sturz. Poisson schoss durch zwei Fangnetze hindurch in den Wald, kollidierte mit einem Baum. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Zahlreiche Kollegen, Wegbegleiter, Freunde und seine Familie nahmen mit rührenden Statements Abschied. Drama! Nur wenige Wochen später sorgte der nächste Todesfall für Entsetzen. Max Burkhart kam bei einer Nor-AM-Abfahrt in Lake Louise ums Leben. Er stürzte, durchschnitt mit seinen Skiern das Fangnetz. Er wurde noch an der Strecke versorgt und im kritischen Zustand ins Spital geflogen. Dort erlag er einen Tag später seinen schweren Verletzungen. Der deutsche Nachwuchsfahrer wurde nur 17 Jahre alt. Skandal! Nicola Werdenigg trat mit ihren Enthüllungen über sexuelle Gewalt im Skisport eine Lawine an Reaktionen los. Seither häufen sich die Erzählungen ehemaliger Sportler, die über die groben Missstände in Sporvereinen, Verbänden und Internaten auspacken. Ihr Mut erspart künftigen Generationen hoffentlich jenes Leid, das sie und andere Gewaltopfer erleben mussten. Skandal! Lewis Hamilton setzte 2017 zu sportlichen Höhenflügen an. Sein Image erhielt dennoch erste Risse, als er im Zuge der "Paradise Papers"-Enthüllungen eine Bruchlandung hinlegte. Es wurde bekannt, dass er beim Kauf seines 23-Millionen-Euro teuren Privatjets durch einen Mehrwertsteuer-Deal 4,5 Millionen Euro sparte. Hamilton cashte dank einer moralisch fragwürdigen Briefkasten-Firma ab. Skandal! Auch Cristiano Ronaldo machte sich wohl eines Steuervergehens schuldig. Der fünfmalige Weltfußballer soll 14,7 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben, musst daher schon vor Gericht aussagen. Sollte er schuldig gesprochen werden, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe, bis zu dreieinhalb Jahre könnte er hinter Gitter verbringen. Seine Anwälte weisen alle Vorwürfe zurück. Skandal! Hope Solo ist für ihre fußballerischen Fähigkeiten aber auch wegen ihrer disziplinären Verfehlungen bekannt. Die US-Torfrau schockte im Zuge der Missbrauchs-Enthüllungen im Herbst mit einer erschreckenden Geschichte. Sie wirft Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter sexuelle Belästigung vor, sagte, er habe ihr an den Hintern gegriffen. Blatter, nach zahlreichen Korruptions-Eklats ohnehin schon stark in der Kritik, geriet dadurch in ein noch schlechteres Licht. Drama! Freilich lässt sich dieses Drama nicht mit den schrecklichen Todesfällen im Skisport vergleichen. Italiens Scheitern in der WM-Quali trieb dennoch einem ganzen Land die Tränen in die Augen. Schweden warf die Fußball-Nation aus den Play-offs - die Endrunde in Russland findet 2018 ohne den ehemaligen Weltmeister statt. Dieses Schicksal teilt Italien mit Österreich. Marko Arnautovic und Co. konnten nicht an die Erfolge der EM-Quali anschließen. Seit der Europameisterschaft 2016 geht es für das ÖFB-Team stetig bergab. Das Scheitern in der WM-Quali kostete Teamchef Marcel Koller seinen Job. Franco Foda soll das Team nun zurück zu alter Stärke führen. Im kommenden Sommer bleibt den heimischen Kickern trotzdem nichts anderes über, als vor dem TV-Gerät davon zu träumen, was alles möglich gewesen wäre. Skandal! Thorsten Fink gegen Anchor Rainer Pariasek - das Privatduell. Der Austria-Trainer verlor nach einer Pleite vor dem ORF-Mikro die Nerven. Er schauzte Pariasek an: "Sie kennen sich nicht aus." Und: "Ist die Skisaison schon vorbei? Oder warum sind sie hier?" In Richtung Pariasek und ORF-Experte Peter Hackmair sagt er dann: "Wenn ich euch beide hier sehe, habe ich sowieso immer schon ein schlechtes Gefühl." Skandal! Am 11. April kam es in Dortmund zu einem schrecklichen Vorfall. Die Spieler des Bundesligisten schrammten vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Monaco an einer Katastrophe vorbei. Ein Einzeltäter (dringender Tatverdächtiger) übte einen Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus aus (siehe nächstes Bild) ... ... Spieler Marc Bartra verletzte sich an der Hand, musste operiert werden, erholte sich zum Glück schnell. Das Motiv des Täters: Habgier. Er soll mit Aktien des Klubs gehandelt haben. Der BVB holte das abgesagte Spiel nur einen Tag später nach, verlor das Hinspiel mit 2:3. Das Rückspiel entschieden die Monegassen mit 3:1 für sich. Drama! Beim Champions-League-Finale kam es in Turin zu einer Massenpanik. Das Endspiel zwischen Real und Juventus wurde dort via Public Viewing übertragen. Eine Absperrung fiel um, Feuerwerkskörper sorgten für lautes Knallen. Als jemand laut "Bombe" rief, wollten sich die Menschen in Sicherheit bringen. Die Massenpanik forderte rund 1.500 Verletzte und ein Todesopfer. Eine Frau erlag wenig später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Skandal! Ski-WM-Veranstalter St. Moritz entging im Februar nur knapp einer Katastrophe. Ein Jet der Patrouille Suisse kappte ein Tragseil einer Video-Kamera, diese knallte aus einigen Metern Höhe direkt in den Zielraum. Zum Glück wurde niemand getroffen und es kam zu keinen Verletzungen. Skandal! Die Formel 1 war diese Saison spannend wie lange nicht mehr. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel lieferten sich lange einen Fight auf Augenhöhe - der Brite setzte sich am Ende doch noch deutlich durch. In der heißen Phase der Saison flogen aber gewaltig die Fetzen. Die beiden Streithähne lieferten sich harte Duelle auf der Strecke und trugen verbale Kämpfe über die Medien aus. Das negative Highlight: In Baku eskalierte der Streit, Vettel fuhrt Hamilton absichtlich ins Auto. Skandal! Das IOC hat sich entschieden. Russland darf wegen staatlich gesteuerten Dopings nicht an Olympia 2018 teilnehmen. Im Zuge der Enthüllungen wurden auch mehrere Sportler lebenslang gesperrt, darunter der Olympiasieger über 50 Kilometer Langlauf in Sotschi: Alexander Legkow. Skandal! Patrice Evra ist als starker Fußballer und Spaßvogel bekannt. Dem Franzosen gehen aber auch hin und wieder die Sicherungen durch. So geschehen vor dem Europa-League-Match gegen Vitoria Guimaraes. Zuschauer schrien Beleidigungen aufs Spielfeld. Evra reagierte mit einem Tritt gegen den Kopf. Noch vor dem Anpfiff sah er deshalb die Rote Karte. Marseille trennte sich von seinem Skandal-Kicker. Skandal! Peter Sagan wurde für diesen Rempler von der Tour de France ausgeschlossen. Das Urteil nach dem vermeintlichen Ellbogencheck gegen den Briten Mark Cavendish auf der 4. Etappe war allerdings höchst umstritten. Skandal! Mensur Suljovic mischt die Darts-Elite auf. Der Wiener muss aber harte Kritik eines Sport-Kollegen einstecken. Snowboarder Benjamin Karl: "Suljovic schießt halt seine Darts-Pfeile sechs Stunden lang an die Wand und trinkt nebenbei ein Bier oder einen Apfelsaft." Für ihn sei Darts kein Sport. Suljovic konterte: "Man muss vor 5.000 Zuschauern spielen, die schreien und gegen dich sind, dann schauen wir, wo der Puls ist. Wir dürfen eben keinen Muskelkater haben, müssen locker und auf die Scheibe fokussiert sein." Im August schockte Ski-Star Marcel Hirscher seine Fans. Er brach sich im Training den Knöchel. Rechtzeitig zum Saisonstart kämpfte er sich zurück und feierte bereits im ersten Saisonriesentorlauf einen Sieg. Die Verletzung vor der Olympia-Saison hatte zum Glück keine dramatischen Auswirkungen. Im März erlitt Österreichs Ski-Queen Anna Veith einen Rückschlag, musste erneut unters Messer. Sie wurde am Knie operiert. Wie Hirscher kämpfte sich auch Veith zurück in den Weltcup - ihr Leidensweg war aber länger. Dementsprechend fehlte ihr auf die Konkurrenz bisher noch etwas Zeit. Bei diesem Bild schreckten Fußball-Fans rund um den Globus zusammen. Zlatan Ibrahimovic landete nach einem Zweikampf unglücklich, zog sich einen Kreuzbandriss zu. Viele glaubten, die Karriere des 36-Jährigen könnte damit vorbei sein. Ibra zeigte es seinen Kritikern. Er ist zurück im Trikot von Manchester United! Felix Neureuther wird Olympia 2018 verpassen. Er galt als einer der Top-Favoriten auf Medaillen in den Technik-Disziplinen. Ein Kreuzbandriss stoppte den sympathischen Deutschen. Links 2016, rechts 2017 - Pechvogel Thomas Diethart hat es wieder erwischt. Der ÖSV-Adler stürzte im Dezember schwer, zog sich grobe Verletzungen zu. Nun steht beim einstigen Vierschanzentournee-Sieger sogar das Karriereende im Raum. 6. August 2017: Das 2:2 im ersten Wiener Derby sorgt für Schlagzeilen. In der Nachspielzeit wird die Partie unterbrochen, Austria-Spieler Raphael Holzhauser wird vom "Wut-Ordner" beschimpft.

Zum Thema
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"Was ich mitbekommen habe, ist, dass vieles heute dem Verband unterstellt wird, was nichts mit dem Verband zu tun hat", sagte Österreichs Sportminister Heinz-Christian Strache in einem Interview mit der "APA". Damit nimmt der FP-Chef den Österreichischen Skiverband in Schutz, der zuletzt durch zahlreiche Missbrauchsfälle für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte.

Der Hintergrund

Ex-Rennläuferin Nicole Werdenigg wagte sich mit schlimmen Erlebnissen an die Öffentlichkeit und gab damit vielen Betroffenen den Mut, es ihr gleichzutun. Sie erzählte, wie sie in jungen Jahren sexuelle Gewalt am eigenen Leibe ertragen musste, trat damit eine Lawine an Reaktionen los.

In den Wochen danach häuften sich ähnliche Berichte von Sportlerinnen und Sportlern, die unter anderem über perfide Bestrafungs-Rituale in Ski-Internaten sprachen. Zuletzt sorgte der Bericht um eine mutmaßliche Gewalttat von Ski-Legende Toni Sailer für viel Aufregung. Unmittelbar vor dem Start der Olympischen Winterspiele tauchten auch schwere Vorwürfe gegen Trainer-Ikone Charly Kahr auf. Die betreffenden Stories finden Sie in der Übersicht weiter unten im Artikel.

Werdenigg-Treffen

Strache nehme all diese Vorwürfe sehr ernst, wird er zitiert. Er fände es wichtig, "die Verantwortlichen auch beim Namen zu nennen". Denn: "Es ist notwendig, die Namen zu wissen, um dann rechtsstaatliche Verfahren einzuleiten. Das ist der Rechtsweg. Ich glaube, es ist nicht dienlich, irgendwelche Dinge in den Raum zu stellen, die nicht restlos auf den Tisch gelegt werden und daher nicht aufklärbar sind."

Weitere Klarheit soll ein Gespräch mit Werdenigg geben. Am 27. Februar kommt es zum Treffen zwischen Strache und Werdenigg. "Weil mir das wichtig ist, mit ihr persönlich zu reden und mir auch ein Bild zu machen", sagte Strache, dem es dabei vor allem um die "menschliche Ebene" gehe.

Eines ließ der Sportminister aber schon jetzt durchklingen: Die Förderung soll dem ÖSV wohl nicht entzogen werden.


Wer den Überblick verloren hat, hier eine Link-Sammlung zum Thema:

+++ Missbrauchsvorwurf gegen Ski-Legende "Charly" Kahr +++
+++ Vertuschte Kreisky Sailer-Vergewaltigung? +++
+++ Werdenigg: "Das Ski-Team hatte ein Alkohol-Problem" +++
+++ Werdenigg: Treffen mit Strache über Missbrauch +++
+++ Gottwald über Missbrauch: "Waren Opfer und Täter" +++
+++ Raich wehrt sich, Stams "kein Ort des Schreckens" +++
+++ Werdenigg gründet Plattform für Betroffene +++
+++ ÖSV-Skandal: Werdenigg nennt Namen und Details +++
+++ Ex-Rennfahrerin von ÖSV-Servicemann vergewaltigt +++
+++ "Bis der Hintern blutete!" Missbrauch in Schladming +++
+++ Schröcksnadel in Richtung Werdenigg: "Kommt nix raus, reicht uns eine Entschuldigung" +++
+++ Skihauptschule Neustift: Drei weitere Ex-Sportler berichten von Missbrauch +++

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(Heute Sport)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerlinde am 14.02.2018 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät

    Anonyme Anzeigen sind nicht i O Warum werden von den Damen nicht alle Nsmen genannt, auch die eigenen? Außerdem, warum nach Jahrzehnten, was lässt sich da noch beweisen?

  • Sigi am 14.02.2018 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    alles auf den Tisch

    Meine Meinung: alles auf den Tisch oder gar nichts. Das mit den Nachrichtenhäpchen hat keinen Sinn.

  • Fortuna am 16.02.2018 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Flugzeug mit Willigen nachsenden

    Das britische Königshaus hat für die Falkland-Helden anno dazumal ein ganzes Kreuzfahrtsschiff mit willigen Fräuleins auf die Inseln geschickt. So könnte man - nach reiflicher Überlegung - von Strache erwarten, für unsere Sporthelden inkl. schmachtenden Funktionäre ein Flugzeug mit Willigen nach Südkorea nachzusenden. Das müsste das ÖSV-Problem einstweilen lindern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fortuna am 16.02.2018 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Flugzeug mit Willigen nachsenden

    Das britische Königshaus hat für die Falkland-Helden anno dazumal ein ganzes Kreuzfahrtsschiff mit willigen Fräuleins auf die Inseln geschickt. So könnte man - nach reiflicher Überlegung - von Strache erwarten, für unsere Sporthelden inkl. schmachtenden Funktionäre ein Flugzeug mit Willigen nach Südkorea nachzusenden. Das müsste das ÖSV-Problem einstweilen lindern.

  • Sigi am 14.02.2018 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    alles auf den Tisch

    Meine Meinung: alles auf den Tisch oder gar nichts. Das mit den Nachrichtenhäpchen hat keinen Sinn.

  • Gerlinde am 14.02.2018 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät

    Anonyme Anzeigen sind nicht i O Warum werden von den Damen nicht alle Nsmen genannt, auch die eigenen? Außerdem, warum nach Jahrzehnten, was lässt sich da noch beweisen?