Manöver "Sapad 2017"

21. Dezember 2017 20:50; Akt: 21.12.2017 21:10 Print

Übte Putin Bombardierung halb Europas?

Bei der Militärübung "Sapad 2017" sollen entgegen der Beteuerungen Moskaus offensive Szenarien trainiert worden sein. Das sagen Geheimdienstquellen.

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Panzer, Kampfjets, Kriegsschiffe und 100.000 Mann nahmen am russisch-weißrussischen Militärmanöver "Sapad 2017" (Westen 2017) teil, das die baltischen Nachbarn bange verfolgten. Moskau beteuert die "streng defensive Natur" der Übung im Herbst. Doch westliche Geheimdienstler sprechen nun vom Gegenteil.

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Es sei etwa die Eroberung der baltischen Staaten und eine "Schock-Kampagne" gegen westeuropäische Staaten wie Deutschland, Polen oder Holland simuliert worden. Heißt: Bombardierungen und Einmärsche. Insgesamt habe es sich um eine "Trockenübung" für einen "vollständigen konventionellen Krieg in Europa" gehandelt, zitiert "Bild" ihre Quellen.

Putin will "nationale Interessensphäre" schützen

Stefan Meister von der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" stimmt mit den "Bild"-Quellen überein: "Viele dieser Fakten sind in Kreisen von Militärexperten unumstritten." Der Grundgedanke der Sapad-Übung sei eine Präventivmaßnahme als Reaktion auf eine akute Bedrohung für Russland gewesen: "Sobald man sich angegriffen fühlt, würde man zurückschlagen und dann in die Offensive gehen."

Auslöser dafür könnte etwa eine militärische Konfrontation innerhalb Putins "nationaler Interessensphäre" sein, schreibt "Bild" weiter. In diese fallen etwa Weißrussland, die Ukraine oder Georgien. Meister stimmt auch hier zu. Dass Europa im Zuge der Ukrainekrise seit 2014 an einem Krieg vorbeigeschrammt sei, glaubt er aber nicht: "Zwar glaubt Putin, der Machtwechsel in der Ukraine sei von den USA orchestriert worden, und hat darum die Krim annektiert und Soldaten in den Osten des Landes entsandt."

Doch bei einem Machtwechsel oder einer zu starken Annäherung an den Westen etwa in den baltischen Staaten oder Weißrussland würden die russischen Grenzen direkt bedroht. "In der Ukraine geht es dagegen darum, die Einflusssphäre des Kremls zu erhalten."

Im Baltikum wächst die Angst vor Russland

Seit einigen Jahren lotet Russland systematisch seine Grenzen aus, etwa mit dem Überfliegen von Nato-Territorium. "Daher hat das Militärbündnis wieder angefangen, Moskau als Bedrohung zu sehen und seinen Blick nach Osten gerichtet", sagt Russland-Kenner Meister. Die gegenseitige Abschreckung – auch die USA führen Militärmanöver durch, etwa mit ukrainischen Streitkräften – erinnere durchaus an den Kalten Krieg: "Doch Russland ist militärisch längst nicht so stark, wie es die Sowjetunion damals war. Und es gibt heute sehr viele neue Möglichkeiten der Cyber-Kriegsführung."

Die Angst vor Russland wächst in den baltischen Staaten und Skandinavien. Diese sei teilweise berechtigt, so Meister: "Sie ist aber auch stark emotional und historisch gefärbt." In westeuropäischen Gesellschaften ist das Feindbild Moskau laut Meister aber nicht mehr so präsent: "Zurzeit scheint der Anti-Amerikanismus sogar stärker zu sein als die Abneigung gegenüber einem aggressiven Russland."

"Moskau nutzt Atomwaffen als Druckmittel"

Laut den "Bild"-Quellen würde eine militärische Operation, wie sie bei "Sapad 2017" geprobt wurde, den letzten Schritt vor einem Atomkrieg mit dem Westen darstellen. Meister sagt dazu: "Moskau nutzt Nuklearwaffen anders als die USA. Für Putin sind sie als Druckmittel ein fester Teil der strategischen Planung." Die Drohung mit Atomschlägen solle im Ernstfall die Unterlegenheit bei konventionellen militärischen Mitteln ausgleichen.

Müssen wir uns vor Putin mehr fürchten als vor Kim Jong-un, der auch über Nuklearwaffen verfügen soll? Sowohl er als auch Putin dürften nicht unter-, aber auch nicht überschätzt werden, sagt der Experte: "Beide denken rational und haben ihre Atomwaffen als Rückversicherung." Es sei aber eine Tatsache, dass Russland gezielt sein nukleares Arsenal modernisiere, so Meister: "Die Politik müsste sich wieder vermehrt mit Abrüstungsabkommen befassen."

(nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BitCoon am 21.12.2017 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht geträumt

    Ist das nicht schon bisschen paranoid? Die Angst von Juncker&Co beruht auf dem eigenen schlechten Gewissen der NATO-bande....

  • Jones am 22.12.2017 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Strategei.c.s

    Haha, träumt weiter. Russland wird nie angreifen schon gar nicht eu. Atom Krieg würde keinen Sieger geben weil keiner da wäre. Also Relax und genießt die Show :D

  • Friedensanalyst am 22.12.2017 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Alte gute Prinzipien

    Rein logisch, warum macht man ganz große Manöver mit einer Übung eines großen Angriffs auf Europa? Weil das ein Plan ist, der bei günstiger Konstellation dann sofort gestartet werden kann. Europa braucht eine starke ATOM Streitschrift um den Preis für Russland zu hoch zu machen, nach dem Motto - Angriff bedeutet zeitversetzt den eigenen Untergang. Warum gab es 60 Jahre keinen Krieg zwischen Russland und dem Westen? Weil dieses Prinzip immer deutlich im Raum stand und es hat funktioniert- als einziges Prinzip im Zeitalter von Atomwaffen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Excalibur am 11.01.2018 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    nukleare Teilhabe ein US-Bluff

    Als schwächsten Eckpfeiler der NATO betrachte ich die nukleare Teilhabe. Alle nur konventionell bewaffneten Staaten Europas müssen darauf vertrauen, dass ihnen die USA Atomwaffen zur Verfügung stellen. Die zur Schau gestellte Bereitschaft beruht aber in nicht geringem Maß auf Bluff: Wie von Ex-Verteidigungsminister Robert McNamara durchgesickert ist, hätten die USA (sehr wahrscheinlich!) keine Atomwaffen eingesetzt, auch wenn die Sowjetunion mit ihren Panzern schon in Bonn gestanden hätte.

  • Jones am 22.12.2017 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Strategei.c.s

    Haha, träumt weiter. Russland wird nie angreifen schon gar nicht eu. Atom Krieg würde keinen Sieger geben weil keiner da wäre. Also Relax und genießt die Show :D

  • Friedensanalyst am 22.12.2017 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Alte gute Prinzipien

    Rein logisch, warum macht man ganz große Manöver mit einer Übung eines großen Angriffs auf Europa? Weil das ein Plan ist, der bei günstiger Konstellation dann sofort gestartet werden kann. Europa braucht eine starke ATOM Streitschrift um den Preis für Russland zu hoch zu machen, nach dem Motto - Angriff bedeutet zeitversetzt den eigenen Untergang. Warum gab es 60 Jahre keinen Krieg zwischen Russland und dem Westen? Weil dieses Prinzip immer deutlich im Raum stand und es hat funktioniert- als einziges Prinzip im Zeitalter von Atomwaffen

  • Inquisitor am 21.12.2017 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Laut Anklage schuldig

    Wie werden uns die Rechten ihre Freundschaft zu Russland erklären wenn die Russischen Bomben anfangen über unsere Köpfe zu fallen?

    • User am 22.12.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

      User

      Vielleicht treffen sie genau deswegen Österreich nicht!

    • Kritischer Geist am 22.12.2017 09:52 Report Diesen Beitrag melden

      Denkfehler!

      Das beste ist es immer noch, mit Aggressoren ein halbwegs gutes Verhältnis zu führen und nicht auf knallharte Konfrontation zu gehen. Als Russland noch kommunistisch war, haben uns die Linken immer eingeredet, wie toll es dort ist und konnten sich nie erklären, warum man dort erschossen wird, wenn man das kommunstische Paradies verlassen will. Seit sich Russland an der Marktwirtschaft orientiert, ist es ein Feindbild für Europas Linke.

    einklappen einklappen
  • BitCoon am 21.12.2017 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht geträumt

    Ist das nicht schon bisschen paranoid? Die Angst von Juncker&Co beruht auf dem eigenen schlechten Gewissen der NATO-bande....