Mordserie in Deutschland

09. November 2017 10:57; Akt: 09.11.2017 11:41 Print

Krankenpfleger Niels H. tötete 106 Patienten

Immer länger wird die Liste der Opfer die Niels H. getötet haben soll. Der Ex-Pfleger ist vermutlich für den Tod von über 106 Patienten verantwortlich ist.

106 Patienten soll der ehemalige Krankenpfleger Niels H. getötet haben. (Bild: picturedesk.com/Carmen Jaspersen)

106 Patienten soll der ehemalige Krankenpfleger Niels H. getötet haben. (Bild: picturedesk.com/Carmen Jaspersen)

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106 Menschen soll der ehemalige Krankenpfleger Niels H. aus Niedersachsen getötet haben. Zuletzt lag die Zahl der Opfer bei 90. Nach dem Abschluss mehrerer toxikologischer Untersuchungen teilten dies die Polizei und die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Oldenburg mit.

Laut Ermittler sei dies ein einmaliger Fall in der Kriminalgeschichte Deutschlands. Oldenburgs Polizeipräsident Johann Kühme sei fassungslos. Er geht davon aus, dass die Zahl der Opfer noch viel höher sei. Möglicherweise könnten jedoch mehrere Taten nicht mehr nachweisbar sein.

Größte Mordserie der Nachkriegszeit

Der Patientenmörder Niels H. könnte laut Ermittler für die größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein. Sechs Morde konnten dem ehemaligen Pfleger bereits nachgewiesen werden. Alleine dadurch sitzt er seit 2005 lebenslang in Haft. Dass er den Tod von mindestens weiteren 100 Personen verantwortet, ist kaum vorstellbar.

Seit 2000 Patienten getötet

In zwei verschiedenen Krankenhäusern beging der 40-Jährige die Taten. Niels H. tötete auf den Intensivsatitionen der Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg. Wegen der inzwischen vorliegenden Beweisen gehen die Ermittler davon aus, dass Niels H. bereits im Jahr 2000 die erste Tat beging und nicht wie zuvor angenommen im Jahr 2003.

Durch das Verabreichen verschiedener Medikamente brachte er seine Opfer in Lebensgefahr um sie anschließend wiederbeleben zu können. Er wollte damit von seinen Kollegen als Lebensretter angesehen werden. Viele Menschen überlebten diesen Vorgang jedoch nicht.

Im Gefängnis wurde Niels H. zahlreiche Male verhört. Ob er in vollem Maße seine taten gestehe und ob er sich noch an alle Taten erinnern könne, sei unklar, so Schmidt. Der Patientenmöder streitet auch ab, dass er auch Patienten an anderen Arbeitsstätten, als Rettungssanitäter oder Pfleger im Altenheim, eine Überdosis an Medikamenten gespritzt hatte. In diesen Fällen sind jedoch keine Patienten gestorben.

Morde waren verhinderbar

In Augen der Ermittler wäre ein großer Teil der Morde zu verhindern gewesen. Bereits im Krankenhaus Oldenburg zeigte eine Statistik, dass die Zahl der Todesfälle und Reanimationen während der Dienstzeiten von Niels H. höher waren. Auch die Geschäftsführung war davon informiert. Hätten die Verantwortlichen bereits damals reagiert, wären es eventuell nie zu den weiteren Taten in Delmenhorst gekommen.

Das Klinikum Oldenbrug trennte sich, statt zur Polizei zu gehen, von dem Pfleger und stellte ihm ein Dienstzeugnis aus. Warnungen an das Krankenhaus Delmenhorst gab es nicht. Auch an der späteren Arbeitsstelle in Delmenhorst kamen auffällig viele Patienten während der Schicht von Niels H. ums Leben. Später gab es dann auch Beweise. Zwei ehemalige Oberärzte und die Stationsleitung stehen wegen Todschlags durch Unterlassen immer noch vor Gericht.

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(cs)

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