"Body and Freedom"

09. August 2018 06:00; Akt: 09.08.2018 07:49 Print

Jö schau! Da hängen überall Nackerpatzerln ab

von M. Dorner - Es muss nicht immer das Hawelka sein. Ab 23.8. wimmelt es in Zürich nur so vor Entblößten – und sogar die Polizei streckt den blanken Daumen nach oben.

"Fat Woman" Julischka Stengele und Anja Plonka verzichten für die Kunst auf Textil (Bild: Evamaria Schaller, Viktor Jaschke)

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Da vorne windet sich ein Nackerpatzerl um den Laternenmast, drüben kugeln Adam und Eva in inniger Umarmung über den Asphalt, ums Eck wird inbrünstig auf den Stufen gefläzt – und wer ist eigentlich die Dame in Üppig? Fragen, die sich Passanten auf der Zürcher Rathausbrücke von 23. bis 25.8. bestimmt stellen werden.

Festival zur "Auslotung des gesellschaftlichen Reibungspotenzials"
Denn da steigt in der Schweiz das "Body and Freedom Festival", laut Mastermind Thomas Zollinger eine "weltweit einzigartige experimentelle Plattform zur künstlerisch-praktischen Erkundung des gesellschaftlichen Umgangs mit dem nackten Körper". Drei Tage irritiert die Sause mit Nackt-Performances aller Art, das Spektakel dient (im wahrsten Sinne des Wortes) der "Auslotung des gesellschaftlichen Reibungspotenzials".

"Unverschämt fette" Performance-Künstlerin aus Wien
Bei der imposanten Lady mit den pinken Gymnastikpatscherln handelt es sich übrigens um die in Wien lebende transdisziplinäre Künstlerin Julischka Stengele ("Mein unbezahlter Vollzeitjob ist es, unverschämt fett, queer und femme-inistisch zu sein. Für Geld performe, wider-spreche und schreibe ich, kreiere Fotos, Installationen, leite Workshops, organisiere Events oder ziehe mich aus.“). Gemeinsam mit 17 Kollegen (u.a. Austro-Künstler Matthias Mollner) aus ganz Europa bringt sie Zürich noch mehr ins Schwitzen – besonders schweißtreibend: eine 4,5-Stunden-Aktion an Tag 2 (die meisten Aufritte dauern 20 bis 30 Minuten und werden an einem anderen Tag wiederholt). Ein Fall für die Exekutive?

1.000 Franken Strafe für "Nacktspaziergang"
"Nein, der Event ist natürlich behördlich genehmigt. Es dauerte ein wenig, die Bewilligung zu bekommen, aber die Schweizer sind da ja eher offen", erzählt Zollinger im "Heute"-Talk. Das war nicht immer so. "Für eine ,Stadtwanderung mit Nacktakzenten‘ 2014 in Biel/Bienne (Vorläufer des ersten ,Body and Freedom Festivals" 2015 ebenda, Anm.) hatte ich nur eine Teilgenehmigung. Wir duften in der Altstadt performen, aber nicht in der Geschäftszone. Daran hielten wir uns nicht. Ein Polizist in Zivil kam damals auf mich zu und flüsterte mir diskret ins Ohr: ,Entweder Sie brechen ab, oder Sie zahlen 1.000 Franken Bußgeld!'. Ich nahm das Bußgeld."


1.000 Franken Bußgeld für "Stadtwanderung mit Nacktakzenten"

Events von "Naked Ufo" bis "Nacktknäuel"
Zollinger beschäftigt sich seit 1994 mit partizipativen und performativen Inszenierungen des menschlichen Körpers, mit Gruppen bis zu 30 Personen und im Stadtraum, seit 2008 vor allem nackt. Sein Fokus liegt auf Performances des Gehens und des Stehens. Grosses Aufsehen erregte er mit dem "Naked Ufo" anlässlich der Schweizerischen Plastikausstellung utopics in Biel (2009), dem „Naked Slow Walk" am „Zagreb I love you Festival" (2014) und dem Body and Freedom Festival 2015. Dazwischen realisierte er bereits einige Nacktperformance-Projekte in Zürich , so den "Naked Art Walk" auf dem Turbinenplatz" (2012) und den "Nacktknäuel" auf der Rathausbrücke (2013).

Textilfreie Sause könnte schon bald in Wien steigen
Ein Festival, das mit realer Nacktheit von Körpern im öffentlichen Raum der Gesellschaft den Spiegel vorhält – klingt wie maßgeschneidert für das nackterprobte Wien (u.a. ImPulsTanz, auch Fotokünstler Spencer Tunick startete seine Karriere 1999 in Österreich). "Konkrete Pläne gibt es noch keine", so Zollinger. "Aber ich habe schon darüber nachgedacht, hier mal vorzufühlen. Ich denke, das könnte super funktionieren!"

Abendliche "Nacktgespräche" runden Spektakel ab
Das Festival wird von einem kulturellen Abendprogramm begleitet. Mit den "Nacktgesprächen" wird ein Forum für kritische Reflexion geboten. Sie umfassen Kurzvorträge aus kulturhistorischer-, kunst- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven, Feedbacks und Diskussion. Werkpräsentationen sowie Performances ergänzen das Programm.

HIER gibt's noch mehr Infos


Übrigens: Zollinger liebäugelt auch mit Wien als Festival-Location: „Das könnte gut funktionieren!


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Renate am 09.08.2018 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reader

    Ein Kunst Eventdas echt niemand braucht.

  • Tschogal am 09.08.2018 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht OK

    Ja, aber wegen einem Tatoo auf einer Frauenbrust in Linz wird groß gemeckert

  • Anton K. am 09.08.2018 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Graus

    Um Gottes Willen unter dem Scheffel Kunst ist offensichtlich Alles erlaubt! Ein Graus für die Augen!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Christian am 14.08.2018 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt respektvoll

    Ich finde es ok. Und ich finde es gut, dass sich auch dicke mal zeigen. Überall wird geschrien gegen bodyshaming. Überall wird die ach so grosse Toleranz vorgegaukelt. Aber bitte nur solange die dicken (Und da fängt es bei mollig an) sich eh brav vollverhüllt verstecken. Tun sie es nicht, werden sie auf offener Strasse verhöhnt! Erst neulich wieder beobachtet. Wie eine Mollige in knielangen shots von einem jungen Mädel (schlank) verunglimpft wurde. Findet Euch damit ab. Es gibt dicke. Sie sind genauso wertvoll wie dünne. Und nicht jeder ist durchs fressen fett!!!

    • murksi am 24.08.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      Christian

      Deine Toleranzgeste scheint endlos zu sein? Natürlich können die Leute essen was sie möchten und daher auch dick sein.Ausziehen brauchen sie sich desswegen nicht,es genügt schon die Leibesfülle,dass man sie nicht übersieht.Nackert herumrennen vor der Öffentlichkeit? GESCHMACKLOS!

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  • Mojo am 13.08.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach grauslich.....

    Echt gruselig und grauslich dazu, zum abgewöhnen, diese Bilder müssen wieder aus meinem Kopf

  • Free am 12.08.2018 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ist keine Kunst

    Das ist abartig pervers und ist keine Kunst!

    • brutus am 15.08.2018 12:29 Report Diesen Beitrag melden

      free

      Kunst ist, was darauf Anspruch erhebt, Kunst zu sein, und sein Publikum findet. Mittels des Mediums "heute" hat die Aktion ein Publikum gefunden.

    einklappen einklappen
  • Thomas Pogoriutschnig am 11.08.2018 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Wo ist denn das Problem, von mir aus können alle ständig nackt rumlaufen, sie sollen sich halt entsprechend pflegen damit man nicht durch den Geruch belästigt wird. Allerdings frage ich mich, wieso manche ihre "Amatomie" geradezu aufdrängen, während genau die sich andererseits über jeden Kommentare, jedes Kompliment, jedes schielen in einen weiten Ausschnitt beschweren und nach dem Staatsanwalt schreien....

    • brutus am 15.08.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      ...utschnig

      Na, hoffentlich pflegt die ssbbw-Venus von Berndorf nicht nur ihren geräumigen Corpus, sondern auch die Gummipotschen, um den Gestank hintanzuhalten.

    einklappen einklappen
  • Dr. Botox am 11.08.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin schön, HÄSSLICH

    Jeder Mensch ist schön. Nur Werbung und Mode und Chirurgie macht Menschen zu Monster.