Nach Hurrikan kein Strom

29. August 2012 07:50; Akt: 29.08.2012 14:57 Print

"Isaac": New Orleans wieder überschwemmt!

Mit heftigen Regenfällen und starken Winden ist der Hurrikan "Isaac" im US-Bundestaat Louisiana auf Land getroffen. Sieben Jahre nach der "Katrina"-Katastrophe erreichte der Sturm am späten Dienstagabend (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern den äußersten Südosten des Landes, wie das US-Hurrikanzentrum NHC meldete.

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erreichte der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern die Küste.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum NHC hatte vor gefährlichen Sturmfluten gewarnt. In einer Sturmwarnung am Dienstag hieß es, entlang der Golfküste seien starke Winde und ein gefährlicher Wasseranstieg zu erwarten. Die Behörden warnten davor, die Gewalt des Sturmes zu unterschätzen. Menschen in Einfamilienhäusern und Wohnungen im ersten und zweiten Stockwerk drohe "ein sicherer Tod", sollten sie ihre Gebäude nicht rechtzeitig verlassen oder zumindest Schwimmwesten und eine Axt bereithalten, um sich aus überfluteten Räumen zu befreien, hieß es in einer Mitteilung des Hurrikan-Zentrums in Miami.

Die Ausläufer erstreckten sich auf rund 300 Kilometer vom Auge des Sturms. Von einigen Stränden in Louisiana wurden schon bis zu drei Meter hohe Wellen gemeldet. Fernsehbilder zeigten tiefschwarze Wolken am Himmel, dicke Bäume bogen sich unter der Last des Windes.

130.000 Menschen ohne Strom

Die sind wie ausgestorben. Viele Einwohner hatten die Fenster ihrer Häuser verrammelt und Lebensmittel gehortet. Rund 130.000 Menschen hatten mit Stand 02.30 Uhr MESZ keinen Strom mehr, wie der örtliche Energieversorger mitteilte. Laut Bürgermeister Mitch Landrieu könnten bis zu 40 Zentimeter Niederschlag fallen. Am Flughafen von New Orleans wurden alle für Dienstag und Mittwoch geplanten Flüge gestrichen.

"Isaac" bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 13 Stundenkilometern in Richtung Nordwesten. Der Sturm war am Dienstag zu einem Hurrikan der (niedrigsten) Stufe 1 auf der Saffir-Simpson-Skala heraufgestuft worden. "Katrina" war mit Kategorie 3 jedoch wesentlich stärker gewesen.

Lehren aus "Katrina"

US-Präsident Barack Obama rief am Dienstag den Notstand auch für den Bundesstaat Mississippi aus. Dies hatte er am Vortag bereits für Louisiana getan, um für den Ernstfall auch Bundesmittel für die betroffenen Staaten freizumachen. Als Lehren aus der Kritik am zögerlichen Krisenmanagement der Regierung des damaligen Präsidenten George W. Bush hatten die US-Staaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida bereits in den vergangenen Tagen den Notstand ausgerufen.

Obama warnte vor Zerstörungen und Überschwemmungen. "Wir haben es mit einem großen Sturm zu tun", sagte er in einer Fernsehansprache aus dem Weißen Haus. Der Präsident drängte die Menschen in den bedrohten Gebieten dazu, den Aufforderungen zu Evakuierungen nachzukommen. "Jetzt ist es nicht an der Zeit, das Schicksal herauszufordern", sagte er.

Der Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, hatte die Bürger bereits am Montag aufgefordert, ihre Vorräte aufzustocken oder sich in Sicherheit zu bringen. Mehr als 4.000 Mitglieder der Küstenwache hielten sich bereit, rund um New Orleans standen 48 bemannte Boote für einen Einsatz zur Verfügung.

Auf den Tag genau 7 Jahre

New Orleans war am 29. August 2005 vom Hurrikan "Katrina" heimgesucht worden. Die Wucht des Sturms ließ Dämme brechen, die Stadt versank in den Fluten. Mehr als 1800 Menschen kamen damals ums Leben, Zehntausende Häuser wurden zerstört. Inmitten des Chaos gab es Plünderungen und kriminelle Übergriffe. "Katrina" verursachte eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA.

Lesen Sie mehr über die Zahlen und Fakten zu "Isaac" auf Seite 2!

Einzige Zahlen und Fakten zum Hochwasserschutz in Loisiana:

Der US-Bundesstaat Louisiana an der Mündung des Mississippi in den Golf von Mexiko wird häufig von Überschwemmungen heimgesucht. Nach der Flutkatastrophe als Folge des Hurrikans "Katrina" im Jahr 2005 wurde der Hochwasserschutz ausgebaut.

- 17 Milliarden US-Dollar (13,55 Milliarden Euro) gaben Louisiana und US-Bundesbehörden seit 2007 für den Küstenschutz im Bundesstaat aus.

- Allein die Stadt New Orleans investierte rund zehn Milliarden Dollar in ein Deich-, Schleusen- und Pumpsystem.

- 159 Kilometer Küstendeich oder Flussdamm wurden seit 2007 in Louisiana neu gebaut oder auf bis zu acht Meter erhöht.

- Rund 50 Milliarden Dollar sieht der staatliche "Masterplan Küstenschutz" von 2012 für Projekte zu Neulandgewinnung vor.

- 4.869 Quadratkilometer Küstenland (ein Drittel Schleswig-Holsteins)  gingen in den vergangenen 80 Jahren verloren.

- Weitere 4.532 Quadratkilometer drohen in den kommenden 50 Jahren ohne Gegenmaßnahmen auf Dauer überschwemmt zu werden.

- Um bis zu 45 Zentimeter wird der Meeresspiegel nach Ansicht von Wissenschaftern bis 2062 vor Louisiana ansteigen.

- Tritt dieses Szenario ein, sind laut Masterplan jährliche Flutschäden von im Schnitt 23,4 Milliarden Dollar zu erwarten.