Ab 26. Jänner im Kino

19. Januar 2018 16:36; Akt: 19.01.2018 16:36 Print

Gemein-geniale Mama ist der große Oscar-Favorit

von Leonard Dworschak - "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" gilt zurecht als heißer Tipp für die Oscarverleihung Anfang März.

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Tag für Tag fährt Mildred (Frances McDormand) die Straße entlang, an der ihre Teenager-Tochter entführt, vergewaltigt und ermordet wurde. Die DNA-Spuren führten ins Nichts, Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) ist dem Täter nach sieben Monaten keinen Deut näher.

Da kommt Mildred eine perfide Idee: Sie mietet die drei verfallenen Reklametafeln (engl. "billboards"), die an eben jener Straße stehen und lässt sie mit einer eindeutigen Botschaft plakatieren. "Vergewaltigt, während sie starb. Immer noch keine Verhaftungen. Warum, Chief Willoughby?" steht fortan in riesigen Lettern an der Ortseinfahrt.

Niemand ist über Mildreds Kampfansage erfreut. Ihr Sohn (Lucas Hedges), ihr Ex-Mann (John Hawkes), Willoughby, sein rassistischer Redneck-Gehilfe Dixon (Sam Rockwell), ja sogar der Zahnarzt von Ebbing - sie alle versuchen, die auf Rache sinnende Mutter zur Vernunft zu bringen, ob mit freundlichen Worten, Drohgebärden oder Repressalien. Doch Mildred ist nicht nur ein Sturschädel, sie kann auch einiges einstecken...

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Oscar-würdig
Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh ("Brügge sehen... und sterben?", "7 Psychos") ist für seine irrwitzigen Thriller-Plots und kultigen Dialoge berühmt. Wenn Mildred die katholische Kirche mit einer Straßengang vergleicht oder Willoughby über Rassismus und Schwulenfeindlichkeit in den Reihen der Polizei philosophiert, blitzt McDonaghs schelmische Genialität auf.

Mehr noch als die verbalen Schmankerln beeindrucken aber die umwerfenden Charaktere des Films. Sofort wachsen sie den Zusehern ans Herz, sofort fiebern sie mit ihnen mit. Für Spannung sorgen dabei vor allem die Querelen und Anfeindungen, mit denen sich Mildred herumschlagen muss. Das Mord-Mysterium lauert zwar stets im Hintergrund, im Kern von "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" stehen aber Kleinstadt-Dynamik und Familiendramen.

Martin McDonaghs neues Werk ist grausig, fesselnd, bitterböse und vollgepackt mit schwarzem Humor. Dass dem Publikum das Lachen des Öfteren im Halse stecken bleibt, darf als Qualitätsmerkmal gelten. Frances McDormand verdient allein schon für ihr Mienenspiel einen Oscar, ihre aufmuckende, fluchende, unverrückbare Mildred einen Platz unter den gefeierten Heldinnen der Kinogeschichte.

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" startet am 26. Jänner 2018 in den österreichischen Kinos.


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