Kriegsfolgen

13. März 2018 17:25; Akt: 13.03.2018 17:25 Print

2017 war das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien

Schon heute haben laut Unicef in Syrien mehr als 1,5 Millionen Menschen bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten. Eine Übersicht.

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2017 war laut Unicef das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien. Allein in dieser Zeitspanne wurden 910 Mädchen und Jungen getötet und 361 weitere verwundet. Durch den Bürgerkrieg in Syrien haben mehr als 1,5 Millionen Menschen bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten. Ein Mann sitzt in Trümmern der Stadt Hamouria, die von den Rebellen gehalten wird. (9. März 2018) Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist ins Ausland geflüchtet oder innerhalb Syriens vertrieben worden. Ein Mann fährt durch die Stadt Hamouria in der Region Ost-Ghuta. (9. März 2018) Wie aus einem Unicef-Bericht hervorgeht, gibt es in Syrien 86'000 Menschen, denen als Folge des Krieges Gliedmassen amputiert werden mussten. Zerbombte Häuser in der Stadt Douma in Ost-Ghuta. (5. März 2018) Ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht. Blick auf die Stadt Arbin in Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus während sie von Regierungstruppen bombardiert wird. (11. März 2018) Der für Syrien zuständige UNHCR-Vertreter Sadschad Malik schreibt auf Twitter: "Wir haben während des Beschusses so viel geliefert, wie wir konnten." Mehr als 1000 Menschen sind bei den Angriffen verletzt worden. Die Berichterstattung über die massiven Kämpfe in Aleppo hatten 2016 deutlich zu Mitgefühl und finanzieller Hilfsbereitschaft beigetragen. Ob das auch aktuell für Ost-Ghuta gilt, ist noch nicht absehbar. Die Spendenzahlen dazu liegen bislang nicht vor. Der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad und seinen Sicherheitsapparat hatte am 15. März 2011 mit einer kleinen Demonstration in Damaskus begonnen. Drei Tage später fielen in der Provinzstadt Daraa tödliche Schüsse auf Demonstranten.

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Bald sieben Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien ziehen Helfer eine bittere Bilanz: Schon heute haben in Syrien mehr als 1,5 Millionen Menschen bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten.

Über die Hälfte der Bevölkerung lebt entweder als Flüchtling im Ausland oder ist innerhalb Syriens vertrieben worden. Wie aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des Uno-Kinderhilfswerks (Unicef) hervorgeht, gibt es in Syrien bereits heute 86'000 Menschen, denen als Folge des Krieges Gliedmassen amputiert werden mussten. Und ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht.

750.000 Kinder behindert

Unicef warnte, der fehlende Zugang zu guter medizinischer und psychologischer Behandlung führe oft dazu, dass sich Kriegsversehrte aus Syrien langsamer von ihren Verletzungen erholten oder sich ihr Zustand sogar verschlechtere. Viele betroffene Kinder hätten Angehörige verloren. Daher fehle oft auch eine enge Bezugsperson, die sich um sie kümmern könne.

Unicef versucht mit verschiedenen Hilfsprojekten in der Region, behinderten Kindern eine neue Perspektive zu geben, durch Musik, Kunsttherapie und Hilfen, die ihnen eine Rückkehr zur Schule ermöglichen. "Wir schätzen, dass als Folge dieses Kriegs schon jetzt etwa 750.000 Kinder mit Behinderungen leben müssen", sagte Geert Cappelaere, Unicef-Regionaldirektor für Nahost und Nordafrika.

"Tiefpunkt der Unmenschlichkeit"

Die Situation der Kinder hat sich laut Unicef im siebten Kriegsjahr noch einmal verschlimmert. "Wir dachten, dass der Tiefpunkt der Unmenschlichkeit in Aleppo erreicht worden wäre", sagte der Geschäftsführer von Unicef-Deutschland, Christian Schneider.

Doch die Lage der Zivilisten in dem belagerten Gebiet Ost-Ghuta im Umland der Hauptstadt Damaskus sei noch schlimmer als das, was Helfer 2016 in der Großstadt Aleppo erlebt hätten. Von den 200'000 Kindern, die dort mit ihren Eltern ausharren müssten, seien inzwischen 40 Prozent chronisch unterernährt.

Den Angaben zufolge schickten die Konfliktparteien 2017 mindestens rund 900 Minderjährige in den Kampf. Ein Viertel der "Kindersoldaten" war jünger als 15 Jahre. Unicef erfuhr im gleichen Zeitraum von 244 Kindern, die festgenommen wurden. Cappelaere betonte: "Jede einzelne Konfliktpartei ist an diesen massiven Kinderrechtsverletzungen beteiligt."

Weniger Spenden

Nachdem bei Unicef 2016 für Notleidende in Syrien und syrische Flüchtlinge in der Region 8,7 Millionen Euro eingegangen waren, ging die Spendenbereitschaft 2017 etwas zurück. Rund acht Millionen Kinder sind laut Unicef mittlerweile auf Hilfe angewiesen. Zu den größten institutionellen Geberländern in Sachen Syrien-Hilfe zählen die USA, Deutschland, die EU, Großbritannien und Kanada.

Die Berichterstattung über die massiven Kämpfe in Aleppo hatten 2016 deutlich zu Mitgefühl und finanzieller Hilfsbereitschaft beigetragen. Ob das auch aktuell für Ost-Ghuta gilt, ist noch nicht absehbar.

Die Spendenzahlen dazu liegen bislang nicht vor. Der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad und seinen Sicherheitsapparat hatte am 15. März 2011 mit einer kleinen Demonstration in Damaskus begonnen. Drei Tage später fielen in der Provinzstadt Daraa tödliche Schüsse auf Demonstranten.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rob am 13.03.2018 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Wahnsinn währenddessen sitzen deren Väter in Österreich und lauern unseren Frauen auf oder fallen sonst irgendwie unangenehm auf

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  • Robert am 13.03.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hats verursacht? Woher kam das Geld?

    Unter assad war das nicht so... auch ein Iraker hat es auf den punkt gebracht " Sicher Sadam war ein Schwein, aber mein Sohn konnte in die Schule gehen" und was Gadaffi für Lybien getan hat ist unumstritten. Lybien war die Schweiz Afrikas! Woher kamen all die Waffen? Woher die Ausländischen Kämpfer? Leider haben der Iran und Russland viel zu spät eingegriffen!

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  • Anna am 13.03.2018 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Hirn

    Warum macht man in Kriegszeiten ein Kind nach dem anderen? Selbstverantwortung? Was wäre, wenn wir einfach dutzende Kinder machen würden? Wer würde unseren Lebensunterhalt zahlen?

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  • Robert am 13.03.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wer hats verursacht? Woher kam das Geld?

    Unter assad war das nicht so... auch ein Iraker hat es auf den punkt gebracht " Sicher Sadam war ein Schwein, aber mein Sohn konnte in die Schule gehen" und was Gadaffi für Lybien getan hat ist unumstritten. Lybien war die Schweiz Afrikas! Woher kamen all die Waffen? Woher die Ausländischen Kämpfer? Leider haben der Iran und Russland viel zu spät eingegriffen!

    • Eliot Ness am 13.03.2018 22:25 Report Diesen Beitrag melden

      Iran und Russland

      Iran und Russland sind ja für den Krieg verantwortlich. Assad hat kaum eine Basis im Volk, ohne seine ausländischen, terroristischen Unterstützer wäre er längst besiegt.

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  • Anna am 13.03.2018 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Hirn

    Warum macht man in Kriegszeiten ein Kind nach dem anderen? Selbstverantwortung? Was wäre, wenn wir einfach dutzende Kinder machen würden? Wer würde unseren Lebensunterhalt zahlen?

  • WalterK am 13.03.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gedenken als Mahnmal

    Gerade deshalb soll unser Jubiläum vom 38er Jahr allen als Mahnmal dienen. Wir haben das erlebt, der Krieg in Syrien dauert schon länger als der 2. Weltkrieg. Man muss Bewusstsein schaffen in der Isländer lachen Welt, mit Österreich als Vorbild. Wir haben es nach dem Krieg geschafft, das soll als Ansporn für eine friedliche Zukunft dienen.

    • franka am 13.03.2018 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @WalterK

      Nein wir haben weder den 1 . noch den 2. Weltkrieg erlebt und keiner weiss genau was im Jahre 1938 genau geschah,da die die wirklich alles erlebten schon ALLE tot sind .vielleicht gibt's noch eine Handvoll;mehr nicht.ubd jetzt will ich nicht mehr damit belästigt werden

    • Geh denken am 13.03.2018 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      als Mahnmal

      @Walter: Ich sehe das genauso.. "Wir" (der richtigkeit halber "Unsere Großeltern") haben es nach dem Krieg geschafft.. das (Heimat)Land wieder aufzubauen und zu dem zu machen was es heute (noch) ist.. ein Lebenswertes Land.

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  • Rob am 13.03.2018 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Wahnsinn währenddessen sitzen deren Väter in Österreich und lauern unseren Frauen auf oder fallen sonst irgendwie unangenehm auf

    • Silberstein am 13.03.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rob

      Richtig die sollten eigentlich das Land verteidigen

    • murksi am 15.03.2018 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      Die Ärmsten

      sind wie immer die Kinder die mir unendlich leid tun,sie können überhaupt nichts dafür,dass sie in so eine Welt geboren werden.Und trotzdem gibt es noch immer keine Geburtenregelung.Arme Hascherl !

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