Rockoper im Ronacher

22. März 2018 06:03; Akt: 21.03.2018 18:12 Print

Hier hauen sich Jesus und Judas aufs Maul!

von M. Dorner - Heiliger Boxsack! Jesus (Drew Sarich) zeigt Judas (Sasha Di Capri) seinen rechten Haken – gut 2.000 Jahre zu spät, macht aber nichts. Wir durften beim Warm-Up für "Jesus Christ Superstar" dabei sein.

Geküsst wird später! Das passiert, wenn der Sohn Gottes und Verräter die Fäuste sprechen lassen.
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"Bei Sasha ist das so", erklärt uns Drew Sarich. "Man wartet und wartet und wartet – und erst in den letzten 20 Sekunden kommt er in die Gänge. Und dann kann man eigentlich nur mehr wegrennen!" Hätte Jesus diesen (Aus-)Weg auch in Erwägung gezogen, wäre vielleicht alles anders gekommen. Aber sei's drum, am 23.3. feiert Andrew Lloyd Webbers und Tim Rices weltbekannte Rockoper "Jesus Christ Superstar" als "Rockmusical in Concert" Premiere in Wiener Ronacher. Und statt Haue gibt's einen Kuss.

Symphonic-Version mit 43 Musikern
Das Theater zeigt das Werk erstmals in der selten gespielten großen "Symphonic Version" mit 43 Musikern – neben "Jesus" Drew Sarich ("Tanz der Vampire") und "Judas" Sasha Di Capri ("Evita") ist dieses Mal Barbara Obermeier in der Rolle der "Maria Magdalena" zu erleben. Erzählt werden die letzten sieben Tage von Jesus Christus in Jerusalem aus der kritischen Sicht des Judas. Dabei geht es um die Liebe Maria Magdalenas zu Jesu, das letzte Abendmahl, das Urteil Herodes und den Verrat von Judas der zum Kreuzweg Jesu und schlussendlich zu seinem Tod führt.

Warm-Up im "Ronacher-Ring"
Bis 23.3. wird geprobt, das beste Warm-Up für Drew (nach einer Runde Springschnurhüpfen!) und Sasha ist ein kleiner Infight im "Ronacher-Ring". Wir durften uns ducken, ein paar Fragen stellen – und dann auch selbst zuhauen.

Interview mit Drew Sarich und Sasha Di Capri

"Heute": Wer hat den stärkeren rechten Haken?

Drew: Sasha, ganz klar. Der ist ein Biest

"Heute": Und wer langt links besser zu?

Sasha: Drew ist ein Linkshänder. Die Sache ist also klar.

Drew: Sasha hat Speed. Und er gibt immer erst ganz am Schluss so richtig Gas. Man wartet und wartet und wartet und in den letzten 20 Sekunden ist’s soweit und man kann eigentlich nur mehr wegrennen.

Sasha: Ich bin wie ein Diesel. Es dauert, bis ich drinnen bin, aber dann richtig.

Jesus Christ Superstar ab 23.3. im Wiener Ronacher

"Heute": Du hast in einem Interview einmal gesagt, "Jesus ist kein Oberheiliger". Okay, was dann?

Drew: Ich bin mit der Kirche aufgewachsen und hab auch "Jesus Christ Superstar" sehr oft gesehen. Und ich hatte immer ein Problem damit, wenn Jesus als Lamm dargestellt wird. Mir ist ein Löwe lieber – aber einer, der entschieden hat, ein Lamm zu sein. Er hat mehr Stärke, als alle rund um ihn. Diese Kraft, so etwas durchzuziehen und ins Ungewisse zu gehen, verlangt eine Kraft, die wir nicht haben. Keiner wird an einem Baum festgenagelt, weil er lieb und nett war. Jesus war scary.

"Heute": Wer ist menschlicher: Jesus oder Judas?

Drew: Ich finde, Judas.

Sasha: Das ist auch gerade unsere Diskussion, wir zeigen uns in dieser Fassung beide sehr menschlich.

Drew: Sie sind zwei Seiten derselben Münze. Ich glaube, ich kann mich am besten mit Judas identifizieren, weil wir als Normalsterbliche mit Intellekt verflucht sind. Wie überanalysieren alles. Und da fehlt es uns einfach am Glauben. Der Schritt ins Ungewisse ist für uns – und auch für Judas – viel schwerer, als für Jesus.

"Heute": Hätten die zwei ihr Problem damals im Boxring ausgetragen, denkt ihr, man hätte die Geschichte noch umschreiben können?

Drew: So wie wir die Geschichte erzählen, waren sie beste Freunde. Sie waren halt einfach unterschiedlicher Meinung, in diesem Punkt.

Sasha: Das passiert ja auch in einer Partnerschaft. Judas ist wie ein Beifahrer. Er braucht wen, um ans Ziel zu kommen, aber er kann nicht fahren. Und so lässt er sich von Jesus kutschieren und kommt irgendwann drauf, dass er wo anders abbiegen wollte.


Kostprobe: Drew singt in St. Petersburg "Gethsemane"


"Heute": Weißes Leintuch und Wallemähne – so sehen wir dich, Drew, in der Rockoper nicht. Was trägst du, Jean und DocMartens?

Drew: Ich kleide mich so normal und bequem wie möglich. Dieses Stück funktioniert nur, wenn man echte Menschen auf der Bühne sieht. Schnickschnack stört da nur. Das geht die Aussage flöten.

"Heute": Ihr wurdet bestimmt auch schni einmal verraten: Was tut ihr, wenn es euch passiert? Stillschweigen, ausrasten?

Sasha: Ui, das kommt auf die Situatioon und den Menschen an. Aber normalerweise sage ich schon, was ich denke.

Drew: Das Leben muss schon geklärt werden, Beziehungen sowieso. Ich hab sehr jung für mich entschieden, dass ich nichts verüble. Das versuche ich immer. Und ich erwarte auch immer wieder, dass Freunde und Kollegen versuchen, nichts zu verübeln. Aber ja, manchmal gibt es einfach einen Bruch, weil’s nicht zu kitten ist.

"Heute": Drew, du atmest diese Rolle jetzt schon seit vielen Jahren. Passiert’s dir nie, dass du dich manchmal selbst ein bisschen göttlich fühlst?

Drew: Hell, NO!

Sasha: Los, erzähl ihr die Geschichte …

Drew: Ich hab mir mit 17 die 1993-Tour von "Jesus Christ Superstar" gesehen, mit Ted Neeley als Jesus und Carl Anderson als Judas. Ich war so baff von der Kraft dieser Männer und nach der Show wartete ich wie Hunderte andere Kids am Bühneneingang und dann kommt der Typ raus, der Jesus gespielt hat, und legt den Kindern wirklich die Hände auf die Köpfe. Ooh mein Gott, so übel. Ich mir nur gedacht: "Du bist es nicht, bitte lass das!“ Also das geht gar nicht. Es ist unser Job, eine Geschichte zu erzählen, und das Publikum auch zum Denken zu bringen. Aber wenn der Vorhang fällt, dann ist unser Job eigentlich zu Ende.

"Jesus Christ Superstar – The Rock-Musical in Concert" ist von 23. März bis inklusive 2. April 2018 im Ronacher zu sehen. Regie führt Alex Balga. HIER gibt's Tickets.


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