Rezension

13. Juni 2018 17:06; Akt: 13.06.2018 17:06 Print

Starkes Historien-Drama mit kurzen Kitschanfällen

von Leonard Dworschak - "Die Frau, die vorausgeht" erzählt vom letzten großen Indianerhäuptling des Wilden Westens.

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Am 25. Juni jährt sich die Schlacht am Little Bighorn zum 132. Mal. Sioux, Arapaho und Cheyenne rieben das siebente Kavallerie-Regiment der United States Army unter General Custer auf. Als einzig nennenswerter militärischer Triumph der Indianer ging das Massaker in die Geschichte der Vereinigten Staaten ein.

Die Weißen rächten sich fürchterlich für die Niederlage. Die am Gemetzel beteiligten Häuptlinge wurden gejagt und ermordet. Nur einer von ihnen überlebte: Sitting Bull. Nach einer Gefängnisstrafe trat er für kurze Zeit in der Wildwest-Show von Buffalo Bill auf und ließ sich danach im Standing-Rock-Reservat in Dakota nieder.

Der Trailer von "Die Frau, die vorausgeht":

Ein Porträt von Sitting Bull
Hier setzt das Biopic-Drama "Die Frau, die vorausgeht" an. Frisch verwitwet und somit endlich nicht mehr vom Gutdünken ihres Gatten abhängig, reist die Malerin Catherine Weldon (Jessica Chastain) mit der Eisenbahn gen Westen. Sie will ein Porträt von Sitting Bull (Michael Greyeyes) anfertigen - die Vertreter der Indianerbehörde und der Armee sind alles andere als begeistert. Zu frisch ist die Erinnerung an Little Bighorn. Auf Damen aus der New Yorker Hautevolee, die naiv-romantischen Vorstellungen über die amerikanischen Ureinwohner nachhängen, reagiert man allergisch.

Dabei passt Catherine gar nicht ins Bild der verträumten Idealistin. Sitting Bull zieht sie nur deshalb an, weil er den unterdrückten Freiheitsdrang verkörpert, dem sie sich ein Leben lang ausgesetzt sah. Keinem anderen Menschen auf dem Kontinent könnte sie sich verbundener fühlen. Der Konflikt zwischen Siedlern, Armee und Indianern ist ihr hingegen völlig gleichgültig. Erst als ihr eine Welle aus Hass entgegenschlägt und sie ein gewisser Colonel Silas Groves (Sam Rockwell) zum Umkehren bewegen möchte, bezieht Catherine Stellung. Sie überredet Sitting Bull, auf politischem Wege für seine Freiheit zu kämpfen und macht sowohl ihn als auch sich selbst damit zur Zielscheibe.

Kitschanfälle
Der historische Hintergrund liefert dem Biopic ein gutes, starkes Thema, und wie immer ist es eine Freude, Jessica Chastain und Sam Rockwell bei der Arbeit zuzusehen. Ein paar Kitschanfälle muss das Publikum dennoch über sich ergehen lassen, vor allem wenn der Soundtrack sich in geruhsam-seligem Gitarrengezupfe verliert. Das hätte besser in einen Bierwerbespot gepasst, in dem ein Farmer im Schaukelstuhl wippend den sommerlichen Sonnenuntergang über seinem Maisfeld betrachtet.

"Die Frau, die vorausgeht" startet am 6. Juli 2018 in den österreichischen Kinos.

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