Fans kamen auf ihre Rechnung

17. April 2018 06:59; Akt: 17.04.2018 06:59 Print

Bob Dylan ließ allein seine Musik für sich sprechen

von Florian Bauer - Am Montagabend stand der große Singer/Songwriter auf der Bühne der Wiener Stadthalle.

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Der 76-jährige Altmeister bestätigte im Vorfeld seiner aktuellen Tour seine Medienscheu und bat das Publikum, doch während seines Auftrittes auf Foto- und Videoaufnahmen zu verzichten. Die Zielgruppe Dylans, mehrheitlich nicht ganz der Generation "Social Media" zugehörig, hielt sich zum größten Teil an den Wunsch des Künstlers.

Pünktlich um 19:30 Uhr kam Dylan gemeinsam mit seiner fünf Mann starken Band auf die minimalistisch anmutende Bühne. Wer Leinwände, aufwendige Lichtshows oder andere optische Elemente erwartet, war an diesem Abend an der falschen Adresse.

Musik stand im Vordergrund
Bob Dylan ließ die folgenden 100 Minuten nur sein Werk sprechen. Vor, zwischen und nach den 20 Nummern gab es, abgesehen von der Musik, auch keinerlei Kommunikation mit dem Publikum.

Wie oft er in seiner fast 60 Jahre umspannenden Karriere bereits vor Publikum aufgetreten ist, weiß wahrscheinlich nicht einmal er selber. Vielleicht ist es gerade der Vielzahl an Auftritten zu schulden, dass er stetig an seinen Songs arbeitet und werkt, um sie nicht gleich beim ersten Ton als solche zu erkennen zu geben.

Dylan ändert sein Werk stetig
Für Konzertbesucher, die mit dieser Eigenheit Dylans nicht vertraut waren, mögen die musikalisch von der Originalversion gänzlich abweichenden Versionen von eigentlich bekannten Hits wie "Don't Think Twice, It's all Right" oder "Blowin' in the Wind", im besten Fall befremdlich gewirkt haben. Hardcore-Fans der lebenden Legende, auch Dylanisten genannt, hatten ihre Freude daran, wieder neue Facetten an ihrem Idol zu entdecken und setzten zum kollektiven Applaus an, sobald einen Nummer erkannt wurde.

Bei dem meisten seiner Songs begleitete sich Dylan selber am Klavier, die Zeiten, in denen er auch noch zur Gitarre und Mundharmonika griff, scheinen endgültig vorbei zu sein. Das dominierende Instrument, das sich wie ein roter Faden durch die Setlist zog, war eine Pedal-Steel-Gitarre, die dem Auftritt einen melancholischen Country-Anstrich verpasste. Darüber interpretierte Dylan mit seiner unverkennbaren Nuschel-Stimme seine Texte, für die er 2016 als erster Musiker mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

"Blowin' in the Wind"?
So früh das abwechslungsreiche Konzert begonnen hatte, so schnell war es auch wieder vorbei. Kurz nach 22 Uhr waren 18 Nummern gespielt, wort- und gestenlos verabschiedeten sich die Musiker hinter die Bühne. Nach dem klassischen, Zugabe fordernden Saalapplaus kehrten sie wenig später zu ihren Instrumenten zurück, um noch ein viel umjubeltes, aber schwer zu erkennendes geschweige denn mitzusingendes "Blowin' in the Wind" und die "Ballad of a Thin Man" herunter zu zocken.

Danach verbeugte man sich artig drei Mal, ehe man endgültig hinter dem Vorhang verschwand. Vor der Wiener Stadthalle verabschiedete ein Straßenmusiker die Konzertbesucher noch dem mit Dylan-Klassiker "Mr. Tamburine Man". So originalgetreu wie er 1965 auf dem Album "Bringing It All Back Home" erschienen ist.

Bob Dylan, Wien, 16. April 2018
1. Things Have Changed
2. Don't Think Twice, It's All Right
3. Highway 61 Revisited
4. Simple Twist of Fate
5. Duquesne Whistle
6. Melancholy Mood
7. Honest with Me
8. Tryin' to Get to Heaven
9. Come Rain or Come Shine
10. Pay in Blood
11. Tangled up in Blue
12. Early Roman Kings
13. Desolation Row
14. Love Sick
15. Autumn Leaves
16. Thunder on the Mountain
17. Soon after Midnight
18. Long and Wasted Years
19. Blowin' in the Wind
20. Ballad of a Thin Man

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Kessler am 16.04.2018 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranz eines Literaturnobelpreisträger

    Den Auftritt von Herr Dylan kann man nur mit einem Wort beschreiben: Ignoranz! Einfachste Formen der Höflichkeit gegenüber einem teuer zahlendem Publikum scheinen ihm inzwischen egal zu sein. Die Musik war gut, sehr professionelle Musiker in seiner Band. Doch am Mischpult saß wohl der Aushilfsstudent, die Anlage voll übersteuert, es tat schon in den Ohren weh. Das Licht im Saal ging übrigens schon 10 vor 10 an. Um 10 standen hunderte enttäuschte Konzertbesucher um einen fabelhaft spielenden Straßenmusiker. Er erinnerte an einen Dylan, den viele Besucher sich gewünscht hätten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Kessler am 16.04.2018 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranz eines Literaturnobelpreisträger

    Den Auftritt von Herr Dylan kann man nur mit einem Wort beschreiben: Ignoranz! Einfachste Formen der Höflichkeit gegenüber einem teuer zahlendem Publikum scheinen ihm inzwischen egal zu sein. Die Musik war gut, sehr professionelle Musiker in seiner Band. Doch am Mischpult saß wohl der Aushilfsstudent, die Anlage voll übersteuert, es tat schon in den Ohren weh. Das Licht im Saal ging übrigens schon 10 vor 10 an. Um 10 standen hunderte enttäuschte Konzertbesucher um einen fabelhaft spielenden Straßenmusiker. Er erinnerte an einen Dylan, den viele Besucher sich gewünscht hätten.

    • Roman am 17.04.2018 00:15 Report Diesen Beitrag melden

      Es geht ums Werk nicht um Höflichkeit!

      Du hast halt wirklich gar keine Ahnung, Mann!

    • TomS am 17.04.2018 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      Der grossartige Verweigerer

      Immerhin reist der Herr Dylan, bald 77-jährig, unermüdlich rund um die Welt, um überall vor seinen Fans zu spielen. Ignoranz sieht in meinen Augen definitiv anders aus. Ich habe das Geld ausgegeben, um Dylans Lieder und nicht lange Reden zu hören. Alles, was er zu sagen hat, steckt in seinen Songs...

    • Michael M am 22.04.2018 15:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ignoranz eines Konzertbesuchers

      Dass Dylan seine Songs stetig neuarrangiert und umtextet und dass er keine Floskeln a la "Hallo Wien, wie geht's euch?" raushaut, ist jedem Konzertbesucher bewusst, der sich mit dem Interpreten auch nur ein wenig auseinandersetzt. Zu erwarten, dass Dylan seine Songs wie vor 50 Jahren spielt, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: Ignoranz!

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