E-Mail-Verkehr

31. August 2018 10:47; Akt: 31.08.2018 11:27 Print

Polizei lässt sich auf Flirt mit Internet-Gaunerin ein

Immer wieder werden Menschen Opfer von Online-Betrügern. Die Schweizer Polizei zeigt an einem realen Beispiel, mit welcher Masche die Gauner vorgehen.

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Dies ist das erste Mail, das die Schweizer Polizisten rund um den 10. August von den Betrügern erhielt. Mit dem folgenden Schriftverkehr deckten die Beamten die perfide Masche der Gauner auf (In Rot die Kommentare der Polizei). Daniel Meili, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, antwortete unter dem Pseudonym Hans Muster und zeigte Mitgefühl. Die Antwort der Betrüger ließ nicht lange auf sich warten. Sofort wird Hans Muster aufgefordert, persönliche Daten zu übermitteln. Meili hingegen möchte zuerst noch mehr über Lorena wissen. Nennt sich ab sofort Hänsli. Die Betrüger geben sogar eine Adresse in Madrid bekannt. Fordern aber noch immer Informationen von Hänsli. Nun lässt Hänsli tatsächlich ein Paar Informationen durchsickern. Ohne dabei aber den Smalltalk zu vergessen und Lorena ein Treffen bei einem Fußballspiel vorzuschlagen. So langsam wird es ernst. Lorena bringt zum ersten Mal einen Anwalt ins Spiel, der das ganze Geschäft in die Hände nehmen soll. Und ja natürlich ist Hänsli eine vertrauenswürdige Person. Da ist doch auch klar, dass er die liebe Lorena mal auf einem Foto sehen möchte. Lorena hat nun endgültig genug von Hänsli. Sie muss sich natürlich auch einer Operation unterziehen. Hänsli macht nochmal klar, wie sehr er Lorena in sein Herz geschlossen hat und wünscht ihr nur das Beste. Der neue Chatpartner ist ab sofort ein englisch sprechender Anwalt namens Pablo Hernandez. Jetzt muss der arme Hänsli auch noch auf Englisch antworten. Ein wenig liegt ihm die Sprache aber, Flower Power sei dank. Mit diesem äußerst schlecht gestalteten Dokument werden Hänsli unter anderem die Bedingungen erklärt. 20 Prozent von 3,5 Millionen Euro. Hört sich eigentlich verlockend an. Doch dann unterläuft Hänsli beim Unterzeichnen ein Fehler. Er schüttet doch tatsächlich seinen Frühstückskaffee über das wichtige Dokument. Danach gibt es schlechte Nachrichten aus Spanien: Lorena ist sehr krank. Dennoch ist der knallharte Anwalt immer noch Profi genug, um ein weiteres... ... "offizielles" Dokument zu schicken. Hänsli ist zwar traurig über die Nachricht von der kranken Lorena, wird aber langsam etwas ungeduldig und möchte das versprochene Geld sehen. Und dann - nach knapp zwei Wochen - kommt sie: Die erwartete Vorschussforderung. Damit ist der Kantonspolizei Thurgau gelungen, was sie mit diesem Mail-Verkehr beweisen wollten: Eine der häufigsten Betrüger-Maschen. Doch Hänsli reagiert mit einem Vorschlag, die wohl auch die Betrüger so noch nicht gesehen haben: Er bietet gleich 50.000 Euro statt der geforderten 2.250 Euro an. Wieder hat der Anwalt schlechte Nachrichten: Lorena liegt nun im Koma. Dies soll Hänsli wohl unter Zeitdruck setzen, das Geld zu überweisen. Darauf schreibt Hänsli wohl eine der lustigsten Antworten an die Betrüger zurück. Er sei sich schließlich sicher, Lorena sei keine Kriminelle und das habe er der "Banklady" auch so mitgeteilt. Mit dieser zum Schmunzeln anregenden Nachricht vom vergangenen Montag ist nun aber Schluss. Die Kantonspolizei Thurgau konnte aufzeigen, wie die Betrüger vorgehen und erhielten als "Beweis" auch eine Vorschussforderung. An dieser Stelle dankt die Polizei allen, die mit Hänsli mitgefiebert haben.

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Nach rund drei Wochen ist die Liebes-Story zwischen "Hänsli" und Lorena nun doch zu Ende gegangen. Anfang August startete die Kantonspolizei Thurgau ein Experiment und antwortete auf ein E-Mail von Online-Betrügern.

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"Unser Ziel war es, an einem realen Beispiel zu zeigen, wie deren Vorgehen ist", sagt Sprecher Daniel Meili, der sich unter dem Pseudonym "Hänsli" auf eine Kommunikation einließ. Und das Vorhaben der Polizei ging auf.

Nach einem langen Mail-Verkehr traf vor einer Woche die erwartete Geldforderung ein: "Bingo", schreibt die Kapo auf ihrer Facebook-Seite unter dieses entscheidende E-Mail.

"no nonoo mrs banklady"

Die Antwort der Polizei blieb natürlich nicht aus: "Hänsli fragt nach und macht einen Vorschlag, den wohl auch die abgezocktesten Betrüger so noch nicht gehört haben", so Meili. Er bot statt den geforderten 2.250 Euro ganze 50.000 an, die Differenz solle doch seiner lieben Lorena zugute kommen. Der gehe es ja offenbar mittlerweile gar nicht gut. Nach einer zweiten Operation sei ihr Zustand sehr kritisch und sie liege im Koma.

Hänsli eilt deshalb sofort zur Bank, da er als alter Mann kein E-Banking besitzt. Wie er den Betrügern dann mitteilt, sei er von der Bankangestellten darauf hingewiesen worden, dass es sich bei der ganzen Sache wohl um einen Betrugsversuch handle. Doch Hänsli lässt sich nicht beirren: "Lorena, eine Kriminelle? Nie im Leben!" In seinem letzten E-Mail finden sich deshalb einige zum Schmunzeln anregende Aussagen von Hänsli wie: "no nonoo mrs banklady, Lorena is my big love and she would never cheat on me." Mit diesem E-Mail ist die Geschichte beendet. Die Betrüger hätten sich auch nicht mehr gemeldet: "Wahrscheinlich wurde es ihnen zu blöd", so Meili.

Rückmeldungen durchs Band positiv

Trotz aller Belustigung: "Das Experiment soll vor allem die Leute sensibilisieren", sagt Meili. Vermissen werde er das Chatten nicht, dennoch gebe es ein wenig Wehmut: "Ich habe die Antworten immer sehr gespannt abgewartet und freute mich über neue E-Mails von den Betrügern in meinem Posteingang", sagt er.

Die Rückmeldungen auf den auf Facebook geposteten Mail-Verkehr waren durchgehend positiv: "Super Aktion – danke Kantonspolizei Thurgau", heißt es in den Kommentaren. Oder: "Einen lieben Gruß an Hänsli, er ist doch einfach ein super Polizist, weiter so." Darüber freut man sich natürlich bei der Polizei: "Wir waren sehr erfreut und überrascht, wie mitgefiebert wurde", so Meili.

Dass die Betrüger aber je zur Rechenschaft gezogen werden können, dürfte so gut wie unmöglich sein. "Diese Gruppierungen haben jahrelange Erfahrung mit solchen Sachen und wissen, wie sie ihre Spuren verwischen können", sagt der Kapo-Sprecher. Dahinter stecke wohl die sogenannte "Nigeria-Connection" (siehe Box), die dieses Betrugsgeschäft schon seit den 1980er-Jahren professionell betreibe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Börny G. am 31.08.2018 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!!

    Echt spannend! :) Tolle Aktion!

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  • Ben am 01.09.2018 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Noch kleiner gehts nimma?

    Wie zum hänker soll ich ne 1cm große Schrift lesen können??? Sonst habt ihr auch immer tausend Seiten. Gooott da denkt auch keiner logisch

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Ben am 01.09.2018 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Noch kleiner gehts nimma?

    Wie zum hänker soll ich ne 1cm große Schrift lesen können??? Sonst habt ihr auch immer tausend Seiten. Gooott da denkt auch keiner logisch

  • Börny G. am 31.08.2018 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!!

    Echt spannend! :) Tolle Aktion!

    • W. R. am 31.08.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      Habe ich auch schon erlebt !

      Lustig, mir hat ein " Direktor " einer afrikanischen Lotterie Gesellschaft 2.000.000.- $ Gewinn verkündet - ich sollte lediglich 500.- $ Bearbeitungsgebühr schicken. Ich bat ihn, mir das Geld zu borgen, 50.000.- an mich zu senden und den Rest zu behalten. Es war herrlich, ihn an der Nase herumzuführen, bis er endlich aufgab.

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