Mutierende Art

07. Februar 2018 09:20; Akt: 07.02.2018 09:27 Print

Fledermaus-Kot macht Krokodile orange-rot

Diese Höhlenkrokodile entwickeln sich durch ihre besonderen Lebensumstände zu einer neuen Art. Die Ursache: Reichlich Fledermaus-Kot.

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Normalerweise tragen Krokodile graugrüne Schuppen: Anders diese im Jahr 2008 im Abanda-Höhlensystem im afrikanischen Gabun entdeckten Exemplare. Denn diese sind orangefarben. Zumindest stimmt das für ausgewachsene Exemplare ... ... die es - anders als Jungtiere - aufgrund ihrer Größe nicht mehr aus dem Höhlensystem herausschaffen. Daher sind die ausgewachsenen Tiere ständig von einer Mischung aus Wasser und Fledermaus-Kot umgeben, was zu der ungewöhnlichen Hautfärbung führt. Zudem hat das Leben in den Höhlen auch Auswirkungen auf die Ernährung der Tiere: Während ihre überirdisch lebenden Artgenossen überwiegend Fische und Krebse futtern ... ... landen bei den orangefarbenen Höhlenkrokodilen laut der Studie fast ausschließlich Grillen und Fledermäuse im Magen. Auch das könnte zum orangefarbenen Äußeren beitragen. (Im Bild: ein graugrünes Jungtier) Doch die Färbung ist noch nicht alles: Die Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass sich die Tiere nicht nur äußerlich, sondern auch genetisch verändern und schon bald eine neue, eigenständige Art darstellen könnten. Dafür sprächen Veränderungen in den Chromosomen. Eine andere Ursache liegt der Blaufärbung einiger Hunde, die in Indien entdeckt wurden, zugrunde. Anders bei Pinky, dem rosa Delfin. Er verdankt seine Hautfarbe höchstwahrscheinlich einem Gendefekt, der bei ihm Albinismus ausgelöst hat. Das weiße Fell des Elchs stammt von einer Genmutation, die Leuzismus - vom griechischen Wort für "weiß" - genannt wird. Dabei geht die Pigmentierung von Haut und Haar verloren.

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Weiße Elche, pinkfarbene Delfine und blaue Hunde: Immer wieder werden Tiere in außergewöhnlichen Farben gesichtet, wobei die Ursachen jeweils ganz unterschiedlicher Natur sind (siehe Diashow oben). Gemein ist ihnen nur, dass es sich dabei in der Regel um Einzelfälle handelt.

Ganz anders bei den Krokodilen, die der Archäologe Richard Oslisly 2008 im Abanda-Höhlensystem in Gabun entdeckt hat. Von den rund 30 gesichteten Exemplaren sind zehn blind – und orangefarben, wie "The Guardian" berichtet.

Wenn man eh nichts sehen kann, brauchts keine Sehkraft

Verantwortlich für die Andersartigkeit der Höhlenkrokodile sind zwei Aspekte, wie eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt. An dieser waren neben Oslisly auch der Höhlenforscher Olivier Testa und der Reptilienexperte Matthew Shirley von der Florida International University beteiligt.

Demnach dürfte sich der Sehsinn der Tiere zurückgebildet haben, weil dieser ihnen in der permanenten Dunkelheit der Höhle sowieso nichts bringt.

Von Exkrementen umgeben

Auch die ungewöhnliche Farbe scheint dem unterirdischen Lebensraum der Krokodile geschuldet zu sein. Oslisly und seine Mitstreiter vermuten, dass das Orangerot darauf zurückzuführen ist, dass die Tiere so viel Zeit in den Höhlen verbringen. Dort seien sie rund um die Uhr von einer Mischung aus Wasser und Fledermaus-Kot umgeben, was Einfluss auf ihre Hautfarbe hat.

Dafür spricht auch, dass nur erwachsene Tiere von der Färbung betroffen sind, während die Jungtiere klassisches Graugrün tragen. Die Forscher glauben, dass nur die jugendlichen Krokodile aufgrund ihrer geringeren Größee in der Lage sind, das Höhlensystem zu verlassen. Größeere Exemplare seien dagegen in der Höhle gefangen, so Oslisly.

Lebensraum bestimmt das Futter

Das Leben in den Höhlen hat auch Auswirkungen auf die Ernährung der Tiere: Während ihre überirdisch lebenden Artgenossen überwiegend Fische und Krebse futtern, landen bei den orangefarbenen Höhlenkrokodilen Grillen und Fledermäuse im Magen, zitiert "The Guardian" Oslisly. Auch dies könnten zu dem orangefarbenen Äusseren beitragen.

Doch die ungewöhnliche Färbung ist noch nicht alles. Die Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass sich die Tiere nicht nur äußerlnich, sondern auch genetisch verändern und schon bald eine neue, eigenständige Art darstellen könnten.

Dafür sprächen Veränderungen in den Chromosomen. Denn die Mutationsrate des veränderten Erbguts legt laut den Forschern nahe, dass die ersten Höhlenkrokodile schon vor mehreren tausend Jahren in den Untergrund gewandert sind.

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(fee)

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