Romney gewinnt 1. Duell

03. Oktober 2012 18:38; Akt: 04.10.2012 14:17 Print

Die Welt rätselt über Obamas TV-Schlappe

Das Urteil der Kommentatoren über den US-Präsidenten war wenig schmeichelhaft: Barack Obama wirke müde, unelegant, und spreche in zu akademischer Sprache und zu vielen Details.

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And the winner is ... zumindest in der ersten Runde Mitt Romney. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Romney hat in seinem ersten TV-Duell gegen Amtsinhaber Obama einen starken Auftritt hingelegt. Doch hat er auch immer die Wahrheit gesagt?

NAch dem ersten TV-Duell gegen seinen politischen Widersacher Romney rätselt die Welt: Was war mit Obama los? Warum nahm er sich keinen Teleprompter? Blitzschnell verschwand der US-Präsident von der Bühne an diesem für ihn eher unerfreulichen Abend in Denver.

Selbst der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton konnte seine Verwunderung darüber nicht verhehlen, wie kraftlos und defensiv der mächtigste Mann der Welt bei einem seiner wichtigsten Tests vor der Wahl am 6. November wirkte. Ständig schaute der Präsident nach unten. Sein Lächeln wirkte seltsam unsicher, gar nicht so strahlend wie sonst. Es waren nicht seine Antworten, die viele Zuschauer irritierten. Es war die müde Art, sie vorzutragen.

Sein Herausforderer Mitt Romney blieb noch ein wenig, scherzte mit seinen engen Beratern und seiner Ehefrau Ann herum. Er fühlte sich sichtlich wohl am Ort seines bisher erfolgreichsten Wahlkampfauftritts. Gerade hat er seinen Kontrahenten im Kampf ums Weiße Haus eineinhalb Stunden in die Mangel genommen. Erfolgreich, wie selbst viele Demokraten nach dem ersten Rededuell beider Kontrahenten am Mittwochabend eingestanden.

Präsident verzichtete auf persönliche Attacken

Obama wirkte auch deshalb so harmlos, weil er weitgehend auf persönliche Attacken gegen seinen Herausforderer verzichtete. Kein Wort über Romneys Vergangenheit als knallharter Finanzmanager, kein Verweis auf seine schlimmen Patzer - etwa als er 47 Prozent der Amerikaner als Sozialschmarotzer charakterisierte. Stattdessen erinnerte Obama in seiner Abschlussbemerkung die Amerikaner noch einmal daran schon vor vier Jahren gesagt zu haben, "dass ich kein perfekter Präsident sein werde". Bei Romney klangen die Schlussworte so: "Ich bin beunruhigt über die Richtung, die Amerika in den vergangenen vier Jahren eingeschlagen hat."

"Obama erdrückt Familien in der Mittelschicht"

Ganz anders Romney. Von der ersten Minute an griff er Obama und dessen Bilanz in den vergangenen vier Jahren an. "Er erdrückt die Familien in der Mittelschicht", sagte der Multimillionär und zählte seine Anklagepunkte auf wie ein Staatsanwalt: "Die Benzinpreise haben sich unter dem Präsidenten verdoppelt. Strom wurde teurer. Lebensmittelpreise stiegen. Die Gesundheitskosten wurden pro Familie um 2500 Dollar höher." Gegen Romneys scharfe Formulierungen und klare Aussagen richtete Obama kaum etwas aus. "Starker Angriff, schwache Verteidigung", titelte die "Chicago Tribune" hinterher im Internet.

So sehen es offenbar auch die Fernsehzuschauer - zwischen 40 und 60 Millionen Amerikaner könnten nach Vorabschätzungen das Duell verfolgt haben. Laut dem Sender CBS, der schnell eine repräsentativen Telefonumfrage mit unentschlossenen Wählern durchführte, sagten 46 Prozent, Romney habe die Debatte gewonnen. 22 meinten, Obama sei als Sieger von der Bühne gestürmt. Der Rest spricht von Unentschieden. Vor allem aber meinte die Mehrheit, ihre Meinung über Romney habe sich verbessert. Selbst Obamas Sprecherin Jennifer Psaki meinte hinterher: "Romney hat Punkte im Stil gewonnen. Er war vorbereitet".

Sehr schnell hoben die US-Kommentatoren den Daumen für Romney. Da schien es fast egal, was die beiden inhaltlich überhaupt gesagt haben. Ob Romneys Steuerpläne oder Obamas Gesundheitsversicherung - jedes Thema wurde knallhart und in fast verwirrender Detailtiefe diskutiert. Dass Romney mit manch neuer Definitionen seiner seit Monaten bekannten Vorhaben überraschte, dürfte die Tatsachenprüfer noch Tage beschäftigten. Der 78 Jahre alte Moderator Jim Lehrer, der schon viele dieser präsidialen TV-Debatten leitete, ließ ihn jedenfalls gewähren. Kritische Nachfragen: Fehlanzeige. Kommentatoren sahen den Fernsehveteranen als größten Verlierer des Abends.

Wenn sich das Geschehen auf der Bühne in Denver auch in guten Umfragenwerten für Romney niederschlägt, dann könnte der Wahlabend plötzlich wieder richtig spannend werden. Doch davor gibt es noch zwei weitere TV-Duelle.

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Sein Herausforderer Mitt Romney hingegen komme überraschend sympathisch rüber, rede nuanciert und wirke bodennäher als Obama. Die erste TV-Debatte der Präsidentenbewerber endete nach Ansicht der Analysten eher zugunsten Romneys. Das Verdikt mag zutreffen, betrifft aber wohl nur den Stil alleine: Inhaltlich konnte der Präsident den Finger in so manche republikanische Wunde legen.

Romney befand sich über weite Strecken der Debatte in der Defensive. Schon in der ersten Viertelstunde kam es zu einer Konfrontation beim Thema Steuern, bei dem der Republikaner mehrmals dazu gezwungen wurde, abzustreiten, dass er die Steuern für Gutverdiener senken werde und insgesamt fünf Billionen US-Dollar an Steuern kürzen wolle.

"Ich bin anderer Ansicht"

Der Präsident griff dabei direkt an: "Gouverneur Romney denkt, wenn wir Steuern für Reiche senken und Regulierungen zurückfahren, dann geht es uns besser. Ich bin anderer Ansicht". In seiner Angriffslinie über Steuersenkungen knüpfte der Präsident an Bemerkungen Romneys an, in denen er sich über die "47 Prozent" der US-Bürger mokierte, die keine Einkommenssteuer nach Washington entrichten.

Heikel für den Ex-Gouverneur von Massachusetts war auch das Thema Medicare: Die Krankenvorsorge für Pensionisten ist in den USA ein von beiden Parteien hochgelobtes Regierungsprogramm. Während die Demokraten Medicare mit kleinen Einschnitten zur Finanzierung der Gesundheitsreform beibehalten wollen, treten Romney und sein Vize-Präsidentschaftskandidat Paul Ryan für einen Umbau in ein Voucher-System ein. Dieses soll es möglich machen, mit einem staatlichen Scheck eine private Versicherung abzuschließen.

Vor Katastrophe gewarnt  

Die Medicare-Pläne Romneys sind im laufenden Wahlkampf ein beliebter Angriffspunkt für die Demokraten, die Pensionisten vor großen Kostensteigerungen warnen: "Das Problem ist, der Voucher würde nicht mit der Inflation Schritt halten", erklärte Obama. "Die Pensionisten würden mehr bezahlen, die Versicherungsfirmen würden profitieren". Am Ende würden die gesunden Senioren das öffentliche System verlassen, und eine Katastrophe auslösen: "Das System würde kollabieren", warnte der Präsident. Romney erwiderte darauf in einer Retorte, die vor allem Ängste dämpfen sollte, sein System gelte "für zukünftige Pensionisten, nicht die jetztigen".

Auch die Gesundheitsreform bot Chancen für Obama, Punkte zu sammeln. Er fühle sich mittlerweile wohl damit, das Reformpaket "Obamacare" zu nennen, sagte der Präsident - der Name war von den Republikanern als Kampfbegriff dagegen erfunden worden. Das Gesetz sei modelliert auf die Reformen, die Romney als Gouverneur von Massachusetts umgesetzt habe, betonte Obama. Damit erinnerte er auch viele Republikaner unter den Zusehern an die wesentlich liberaleren Positionen Romneys in seiner früheren politischen Laufbahn.

Obama nützte Antwort für Seitenhieb

Die Angriffe parierte der Republikaner vor allem mit Allgemeinplätzen über die Notwendigkeit, die Rolle des Staates einzuschränken. "Es muss Regulierung geben, aber sie kann oft exzessiv sein - das schadet der Wirtschaft", sagte Romney auf eine Frage des Moderators Jim Lehrer. Obama nützte das zu einem Seitenhieb auf den Beitrag wirtschaftlicher Deregulierung zur gegenwärtigen Finanzkrise: "Wenn es jemanden gibt, der denkt, wir haben einfach zu viel Kontrolle (der Behörden), dann ist Romney ihr Kandidat".