Abstimmung in Irland

26. Mai 2018 08:40; Akt: 26.05.2018 08:52 Print

68 Prozent für Aufhebung des Abtreibungsverbots

Mit großer Mehrheit wollen die Iren das Abtreibungsverbot aufheben. Das zeigen die Nachwahlbefragungen.

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Die Iren haben offenbar mit großer Mehrheit für die Aufhebung des seit über drei Jahrzehnten geltenden strikten Abtreibungsverbots gestimmt. Laut einer Nachwahlbefragung stimmten gegen 68 Prozent der Iren für eine entsprechende Verfassungsänderung.

Laut der Befragung von 4.000 Wählern im Auftrag der Zeitung "Irish Times" stimmten nur 32 Prozent gegen eine Liberalisierung. Die Befürworter der Verfassungsänderung hatten sich zuvor durch die hohe Stimmbeteiligung ermutigt gezeigt. Zehntausende im Ausland lebender Iren sollen Berichten zufolge für das Referendum in ihre Heimat gereist sein.

Eine ähnliche Prognose lieferte eine weitere Nachwahlbefragung, vorgenommen durch das Institut Behaviour & Attitudes für den Fernsehsender RTE. Demnach stimmten von 3.800 Befragten 69,4 Prozent für die Liberalisierung, 30,6 Prozent waren dagegen.

Die Auszählung der eigentlichen Stimmen beginnt am Samstagmorgen, das definitive Ergebnis soll im Laufe des Tages bekanntgegeben werden.

Eines der strengsten Verbote in der EU

In dem erzkonservativen Land waren fast 3,5 Millionen Bürger aufgerufen, über den achten Zusatzartikel der Verfassung zu entscheiden, der Schwangerschaftsabbrüche strikt untersagt.

Im katholisch geprägten Irland gilt eines der strengsten Abtreibungsverbote in der Europäischen Union. Wer dagegen verstößt, kann mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst nach einer Vergewaltigung ist in Irland ein Schwangerschaftsabbruch untersagt.

Per Verfassungszusatz von 1983 sind ungeborene Kinder genauso in ihrem Recht auf Leben geschützt wie ihre Mütter. Das macht Kritikern zufolge Abtreibungen in dem Land faktisch unmöglich.

Der Uno-Menschenrechtsausschuss hatte das Abtreibungsverbot 2016 als Verstoß gegen internationale Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert und die irische Regierung aufgefordert, es zu überarbeiten.

Straffrei in den ersten zwölf Wochen

Nach dem Sieg des Ja-Lagers soll zunächst der achte Zusatzartikel aus der Verfassung gestrichen werden. Die Regierung müsste dann alles weitere gesetzlich regeln. Ihr Entwurf sieht vor, Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zur 24. Woche erlaubt sein.

Nachdem die Iren 2015 in einem Referendum für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe gestimmt hatten, ist das Abtreibungsreferendum nun ein weiterer Gradmesser für den großen gesellschaftlichen Wandel in Irland: Während die meisten europäischen Länder den Schwangerschaftsabbruch nach und nach entkriminalisiert haben, stimmten bei dem Referendum 1983 noch zwei Drittel der Iren für die Aufnahme des Abtreibungsverbots in die Verfassung.

Nach einer Reihe von Tragödien

Das langsame Abrücken von den strengen Gesetzen in den Jahrzehnten danach war eng mit den Namen von Frauen verbunden, die besonders unter diesen Gesetzen zu leiden hatten. Anlass für eine erste Lockerung des Abtreibungsverbots 2013 war die Empörung nach dem Tod der schwangeren Savita Halappanavar, die bei einer Fehlgeburt in der 17. Schwangerschaftswoche starb. Eine Abtreibung war ihr untersagt worden.

Die Kampagne gegen das Abtreibungsverbot erhielt Auftrieb durch den Fall von Amanda Mellet, die für die Abtreibung eines tödlich missgebildeten Fötus ins benachbarte Großbritannien ausweichen musste. Mellet brachte den Fall vor die Uno-Menschenrechtskommission, welche die Angelegenheit als Verstoß gegen die Grundrechte einstufte.

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(hvw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Geri am 26.05.2018 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herzlichen Glückwunsch

    Finde ich richtig ! Jede Frau sollte das Recht haben über ihren Körper zu bestimmen ! Es ist sicher keine leichtfertige Sache wenn sich Frauen zu einer Abtreibung entscheiden ! (Ausser es war eine Vergewaltigung) Zudem es wird wie es Aussieht wie im Rest von Europa gehandhabt das die Abtreibung nur bis zum 3. Monat möglich ist.

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  • Eveline Hantinger am 26.05.2018 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst entscheiden

    Jeder sollte selber über seinen Körper entscheiden und ob ich Abtreibe geht niemanden was an. Es sollte jedoch immer Stellen geben wohin man sich wenden kann

  • Pater Pius am 26.05.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Täterschutz vor Opferschutz

    Dem verantwortungslosen, ungeregelten Ausleben des Sexualtriebes wird Vorrang gegeben. Die Leichen abertausender Kinder klagen an, die dem Mammon geopfert wurden.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Alessia am 26.05.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Das eigene Kind zu töten...

    Abtreibung ist Mord; egal ob gesetzlich gedeckt, und egal in welchem Alter. Es ist von Beginn an ein menschliches Lebewesen. Nicht erst ab drei Monaten. Jede Frau, die das tut, hat ihr eigenes Menschsein zugunsten ihres schauderhaften Egoismus abgelegt.

    • Censorship am 28.05.2018 12:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Mann mit Frauenname

      A) Wage ich zu bezweifeln, dass sie ein Frau sind, Alessia. B) Es liegt EINZIG in den Händen der betroffenen Frau zu entscheiden, ob eine Abtreibung vorgenommen wird. Es obliegt sicher keinen extremistischen Fundamentalisten! C) Ist es für das absolute Gros der Frauen schwer genug, auch ohne widerwärtiger Religionsfanatiker...

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  • Antichrist am 26.05.2018 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Im Sinne der Gleichberechtigung

    sollten auch die Väter das Recht auf Abtreibung untergeschobener ungewünschter Kinder bekommen

  • Eveline Hantinger am 26.05.2018 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst entscheiden

    Jeder sollte selber über seinen Körper entscheiden und ob ich Abtreibe geht niemanden was an. Es sollte jedoch immer Stellen geben wohin man sich wenden kann

  • Statistiker am 26.05.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Abtreibung ist und bleibt Mord.

    • Egon am 26.05.2018 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt!

      Genau das wollte auch ich posten.

    • Eveline Hantinger am 27.05.2018 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Statistiker

      Sicherlich ist es für eine Frau nicht einfach diesen Schritt zu gehen, aber es gibt leider auch Fälle, wo Frauen vergewaltigt worden sind, und dadurch psychisch krank sind, da ist so ein Schritt verständlich. Wichtig ist jedoch, egal was man macht, daß immer jemand da ist, der einen unterstützt. Sicherlich, es ist ein Lebewesen, aber kein Mensch hat das Recht, über andere zu richten.

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  • Pater Pius am 26.05.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Täterschutz vor Opferschutz

    Dem verantwortungslosen, ungeregelten Ausleben des Sexualtriebes wird Vorrang gegeben. Die Leichen abertausender Kinder klagen an, die dem Mammon geopfert wurden.