Millionen ruiniert

30. März 2017 10:49; Akt: 02.03.2018 14:52 Print

Trampel im Museum: Die 10 teuersten Hoppalas

Trampeln, tatschen, schütten: Blöde Touris, patscherte Kinder, unvorsichtige Besitzer – Diese "Ups"-Momente zerstörten einzigartige Millionen-Kunst.

Totenmaske des Tutanchamun (Bild: dpa)

Totenmaske des Tutanchamun (Bild: dpa)

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Künstler zerstört 2.000 Jahre alte Vase - aus Neid
Neid ist etwas Hässliches - und kann extrem teuer zu stehen kommen. Im Februar 2014 gastierte Ai Weiwei mit einer Schau im Perez Art Museum in Miami. Dort war der einheimische Künstler Maximo Caminero so erbost, weil das Museum nur ausländische Künstler zeigte, dass er eine Vase aus Ai Weiweis Kunstinstallation zerschmetterte. Nachher erfuhr Caminero, dass die Vase aus der Han-Dynastie (206 vor Christus bis 220 nach Christus) stammte und eine Million Dollar wert war. Da tat es ihm dann plötzlich Leid.

Künstler zerstört Ai Weiwei-Kunst in Miami: Vase war eine Million wert

Uhren-Unikat "explodiert" nach Grapsch-Attacke
"Man schaut mit den Augen", lernt jedes Kind von seiner Mama. Ein älterer Herr in Pennsylvania hätte auf seine Mutter hören sollen. Stattdessen grapschte er im Uhrenmuseum in Columbia ein Uhren-Einzelstück von James Borden an. Das hochsensible Meisterwerk der Handwerkskunst explodierte regelrecht von der Wand.

Dem Museum blieb nichts anderes übrig als die Einzelteile zum - glücklicherweise noch lebenden - Künstler zu schicken. Der muss erst einmal nachschauen, ob er das Unikat wieder zusammenbauen kann. Der Grapsch-Tourist muss den Schaden übrigens nicht selbst bezahlen.

Besucher zerstört Uhren-Unikat im National Watch & Clock Museum in Columbia, Pennsylvania

Putzleute reinigen Kunstinstallation zu Tode
Immer wieder sind es die Putzkräfte, die Kunstwerken den Todesstoß versetzen. Im Oktober 2015 musste ein zeitgenössische Kunstinstallation in Bozen dran glauben.

"Dove andiamo a ballare questa sera?" ("Wohin gehen wir heute abend tanzen?" hieß das Kunstwerk des Duos Goldschmied & Chiari. Die Installation sollte eine Kritik an der italienischen Gesellschaft der 1980er Jahre sein. Die Reinigungskräfte hielten die leeren Sektflaschen und die Party-Deko offenbar nicht für Kunst, sondern für die Überreste einer tatsächlichen Party - und räumten auf.

Das Museum versprach, die Installation wieder aufzubauen. Das dürfte kein Problem gewesen sein, denn die Reinigungskräfte hatten den Müll fein säuberlich getrennt und die Champagnerflaschen separat aufbewahrt.

Pechvogel: 12-Jähriger stolpert in 1,3-Mio-Gemälde
Eine Leonardo da Vinci-Ausstellung in Taiwan machte einen 12-Jährigen schlagartig weltberühmt. Der Bub mit dem Becher stolperte, die Überwachungskamera filmte mit: Ausgerechnet das Podium, das gierige Besucherhände vom unersetzbaren Bild fernhalten sollte, wurde zum Stolperstein. Reflexartig stützte er sich mit den Armen an der Wand ab - und merkte erst beim Aufschauen, dass er mit der Faust durchs Ölgemälde gestoßen war.

Gemälde-Reparatur unwahrscheinlich
Das Gemälde ist in Privatbesitz und wurde für die Dauer der Ausstellung ausgeliehen. Das 1,3-Millionen-Bild hätte danach dem Besitzer zurückgegeben werden sollen. Stattdessen wurde es sofort nach Italien zurückgeschickt - ruiniert. Zwar war das Bild versichert, eine Reparatur ist aber unwarhscheinlich. Der Bub musste für den Schaden übrigens nicht aufkommen.

Bub stolpert in 1,3-Millionen-Gemälde


Tutanchamuns Totenmaske mit Superkleber "repariert"

Außer Landes darf die weltberühmte 3.300 Jahre alte Totenmaske des Pharao Tutanchamun nicht, denn da könnte ja was passieren. Beim eigenen Putzpersonal wurde allerdings nicht so genau geschaut: Bei Wartungsarbeiten an einer Vitrine ist dem Putztrupp des ägyptischen Museums in Kairo ein tragisches Hoppala passiert: Der Totenmaske des Pharaos Tutanchamun wurde der Bart abgebrochen. Um den Vorfall zu vertuschen, wurde er mit Superkleber (!) neu fixiert. Dabei tropfte Epoxidharz auch auf das Gesicht. Beim Versuch, es mit einer Spachtel (!!) abzukratzen, entstand noch mehr Schaden, außerdem wurde der Bart schief angeklebt. Ein deutscher Restaurator musste den Schaden beheben.

Deutscher Restaurator muss Kleber von Tutanchamun-Maske entfernen

Pensionistin restauriert Jesus zu Tode, wird weltberühmt
Die 80-jährige Cecilia Giménez aus Borja in Spanien wollte 2012 das Bild "Ecce Homo" von Elias Garcia Martinesz aus den 1930ern restaurieren.

Offizielle Stellen gingen erst von einem Akt des Vandalismus aus, doch die entrüstete Dona Ginénez verteidigte sich, sie hätte in hellem Tageslicht gearbeitet und natürlich hätte ihr der Priester vorher sein OK gegeben.

Lustiges Detail am Rande: Während Kunsthistoriker meinen, das Original sei absolut nichts Besonderes gewesen, kennen den Ort Borja und den restaurierten Jesus inzwischen Millionen Menschen. Das Bild wurde als Meme in Dutzenden Variationen zum Internet-Hit. Das Bild wurde inoffiziell umbenannt. Jetzt heißt es "Ecce Mono" (Mono heißt Affe auf spanisch). Die Kirche nahm im ersten Jahr nach der Restaurierung 50.000 Euro an Eintrittsgeldern ein. Alle wollten das Bild sehen. Statt 6.000 Touristen im Jahr, wie sonst üblich, besuchten 57.000 Leute die Gemeinde.



Immer wieder Promi-Pinkelangriffe auf Marcel Duchamps "Fountain"

Über dieses Urinal, ein Schlüsselwerk der modernen Kunst, waren viele Zuschauer bei der ersten Ausstellung 1917 empört. Seitdem fanden immer wieder Vandalenakte statt.

Die Schuldigen sind meist berühmt:
-) 1993 pinkelte Künstler Kendell Geers bei einer Ausstellung in Venedig ins Becken.
-) Musiker Brian Eno glaubte wohl, besonders innovativ zu sein, als er bei einer Ausstellung im MoMA in New York 1993 das Gleiche tat.
-) Und der schwedische Künstler Björn Kjelltoft wiederholte die Tat 1999 in Stockholm.
-) 2006 schließlich wurde der Künstler Pierre Pinoncelli verhaftet, weil er mit einem Hammer auf das Becken losging. "Duchamp wäre stolz auf meine Performance gewesen", soll er nach der Festnahme gesagt haben.

Kunststudentin stolpert im MoMA durch Picasso
Den Angestellten im Museum of Metropolitan Art (MoMA) wird der Jänner 2010 ewig in Erinnerung bleiben. Am 22. Jänner stolperte eine Kunststudentin - genau in den "Schauspieler" von Picasso. Das fast zwei Meter große Gemälde ist Picassos Übergang von seiner "Blauen Periode" zur "Rosa Periode". Es trug einen mehr als 15 Zentimeter langen Riss nahe der rechten unteren Ecke davon. Gute Nachrichten: Die Restauratoren gaben an, den Schaden reparieren zu können.


Rembrandts "Nachtwache" zieht Messer-Mörder magisch an

Eines der berühmtesten Gemälde der Welt, Rembrandts "Nachtwache" wurde für den Festsaal der Amsterdamer Schützengilde gemalt und blieb dort bis zum Jahr 1715. Danach übersiedelte man das Bild ins Amsterdamer Rathaus. Weil der Raum dort kleiner war, schnitt man das Bild ziemlich brutal zurecht. Die Originalmaße waren 4,02 Meter (Höhe) x 5,10 Meter (Breite). Nach der Radikalkur war es nur noch 3,63 Meter hoch und 4,37 Meter breit. Ein Trommler wurde teilweise Opfer der Beschneidung.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Nachtwache schon dreimal Opfer von Vandialismus:

-) Am 13. Jänner 1911 stach ein Koch mit einem Messer auf das Gemälde ein. Er wollte sich am Staat rächen, weil die Marine ihn entlassen hatte.
-) Am 14. September 1975 ging schon wieder ein Arbeitsloser auf das Bild los. Der Ex-Lehrer zerschnitt die Leinwand mit einem Küchenmesser. Leichte Spuren kann man noch heute erkennen.
-) Am 6. April 1990 sprühte ein psychisch gestörter Mann Schwefelsäure aufs Bild. Das Wachpersonal schüttete geistesgegenwärtig Wasser nach - und rettete so das Gemälde.

Ellbogen-Check: Milliardär durchbohrt teuerstes Bild der Welt
Milliardär und Kasinobetreiber Stephen Wynn hat genug Geld, um sich hin und wieder eine Kleinigkeit zu leisten. Einen Picasso zum Beispiel. So kam "Le Rêve" (der Traum) in seinen Besitz. Das Gemälde aus dem Jahr 1932 zeigt Picassos Geliebte Marie-Therese Walter. Wynn kaufte das Bild im Jahr 2001 von einem privaten Sammler. Der hatte 1997 bei einer Auktion 48,4 Millionen Dollar (rund 44 Millionen Euro) dafür gezahlt.

2006 wollte Wynn seinen Picasso weiterverkaufen. Dem Millardär gelang ein Meister-Coup. Sein Freund, Hegefonds-Mogul Steven Cohen wollte das Bild seit Jahren und war bereit, den höchsten Preis zu zahlen, der jemals für ein Bild geboten worden war. Unglaubliche 139 Millionen Dollar sollte Stephen Wynn für "Le Rêve" bekommen.

"Ich bin nur froh, dass das mir passiert ist"
Wenige Tage bevor er das Gemälde seinem Freud übergab - das Geschäft war bereits unter Dach und Fach, zeigte er es zum letzten Mal Gästen. Dabei beschrieb er in schillerndsten Farben, wie es zu dem Mega-Deal gekommen war. Der Milliardär leidet unter einer Augenkrankheit, durch die er Distanzen schlecht einschätzen kann. Wynn gestikulierte so heftig - und stand näher am Bild als er glaubte - dass er mit dem Ellbogen durch das Bild fuhr. Im rechten unteren Eck wies das Bilde einen 15-Zentimeter-Riss auf. Wynn steckte seinen Finger ins Loch und soll laut "The New Yorker" gesagt haben: "Ich bin nur froh, dass das mir passiert ist und nicht einem von euch."

Deal platzte: "Das war Schicksal"
Der Verkauf des Bildes wurde auf Eis gelegt. Dann kam die gute Nachricht: Ein Restaurator versicherte, dass das Loch ohne bleibende Schäden ausgebessert werden kann. Der Deal kam dann trotzdem nicht zustande. Stephen Wynns Frau soll es ihm laut "The New Yorker" ausgeredet haben. "Ich glaube, dass war Schicksal, dass das passiert ist", soll sie zu ihm gesagt haben. Bitte verkauf das Bild nicht."

Restaurierung um 90.000 Euro
Einer anderen Theorie zufolge sprang der Käufer ab. Wynn ließ das Bild um 90.000 Dollar renovieren. Die Wertminderung von 54 Millionen Dollar wollte er von seiner Versicherung eintreiben, doch "Lloyd's of London" weigerte sich zu zahlen. Nach einem Rechtsstreit 2007 sollen sich Wynn und die Versicherung schließlich außergerichtlich geeinigt haben.


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(lam)

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