"Die Wiener Maria"

23. August 2018 06:30; Akt: 23.08.2018 10:08 Print

Dieser mobile Busen "stillt" Schwarzarbeiter

von M. Dorner - Kunstbusen, einmal anders. Ein Trinkbrunnen versorgt den Wiener Arbeiterstrich mit Wasser – ein Zeichen, um auf die Situation der Betroffenen aufmerksam zu machen.

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Ohne Silikon, mit Message – die auf einem Kleinlaster montierte "Wiener Maria" pendelt bis 30.8. zwischen Triester-, Herbst- und Brünner Straße.

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"Brust steht für Verletzlichkeit und gegenseitige Abhängigkeit"
"Geplante Provokation ist langweilig", so Initiator Milan Mijalkovic im „Heute“-Talk. "Aber natürlich will ich, dass die Leute zu denken beginnen. Über Arbeit an sich. Darüber, worauf sie hinarbeiten. Aufs Sterben?“ Dafür verwendet er starke Symbole: die Brust ("steht für Verletzlichkeit und gegenseitige Abhängigkeit zugleich"), den LKW ("die Waffe des Kapitalismus und, seit den Terroranschlägen, eine echte Waffe") sowie Auszüge aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 an der Seitenwand des Lasters. Daneben steht in fetten Lettern: "Schwarzarbeiter, Schwarzarbeiter, kriegst ein Wasser."

Bundeskanzleramt förderte den "Trinkbrunnen"
Das Wasser dient als Zeichen für den "existentiellen Minimalkonsens" zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn weniger geht nicht. "Welche anerkennende Geste bringt jeder von uns denjenigen, die für ihn arbeiten, entgegen?", fragt Mijalkovic – und ließ sich die Brust mit einem Durchmesser von zwei Metern vom Bundeskanzleramt fördern.

Rumäne blies Luftballone für je einen Euro auf
Mit dem Milieu in Kontakt kam der in Mazedonien geborene und seit 2001 in Wien lebende Künstler und Architekt, als er für sein Projekt "The Monument of the Working Man" an einer Maschine tüftelte, die Luftballone vollautomatisch aufbläst und fliegen lässt. Auf der Suche nach einem Spezialisten traf er auf einen Maurer aus Rumänien, der anbot, den Job für einen Euro pro Ballon zu machen.


"The Monument of the Working Man"

Mijalkovic: "Gab Schwarzarbeitern heimlich Wegwerfkameras"
Seitdem beschäftigt sich Mjalkovic in seinen Arbeiten vorwiegend mit Männern aus Osteuropa, die sich – nicht kranken-, sozial- und unfallversichert – für acht Euro die Stunde am Wiener Arbeiterstrich "prostituieren". 2016 entstand u.a. die "Arbeitsstrich-Sammlung" – laut Mastermind eine "Reihe von Alben, die heimlich aufgenommene Fotos einzelner Schwarzarbeiter von ihren Einsatzorten versammeln." Mijalkovic zu "Heute": "Ich gab ihnen Wegwerfkameras, um ihr Tun zu verewigen. Man muss sich das so vorstellen: Sie werden in Bussen abgeholt und verbringen dann oft Tage am Bau. Sie wissen nicht einmal, wo sie sind." Um ihrem Schaffen ein Gesicht zu geben, heißt jede Sammlung wie ihr "Sammler".

Fotoserie zeigt Kurz beim Händeschütteln
Im gleichen Jahr nahm Mijalkovic an einer Gruppenschau im frei_raum Q21 uum 50-jährigen Jubiläum des Gastarbeiter-Abkommens zwischen Österreich und der Republik Jugoslawien teil. Auf mannshohen Sockeln positionierte er vor den Eingängen zwei Schwarzarbeiter, die das Eintreffen des damaligen Außen- und Integrationsministers Sebastian Kurz abwarteten und von denen einer Kurz schließlich die Hand schüttelte. Die Momente wurden in der Fotoserie "Herr Minister Kurz freut sich und begrüßt einen der Tausenden Schwarzarbeiter" abgebildet. Mijalkovic: "Kurz meinte, es sei sein Lieblingsbild."

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stealth71 am 23.08.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Entrüstung

    der me2 Gemeinde? Nur weils Kultur ist gehts durch?

  • Gaby C am 23.08.2018 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Als Kunstaktion ganz lustig, besser wäre

    Etwas gegen Schwarzarbeit zu tun. Und zwar bei den Auftraggebern. Die armen Hunde sind wie Sklaven, und alle schauen zu.

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  • Rural-Lady am 23.08.2018 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wiener Maria

    Kunst darf und soll provozieren. Aber das geht gar nicht! Sexistisch - frauenbenutzend!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • pascal am 23.08.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    the rise and fall of the Austrian empire

    Was hat dieser für Österreich unentbehrlich gewordene Mazedonier sonst (archtektonisch) geleistet? ----- zu hinterfragen ist auch, wer diese Wassermusik für illegale Gehsteigherumsteher finanziert? Vielleicht stammt das Wasser aus einer vergleichbaren Quelle wie die Energie, die als Energieschirm das Krankenhaus Nord vor Ungemach und Kritik schützt?

  • Rural-Lady am 23.08.2018 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wiener Maria

    Kunst darf und soll provozieren. Aber das geht gar nicht! Sexistisch - frauenbenutzend!

  • myopinion am 23.08.2018 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kunstwerk gegen Schwarzarbeit

    Dieses Kunstwerk finde ich einfach nur abstrakt und geschmacklos. Mir wäre es lieber, wenn man z.B. beim Baumarkt mit O, Triester Straße, nicht an Personen vorbeigehen muss, die nicht gerade vertrauenerweckend aussehen. Auch die Tankstelle dort, würde ich nicht anfahren, da sie dort herumstehen. Wenn man beim Rotlicht Gewerbe so restriktiv ist, gehört hier ebenfalls so vorgegangen, da illegal.

  • stealth71 am 23.08.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Entrüstung

    der me2 Gemeinde? Nur weils Kultur ist gehts durch?

  • Gaby C am 23.08.2018 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Als Kunstaktion ganz lustig, besser wäre

    Etwas gegen Schwarzarbeit zu tun. Und zwar bei den Auftraggebern. Die armen Hunde sind wie Sklaven, und alle schauen zu.

    • pferdchen150273 am 23.08.2018 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gaby C

      das sind keine sklaven !! die leben in ihrem land mit diesem geld sehr gut !

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