Roger Waters in Wien

16. Mai 2018 23:54; Akt: 17.05.2018 13:18 Print

Grandiose Musik und eine Spitze gegen Kanzler Kurz

von F. Bauer - Der ehemalige Pink Floyd-Bassist spielte die größten Hits der Bandgeschichte. Zwischendurch wurde es auch politisch.

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Dass Konzerte von Roger Waters neben der spektakulären Musik von Pink Floyd auch optisch sehr viel zu bieten haben, ist kein großes Geheimnis. Schon seine letzte Tour, bei der er das Album "The Wall" in ganzer Länge auf die Bühne brachte, sorgte für offene Münder unter den Hunderttausenden Konzertbesuchern, die eine der 219 Shows besucht haben.

Mit der aktuellen Tour, benannt nach einem Song des Albums "The Dark Side Of The Moon", zieht der 74-jährige Musiker nun schon seit rund einem Jahr um den Globus. Am Mittwoch machte er mit der Show in der restlos ausverkauften Wiener Stadthalle Station.

Sphärischer Klangteppich
Mit etwas Verspätung startete das Spektakel rund 20 Minuten nach acht Uhr abends. Als die Lichter im Saal ausgingen, wurde es im komplett auf Sitzplätze verbannten Publikum laut. In seinem klassischen Bühnenoutfit (schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans) bekleidet und den ebenfalls schwarzen Fender Precission Bass mit hellem Hals umgeschnallt stieß er die Fans mit den ersten Tönen in den sphärischen Klangteppich, in dem sie sich die nächsten zweieinhalbstunden kuschelig warm verlieren konnten.

Mit "Breathe", "Time" sowie "The Great Gig in the Sky" packte er gleich zu Beginn ein paar Klassiker vom Pink Floyd-Album "The Dark Side Of The Moon" aus. Unterstützt von einer grandiosen Backup-Band und zwei Sängerinnen (Jess Wolfe und Holly Laessig von der Band Lucious) wurde das musikalische wertvolle Material eindrucksvoll dargeboten. Die 360-Grad-Surround-Tonanlage erzeugte in der sonst eher nicht für ihre Akustik bekannten Stadthalle einen großartigen Sound, der nichts zu wünschen übrig ließ. Optisch aufgewertet wurde der erste Teil des Abends durch eine fußballfeldgroße LED-Wand, auf der zu den jeweils gespielten Nummern passende Visuals gezeigt wurden.

Neues Material kommt gut an
Nach "Welcome To The Machine" präsentierte Waters mit "Déjà Vu", "The Last Refugee" und "Picture That" drei Songs von seinem im Jahr 2017 erschienen Album "Is This The Life We Really Want?". Obwohl noch nicht, wie so manch andere Nummer aus der Feder des Interpreten, im Musikolymp angekommen, wurden die Lieder dennoch warmherzig vom Wiener Publikum aufgenommen. Schließlich fügten sie sich passend ins musikalische Konzept des Abends.

Der wurde mit dem Gänsehaut-Song "Wish you Were Here" fortgesetzt. Obwohl der Titel eine magische Ausstrahlung besitzt, die seinesgleichen sucht, hat man ihn schon einmal besser gehört. Nicht falsch verstehen, das ist Jammern auf Mount Everest-Niveau, denn er war trotzdem großartig.

Dramatisch wurde es dann bei "Another Brick In The Wall, Pt.2". Zu den martialischen Klängen des Welthits marschierten zahlreiche Kinder in orangefarbenen Gefängnisoveralls und schwarzen Kapuzen am Kopf auf die Bühne. Die allesamt aus Wien stammenden Protagonisten unterstützen Waters bei dem Protestsong gegen ein strenges Schulsystem. Mit diesem Höhenpunkt und der Botschaft des Wiederstandes wurde die Stadthalle in eine zwanzigminütige Pause geschickt.

Politisch hochbrisante Pause
Während der Unterbrechung prangerte das Wort "Resist" in großen roten Buchstaben auf der Leinwand und forderte die Fans dazu auf, unter anderem Mark Zuckerberg, Rassismus, Antisemitismus, der Regierung Israels, dem aufkeimenden Neo-Faschismus (hier wurde unter Applaus im Saal auch Bundeskanzler Sebastian Kurz namentlich genannt) und zahlreichen anderen Dingen zu widerstehen. Neben seiner Musik ist Waters auch politisch sehr aktiv und wird nicht müde, die Regierung Israels zu kritisieren und andere Künstler zum Boykott Israels zu animieren.



Nach der Pause kam ein weiteres optisches Element zum Einsatz. Über die ganze Länge der Halle wurde eine weitere Leinwand von der Decke ausgerollt, sodass die Leute, die längsseitig saßen, ihre Hälse nicht mehr verrenken mussten, um etwas sehen zu können.

Beim zweiten Song "Pigs (Three Different Ones)" kam das gleich extrem eindrucksvoll zur Geltung. Obwohl er aus dem Jahr 1977 vom Pink Floyd-Album "Animals" stammt, könnte man meinen, er wäre extra für US-Präsident Donald Trump geschrieben worden. Auf den LED-Wänden wurde Trump in allen möglichen und unmöglichen Posen mit Make-up, in Reizwäsche, mit Hängebrüsten und einem kleinen Penis dargestellt. Dazu ließ man ein riesigen, aufblasbares Schwein durch die Halle fliegen, ehe am Schluss der deutsche Satz "Trump ist ein Schwein" in drei Meter hohen Buchstaben über die Leinwand flimmerte.

Nach "Money" folgte mit "Us and Them" der emotional positive Höhepunkt des Abends. Zu den Klängen der verträumt schönen Nummer wurden auf den Leinwänden Bilder und Videos von Flüchtlingen, verarmten Menschen sowie friedlichen Protestaktionen aus der ganzen Welt gezeigt. Gänsehaut-Garantie in Verbindung mit der Musik.

Am Ende des regulären Sets zauberte das Special Effects-Team von Waters noch eine Laser-Pyramide in die Stadthalle, durch die dank High-Tech-Scheinwerfern zu den Klängen von "Eclipse" das gebrochene Farbenspektrum floß. Das Cover von "The Dark Side Of The Moon" erwachte eindrucksvoll zum Leben.

Worte zum Nahost-Konflikt
Hatte er sich zuvor höflich mit Ansagen und verbalem Kontakt mit dem Publikum zurückgehalten, so war es im dann doch ein Anliegen, ein paar Worte zu sprechen. Die Palästinenser werden von Waters schon lange unterstützt und wie schon oben erwähnt lässt der Musiker kaum eine Gelegenheit aus, der Welt ihr Leid zu Klagen und gleichzeitig das Verhalten Israels auf das schärfste zu verurteilen. Für seine kurze Rede zu dem momentan wieder aktuellen Nahost-Konflikt gab es Applaus, für den sich der streitbare Brite herzlich bedankte.

Mit den zwei Welt-Nummern "Mother" und "Comfortably Numb" schickt der 74-jährige Waters seine komplett begeisterten Fans danach in die kühle Mainacht.

Setlist "Us + Them" in Wien
Speak to Me
Breathe
One of These Days
Time
Breathe (Reprise)
The Great Gig in the Sky
Welcome to the Machine
Déjà Vu
The Last Refugee
Picture That
Wish You Were Here
The Happiest Days of Our Lives
Another Brick in the Wall (Pt. 2)
Another Brick in the Wall (Pt. 3)
20 Minuten PAUSE
Dogs
Pigs
Money
Us and Them
Smell the Roses
Brain Damage
Eclipse
Zugaben
Mother
Comfortably Numb


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt H. am 17.05.2018 02:58 Report Diesen Beitrag melden

    Er darf

    Er hat es gut. Er darf als einziger den Antisemitismus anprangern und gleichzeitig die Politik Israels scharf kritisieren. Wir dürfen so etwas nicht, denn wir sind in der ewigen Büßerrolle gefangen. Jede Kritik an Israel wird sofort als Antisemitismus abgestraft. Wie krank doch die Welt ist.

  • Marlies am 17.05.2018 05:48 Report Diesen Beitrag melden

    War kein gutes Konzert

    Ich war enttäuscht hätte mir erwartet. Schade um das Geld. Nächstes mal höre ich mir lieber die Wiener Sängerknaben an.

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  • Hego Damask am 17.05.2018 01:17 Report Diesen Beitrag melden

    Grauenhaftes Publikum.

    "Hatte er sich zuvor höflich mit Ansagen und verbalem Kontakt mit dem Publikum zurückgehalten (...)" ... Lag wohl daran, dass das Publikum keinerlei Stimmung aufkommen hat lassen. Waters hat gerockt und keiner ist egal wann aufgestanden z.B.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Avivali am 18.05.2018 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Grandioser Konzert

    Das Publikum war sprachlos vor Begeisterung überwältigt vor Freude das endlich ein so grossartiger Künstler Eier in der Hose hat die Wahrheit und nix als die Wahrheit zu sprechen ..die Leute wollten nicht aufhören zu jubeln .. nach dem das Konzert zu Ende war sind alle draussen zusammen gestanden und haben positive darüber berichtet das es ein grandioser Konzert war und dass er genau das anspricht was sich fast jeder denkt und keiner traut sich darüber zu reden weil man ja dann sofort ein Antisemit ist...Hört auf hier Müll zu schreiben..die Wahrheit tut immer weh..

  • Avivali am 18.05.2018 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Macht die Augen auf

    Wann wird der Moment kommen, in dem eine Prise menschlichen Gefühls, wenn auch nur für einen Moment, gegenüber den Palästinensern entsteht? Sympathie? In welchem Moment wird jemand Halt machen und Mitgefühl vorschlagen, ohne als Exzentriker oder Israel-Hasser gebrandmarkt zu werden?Wann wird es einen Moment geben, in dem jemand zugibt, dass der Schlachter doch eine gewisse Verantwortung für das Schlachten hat, nicht nur die Geschlachteten, die natürlich für ihr eigenes Gemetzel verantwortlich sind?60 Tote waren für niemanden wichtig - vielleicht 600? Wie wäre es mit 6.000? Gideon Levy

  • Mag. Maria J. Una Ruciero am 17.05.2018 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderchor

    Hallo! Der Kinderchor vom Verein "Operette und Klassisches Musical für Klein und Groß" besteht aus niederösterreichischen Kindern. Sitz in Perchtoldsdorf, Probeort in Baden und Perchtoldsdorf. Bin die Leiterin und sehr stolz auf meine Kinder!

  • weissnicht am 17.05.2018 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verharmlosung

    Ich bin seit den Anfängen Pink Floyd Fan. Aber über Kurz hätte sich Waters besser informieren sollen. Kurz in einem Atemzug mit Antisemitismus und mit Trump, Le Pen etc. zu nennen kann man auch als Verharmlosung des Antisemitismus und der Rechten verstehen. Das ist etwa wie wenn eine Taube mit Raubvögeln verglichen wird.

  • Franz H. am 17.05.2018 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Musik verpolitisiert

    Roger Waters macht aus Pink Floyd eine politische Kundgebung, hier kann keine gewünschte Konzertstimmung aufkommen. Der Sound war sehr gut, der Wunsch die Musik meiner Jugend zu geniessen wurde durch die negative Präsentation verleidet.

    • Thomas Eidler am 17.05.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Franz H.

      Man sollte auch die Texte verstehen können, aber ich denke dann würden Sie nur mehr die Fischer oder den Gablier hören und nicht Pink Floyd.

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