Exklusiv-Talk

22. August 2017 09:21; Akt: 23.08.2017 06:39 Print

Hall: "Es gibt heute keine echten Supermodels"

von Maria Dorner - Ab 2.11. zeigt Eveline Hall den Jungspunden auf dem Laufsteg wieder einmal, wie's geht. Nachdem sie 2011 mit 65 als Model entdeckt wurde, sucht sie nun "Austria's Next Topmodel" auf ATV. Das Exklusiv-Interview:

Das Trio infermale für

Das Trio infermale für "Austria's Next Topmodel": Eveline Hall (Mi.), Marina Hoermanseder und Daniel Bamdad (Bild: ATV)

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„Heute“: Gibt’s heute noch echte Supermodels? Spontan fallen mir auch immer nur Namen wie Campbell, Moss und Schiffer ein – erschreckend, wir schreiben ja schon das Jahr 2017.
Eveline Hall: Ich mache mich nicht besonders beliebt, wenn ich das sage, aber: So ist es. Da braucht man auch nicht um den heißen Brei herumzureden. Diese Models, die die Blicke einst erst auf den Laufsteg gelenkt haben, gibt’s heute gar nicht. Das war ein Naomi, mein Lieblingsmodel, eine Kate Moss. Und eine Schiffer, zwar nicht das Model meines Herzens, aber sie war zur rechten Zeit am rechten Ort und erlangte so eine unglaubliche Reichweite. Heute gibt’s da eine Cara Delevigne – als eine Ablöse verstehe ich sie aber nicht. Ich wage zu bezweifeln, dass das Level dasselbe ist. Im Ballett und Schauspiel ist es ja ganz gleich: Die großen Namen, wie ein Rudolf Nurejew oder ein Helmut Lohner sind verschwunden. Aber wenigstens schafft ihr Österreicher es dank eurer Nostalgie, sie wie Parfüm um schweben zu lassen. Das ist in Deutschland ganz anders.

„Heute“: Woran könnte dieser akute Mangel an echten Größen liegen?
Hall: Die Models heute haben es sehr schwer. Das sind auch gute Mädchen, aber es fehlt ihnen einfach der Name, die Reichweite und die Individualität. Letzteres ist auch gar nicht so gefragt, und genau dadurch wirkt alles so austauschbar. Genau DA will ich ansetzen. Ich will den Mädchen noch viel mehr Varianten anbieten, es gibt so viel mehr, als da oben nur nach rechts oder links zu laufen. Ausdruck, Tanz, da ist so viel möglich.

„Heute: Varianten, die Sie voll ausgeschöpft haben….
Hall: Ja, ich war Tänzerin, bin Schauspielerin, Sängerin und Model. Ich will etwas weitergeben, was bei mir funktioniert hat. Reden alleine bringt aber nichts, die jungen Menschen müssen es auch glauben. Und dazu braucht es ein gewisses Alter. Und nicht jemanden, der kaum älter ist, als sie, selber noch schwimmt und keine Ahnung hat, wo er in fünf Jahren sein wird.

„Heute“: Ein Tipp von Herzen an den Nachwuchs, wie es funktionieren könnte?
Hall: Disziplin und Ehrgeiz. Diese zwei Dinge haben absolute Priorität. Wenn ich den Eindruck habe, dass das fehlt, macht’s keinen Sinn. Ich würde es akzeptieren, wenn sich Kandidaten in der Show fighten, aber ein träges und mauliges Verhalten toleriere ich nicht. „BEaBRAND“ – so meine Message und das Motto der Show.

„Heute“: Ihr Leben ist ein prall gefüllter Rucksack an Abenteuern. Das allergrößte?
Hall: Dass ich als Showgirl nach Amerika gehen konnte und es dann, obwohl ich Tänzerin war, 1970, noch ins Schauspiel geschafft habe. An eine so große Bühne wie das Thalia-Theater, das war damals ein Rieseneklat. So etwas gab’s vorher nicht, aber ich wurde trotz meines Alters von ganz unten aufgebaut. Bei den Wiener Festwochen hatte ich dann meinen großen Durchbruch. Die Dimension, die ich dadurch noch erleben durfte – ein ganz großer Peng.

„Heute“: Und dann 2011, der nächste Peng. Sie wurden mit 65 Jahren als Model entdeckt…
Hall: Ja. Meinen Agenten Ted Linow („Mega Model“) kannte ich bereits als junges Mädchen. Er hat jetzt eine große Modelagentur. Plötzlich hat er etwas in mir gesehen und das Michael Michalsky unter die Nase gerieben. Der hat sich einfach getraut und ich bin für ihn gelaufen, das hat mit Türen und Tore geöffnet.

„Heute“: Keine Angst vorm großen Scheitern?
Hall: Glauben Sie mir. Wäre ich nicht Tänzerin und Schauspielerin gewesen, hätte ich das niemals gemacht. In diesem Alter darf dir kein Fehler mehr passieren. Ich hätte nicht einfach, wie die Jungen, aufstehen und weitermachen können. Man hätte mich in der Luft zerrissen. Ich wusste aber, dass ich das Handwerkszeug habe.

„Heute“: Das größte Glück in Ihrem Leben?
Hall: Dass ich immer das Bauchgefühl hatte, das Glück in meinem Leben auch zu erkennen. Ich bin immer auf den richtigen Zug aufgesprungen. Und selbst, wenn ich einen verpasst habe, hat sich danach herausgestellt, dass es so besser war. Ich hatte unglaublich viel Schwein.

„Heute“: Hat Sie der berufliche Erfolg auch privat glücklich gemacht?
Hall: Ja. Denn Glück bedeutet für mich nicht, 45 Jahre verheiratet zu sein. Es geht nie darum, wie lange etwas währt, sondern wie intensiv es ist.

„Heute“: Kennt ihre Tatkraft mit mittlerweile 72 Jahren Grenzen. Was macht Eveline Hall heute nicht (mehr)?
Hall: Sie liefert nicht mehr ständig ab. Vieles, was ich mir früher nicht leisten hätte können, nicht zu machen, lasse ich heute aus. Mich rar machen zu können, ist mein Privileg des Alters.

„Heute“: Was steht außer „Austria’s Next Topmodel“ als nächstes an?
Hall: Es kommen zwei Filme mit mir raus und ich arbeite jetzt wieder mehr im Bereich Rockmusik. Da ist auch en TV-Auftritt geplant. Viele meinen, ich bin der zweite Mick Jagger.

Alle Infos zu den neuen Topmodels gibt's HIER

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