Liebes'gschichten

30. Juni 2017 06:00; Akt: 30.06.2017 07:53 Print

Spira: "Liebe ist nicht so wichtig, wie man glaubt!"

von Maria Dorner - Und das ausgerechnet aus dem Mund der Dame, die sich die Zweisamkeit seit 20 Jahren zum Beruf macht? Elizabeth T. Spira im Interview.

270 glückliche Seelen sind noch nicht genug: Spira im Gespräch mit Maria Dorner im Schutzhaus zur Zukunft (Bild: Sabine Hertel)

270 glückliche Seelen sind noch nicht genug: Spira im Gespräch mit Maria Dorner im Schutzhaus zur Zukunft (Bild: Sabine Hertel)

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Fröhlich muss man sein, um sich zu verlieben, und nicht zu gierig. Das sagt eine, die es wissen muss. Seit 20 Jahren packt Spira suchende Herzen in Geschichten und vereint sie, im besten Falle.

Mit Mitte 90 noch einmal die ganz große Liebe
987 Singles in 20 Jahren und bis zu einer Million Zuseher pro Folge sind nicht genug, ab 10.7. (20.15 Uhr, ORF 2) wird wieder gekuppelt. Oder, wie es Elizabeth T. Spira ausdrückt: "Den Menschen eine Bühne gegeben, um bekannt zu werden." Los geht's mit dem traditionellen Rückblick, absolutes Highlight aus der letzten Staffel sind Rosa-Maria (96) und Alfred (95), die gemeinsam noch einmal so richtig aufblühen. Glücklich turtelten sie sogar durch die Präsentation am 28.6. im Wiener Schutzhaus zur Zukunft. Und: Mit dabei ist auch Hilde, Pensionistin aus der Steiermark. Sie lebte die ersten 66 Jahre als Arnold. Mittlerweile ist sie wieder verheiratet – mit ihrer neuen Partnerin Carola zelebrierte sie eine Schamanenhochzeit.

Elizabeth T. Spira im Interview

„Heute“: Wollen Sie einsame Seelen wirklich nur zusammenzuführen – oder genießen Sie es auch, sie zu studieren?

Spira: Ich rede mit den Leuten. Und nachdem ich das gut kann, routiniert und auch relativ humorvoll bin, kommen einfach manchmal sehr witzige Interviews dabei heraus. Oder traurige, oder aggressive. Je nachdem, wie der Mensch ist. Ich spüre relativ schnell, wo’s hingeht.

„Heute“: Habitus, Lebenswandel, Ansprüche? Gibt's Kandidaten, die Sie sprachlos machen?

Spira: Natürlich haben manche völlig überzogene Vorstellungen. Da sitzt ein 60-Jähriger mit sonnengegärbter, faltiger Haut und Altersflecken und will eine 20-Jährige. Er darf mir das ruhig sagen, aber es muss ihm klar sein, dass ich hier nachhake. So etwas macht mich aber nicht sprachlos, das finde ich lustig.

Heute“: Wie viel meschugge ist noch okay? Was tun Sie, wenn Sie beim Dreh über Dinge stolpern, die über den guten kleinen Wahnsinn hinausgehen?

Spira: Naja, das hier ist ja keine „Alltagsgeschichte“, sondern eine "Liebesgeschichte". Und die ist nicht politisch. Ich muss zu allen fair sein, aber natürlich sehe ich Dinge. Ich spreche sie nicht an, schaue, aber dass die Kamera drüberschweift. Über Hitlers „Mein Kampf“ im Bücherregal, zu Beispiel. Dann frag ich halt, ob er oder sie gerne liest. Das sind Rettungsgeschichten. Weil so wird sich jemand, dem dieser Mensch eigentlich gefallen hätte, der das jetzt aber furchtbar findet, ganz bestimmt nicht mehr für ihn melden.

„Heute“: Hätte ich als totaler Normalo auch Chancen, von Ihnen verkuppelt zu werden?

Spira: Die meisten Kandidaten sind ja total normal.

„Heute“: Finde ich nicht. Sie sind normal, aber mit der gewissen Schrulle, die es ausmacht. Ich meine so richtig normal. Ohne Spleen, ohne Geheimnis, ohne Tiefgang. Langweilig, eben.

Spira: Wenn Sie mir etwas erzählen, ja. Sonst nicht. Ohne Geschichte gibt’s kein Fernsehen. Ich selbst würde es auch nicht erzählen. Ich dränge auch nicht danach, meine Liebesgeschichten vor der Kamera ausbreiten, das geht ja keinen etwas an. Aber wenn Sie in die Sendung wollen, dann müssen Sie etwas erzählen. Ob wirklich alles stimmt, ist zuerst einmal egal. Außerdem: Es gibt gar kein langweiliges Leben. Es fühlt sich nur manchmal so an, weil nicht alles spannend ist.

„Heute“: In der letzten Staffel haben sich Rosa-Maria (96) und Alfred (95) gefunden, das älteste Paar in 20 Jahren. Das per se ist besonders schön. Aber ist es noch schöner, weil Sie wissen: Wären Sie nicht gekommen, wäre wohl gar nichts mehr gekommen?

Spira: Vermutlich ja. Aber es ist natürlich auch toll, dass sie zwei Menschen, die immer in Beziehungen gelebt haben, noch so verlieben können. Hals über Kopf. Sie sind so fröhlich, benehemen sich wie zwei Tennager und sind unzertrennlich. Das können ganz viele schon mit 60 oder 70 nicht mehr. Oder sie sind grantig und haben ganz falsche Vorstellungen, was da passieren muss.

„Heute“: In den letzten Jahren gab’s immer wieder Gerüchte, dass sie aufhören wollen. „Man kann ja nicht das ganze Leben dem ORF widmen“, haben Sie einmal gesagt. Kann man offenbar doch?

Spira: Ja, kann man. Wenn’s Spaß macht.

„Heute“: „Hätti wari tati“– haben Sie nie solchen Gedanken? Sie sind mit dem einen Ding zwar durch die Decke gegangen, haben sich zugleich aber auch selbst aus dem Spiel genommen…

Spira: Ja, es passiert manchmal einfach, dass man erfolgreich ist. Es tut mir eh leid, es ist mir halt passiert (lacht).

„Heute“: Ihre eigene Hochzeit diente nur der Adoption ihres Kindes. Steht Heirat nicht auf Ihrer persönlichen „Romantik-Kiste“ – oder sind Sie ganz einfach keine Romantikerin?

Spira: Ich bin keine Romantikerin, ich bin eine 68erin. Damals war es scheißbürgerlich, zu heiraten. Ich hätte auch nie geheiratet, wenn ich selbst ein Kind in die Welt gesetzt hätte. Und mein Mann ebenso wenig. Wir haben auch drei Anläufe am Standesamt gebraucht, um uns anzumelden. Die Male davor sind wir immer wortlos jeder in eine andere Richtung wieder gegangen. Ich hätte meiner Fürsorgerin alles unterschrieben, was Sie nur gewollt hätte – aber nein, wir mussten für die Adoption heiraten. Der Turrini übrigens auch.

„Heute“: Bekommen Sie auch negatives Feedback. Von denen, die Sie nicht verkuppelt haben?

Spira: Nein, weil ich verkupple ja gar nicht. Ich gebe Menschen die Möglichkeit, bekannt zu werden. Und darauf meldet sich wer, oder nicht. Es ist aber noch nie passiert, dass jemand gar nichts bekommen hat. Einige bekommen aber natürlich sehr wenig.

„Heute“: Wie viel ist wenig?

Spira: Acht oder so, das ist extrem wenig. Und das heißt ja dann auch noch nichts. Denn man muss ja auch die Begabung haben, sich zu verlieben. Die fehlt sehr vielen. Zur Liebe gehört eine große Fröhlichkeit. Es ist aber so, dass viele Leute kommen, die ein furchtbares Leben hinter sich haben. Mit einem Mann, zum Beispiel, mit dem es gar nicht lustig war. Jetzt ist der tot und die meinen, das Leben sei ihnen noch etwas schuldig. Die haben so eine Gier, dass es abschreckend ist.

„Heute“: Wer bekommt mehr Resonanz. Männer oder Frauen?

Spira: Männer natürlich. Weil die Männer ja zu faul sind, für Frauen anzurufen oder zu schreiben.

„Heute“: Je kleinbürgerlicher es zugeht, desto großartiger wird’s. So mein Eindruck von der Sendung. Hören Sie das öfter?

Spira: Ja, sowieso. Aber das kann man alles nicht wählen. Der eine lässt sich alles vergolden, weil er verrückt ist, die andere lebt in einem kleinen Raum im Gemeindebau. Von da melden sich mittlerweile übrigens viel zu wenige Leute für meinen Geschmack. Schade, aber ich kann ja nicht durchgehen und „Bitte melden“ rufen.

„Heute“: Fand in den 20 Staffeln ein soziographischer Wandel bei den Bewerbern statt?

Spira: Vor 20 Jahren war das igittigitt, dass sich eine bürgerliche Dame vor meine Kamera setzt und einen Mann sucht. Das hat sich geändert. Jetzt scheint es, als ob die etwas besseren Damen und Herren die Leute aus dem Gemeindebau verdrängt hätten. Genau so wie mit den Schwulen. Da war es in den ersten paar Jahre ganz schwer, wen zu finden. Den Anfang haben die Grazer gemacht und jetzt scheint's, dass sie schon alle schon dabei waren.

„Heute“: Ihre Kunst, Menschen aus der Reserve zu locken, ist sogar Gegenstand der Wissenschaft. Es gibt mehrere Diplomarbeiten über Ihre Sendung. Lesen Sie die?

Spira: Nur, wenn man mich darauf anspricht oder ich befragt werden.

„Heute“: Zum Abschluss noch ein bisschen Kitsch: Liebe ist …

Spira: … nicht so wichtig, wie man glaubt. Man kann mit ein bissl weniger Liebe auch ganz gut leben. Der Kopf ist mindestens genau so wichtig.

Bewerben Sie sich
Singles können sich auch parallel zur Ausstrahlung bewerben:
ORF, Kennwort "Liebesg'schichten", Würzburggasse 30, 1136 Wien, Tel.: 01 5810978, liebesgschichten@orf.at
HIER gibt's mehr Infos


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • myopinion am 30.06.2017 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Folgen

    Freu mich schon wieder auf die neuen Folgen von Frau Spira und ihrem Team. Immer sehr unterhaltsam und wenn sie wieder jemand findet,hat sie ein gutes Werk getan.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • myopinion am 30.06.2017 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Folgen

    Freu mich schon wieder auf die neuen Folgen von Frau Spira und ihrem Team. Immer sehr unterhaltsam und wenn sie wieder jemand findet,hat sie ein gutes Werk getan.