Programm-Highlights

15. Februar 2018 11:47; Akt: 15.02.2018 12:31 Print

Festwochen: Puppen, Angst und Grenzerfahrung

Die Wiener Festwochen werden am 11.5. am Rathausplatz eröffnet (freier Eintritt). Bis zum 17.6. geht's rund, jetzt gibt's das Programm. Die Highlights:

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Farbenprächtig verführen die Wiener Festwochen - Puppen sind auch Trumpf.

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Der niederländische Künstler Dries Verhoeven bringt mit Phobiarama sein Theater der Angst nach Wien - als Geisterbahn, mitten ins Museumsquartier. Die immersive performative Installation spielt mit unserer Lust am Erschaudern und führt uns dabei genau jene Strategien und Mechanismen vor, die uns täglich umgeben in einer Welt, in der die Kategorien Wahrheit und Lüge ebenso ins Wanken geraten wie die Demokratie an sich.

Seinen ganz eigenen Blick auf den Beginn europäischer Theatergeschichte und die Geburtsstunde der Demokratie europäischen Verständnisses wirft der Shooting-Star des deutschen Theaters Ersan Mondtag in seiner Inszenierung Die Orestie von Aischylos in der Übersetzung von Walter Jens. Nach den Gräueln des Trojanischen Kriegs setzen sich blutrünstiges Morden, Rache, Vergeltung und Familienfehden fort.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dunklen Kapiteln der Menschheitsgeschichte führt die niederländische Theatergruppe Hotel Modern mit der Live-Film-Performance Kamp bis in unsere jüngere Vergangenheit fort: Ohne Worte wird mit fingergroßen Figurinen in einem Miniaturmodell von Auschwitz der Alltag im Lagerkomplex dargestellt und mittels Mikrokameras auf eine Leinwand übertragen. 80 Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs wird die 13 Jahre alte Arbeit nun erstmals auch in Wien zu sehen sein.

In Crowd, einer Koproduktion der Wiener Festwochen, untersucht die französisch-österreichische Regisseurin und Choreografin Gisèle Vienne die einer Gruppe innewohnenden Kräfte. Ein Geflecht aus Emotionen, Sehnsüchten, Spannungen und Gewalt entspinnt sich zwischen 15 jungen Menschen während eines Rave.

Für Boris Charmatz, der mit 10000 gestes ebenfalls eine Koproduktion der Wiener Festwochen zeigen wird, sind Gemeinschaften und deren Konfliktpotenzial seit geraumer Zeit zentrale Themen. In einem Wimmelbild aus 23 Tänzern entlädt sich ein Gewitter aus Bewegungen.

In seiner Uraufführung Häusliche Gewalt Wien thematisiert Markus Öhrn das Politische im Privaten, gesellschaftliche Themen in subjektiven Situationen.

Eine ganz besondere Form musikalischen Protests gegen Systeme anhand von Fabeln hat der kanadische Musiker und Cartoon-Zeichner Josh „Socalled“ Dolgin mit der Fortsetzung seines international erfolgreichen Anarcho-Puppen-Musicals The Season geschaffen. In The 2nd Season gelingt es ihm, zusammen mit Puppenspielern, Live-Musikern und dem James Brown-Kollegen Fred Wesley, die Form des Musicals zu einem klugen wie unterhaltsamen Musiktheater über ökologische Themen und Kapitalismuskritik umzudeuten: für Kids genauso wie für Erwachsene.

Die von den Festwochen koproduzierte Zusammenarbeit des international renommierten bildenden Künstlers Liam Gillick mit der legendären Band New Order aus Manchester lädt zu einer Zeitreise von der Vergangenheit in die Zukunft. Ein Jahr lang haben Gillick und New Order für Σ(No,12k,Lg,18Wfw)
New Order + Liam Gillick: So it goes..
mit dem Komponisten Joe Dudell das Material der Band - inklusive der frühen Joy Division-Zeiten - dekonstruiert, reflektiert und schließlich zu einem inszenierten Konzert neu zusammengesetzt. Gillicks immersive Lichtarchitektur reagiert live auf die Musik der Band, die von einem 12- köpfigen Synthesizer-Orchester verstärkt wird.

Susanne Kennedy, erstmals in Österreich zu sehen, inszeniert ihre auf Jeffrey Eugenides Roman und Sofia Coppolas Film basierende Arbeit Die Selbstmord-Schwestern / The Virgin Suicides als eine psychedelische Reise in den Tod. Mit radikaler Künstlichkeit, Entfremdung und Entsubjektivierung erzählt Kennedy die Geschichte des Freitods der Teenager-Schwestern anhand des Tibetanischen Totenbuches, begleitet vom LSD-Papst Timothy Leary, als Grenzerfahrungstrip.

Die Zukunft unserer Gesellschaft thematisiert auch die zweite Ausgabe des Festivals for Club Culture an der Schnittstelle zu Performance, Pop und Bildender Kunst: Im F23, einer ehemaligen Sargfabrik, widmet sich HYPERREALITY an drei Tagen (24. – 26. Mai) dem Club als Ort, an dem gesellschaftliche Zwänge und Mechanismen außer Kraft gesetzt werden und neue Gesellschaften gedacht und erprobt werden können.


Das volle Programm und Tickets gibt es hier.

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(tim)

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