Deutsche im Irak aufgegriffen

08. August 2017 20:20; Akt: 08.08.2017 21:18 Print

IS-Mädchen: Video zeigt ihre Gefangennahme

Die irakische Armee entdeckte im Juli die 16-jährige Deutsche Linda W. in einem IS-Tunnel in Mossul. Von der Festnahme ist ein Video aufgetaucht.

Das Video zeigt den Moment der Gefangennahme der 16-jährigen Deutschen in Mossul. (Video: Tamedia/20 Minuten)
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Sie wirkt erschöpft. Als die Sicherheitsleute sie mit sich ziehen, schreit sie vor Schmerz auf: Die 16-jährige Deutsche ist durch Schrapnelle an der linken Wade und am rechten Knie verletzt worden.

Die Männer führen Linda W. ab, Handys werden gezückt, es gibt viel Geschrei, lachende Gesichter von Soldaten, sie bleibt stumm mit verzerrtem Gesicht. Weint sie?

Im Juli hatte die irakische Armee die junge Deutsche in einem IS-Tunnel entdeckt. Eine Videoaufnahme zeigt, wie Linda W. mehr eskortiert als abgeführt wird. "Macht Platz, macht Platz, sie ist Christin", ist eine Stimme zu hören.

Heirat mit einem IS-Tschetschenen

Linda war zunächst für ein Opfer der Terrormiliz gehalten worden, es gab Berichte, sie sei eine entführte Jesidin. Später bestätigte das deutsche Auswärtige Amt die Identität des Mädchens, das im Sommer 2016 von zu Hause ausgerissen und über die Türkei nach Syrien gereist war. Hier heiratete die Deutsche nach eigenen Aussagen einen tschetschenischen Kommandeur des IS. Der Mann soll wenig später bei Kämpfen ums Leben gekommen sein.

Nach Schlacht gegen IS: So zerstört ist Mossul

Berichte, wonach die 16-Jährige ein Kind geboren hatte, blieben unbestätigt. Mittlerweile ist sie in Bagdad, wo sie und drei ebenfalls in Mossul aufgegriffene Deutsche verhört werden. Die deutsche Regierung betreut die vier IS-Frauen über die Botschaft in Bagdad.

Keine Hinweise auf Beteiligung an IS-Gräuel

Nach ersten Gesprächen mit den irakischen Behörden gehen die Diplomaten davon aus, dass keiner der Frauen die Todesstrafe droht. Zumindest sei den deutschen Emissären von irakischer Seite signalisiert worden, dass es keine Hinweise auf eine Beteiligung der Frauen an IS-Morden oder Kampfhandlungen gebe.

Deutsche Sicherheitsbehörden untersuchen laut "Spiegel", ob die vier festgenommenen Deutschen allenfalls bei der Frauenbrigade al-Khansa, der berüchtigten Sittenpolizei der Dschihadistenmiliz, gearbeitet haben könnten.

Offene Rückkehr, Ermittlungen laufen

Die Iraker hätten kaum ein Interesse daran, die ausländischen IS-Anhänger bei sich zu behalten. "Die machen ihnen, salopp gesagt, nur Ärger", so Guido Steinberg, deutscher Islamwissenschaftler und Gutachter bei Terrorprozessen, gegenüber "20 Minuten".

Es ist davon auszugehen, dass Linda W. demnächst nach Deutschland zurückkommen wird. Einen möglichen Zeitpunkt ihrer Heimreise nannte ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe nicht: "Die Ermittlungen laufen."

Gegen den IS-Teenager wird daheim wegen Verstoßes gegen Paragraph 89b ermittelt: "Aufnahme von Beziehungen zu einer ausländischen terroristischen Vereinigung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat".

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(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ich am 09.08.2017 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und?

    kein mitleid; sie wollte hin

  • Geri am 09.08.2017 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur zwei Worte:

    KEIN ZURÜCK !

  • Kritischer Geist am 09.08.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Lektion

    Jetzt kann sie sich darüber Gedanken machen, was am islamisch-voraufgeklärten Kulturkreis besser ist als am westlich-aufgeklärten.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Jawollus am 10.08.2017 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Bedingungen

    Gut, soll sie retour kommen, und zwar unter folgenden auflagen: ein 40-stunden-job vom tag ihrer ankunft an den sie dauerhaft erhalten muss, ein gerichtlicher erlass welcher es ihr verbietet ihre geschichte gewinnbringend zu vermarkten, und strengste kontrolle ihrer aktivitäten. Das wäre nur fair.

  • Angelika. am 09.08.2017 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    IS-Kämpferin

    Bitte, Leute, das sind ja noch Kinder! Hoffentlich kann das Mädchen bald zurück nach Deutschland, wo es sich von dem Grauen des Krieges erholen kann. Ich schäme mich für solch gehässige, rassistische Kommentare gegenüber verblendeten IS-Kids, die in den heiligen Krieg zogen, weil sie daheim in ihrem Elternhaus vernachlässigt wurden und sich unverstanden fühlten...

    • Kritischer Geist am 09.08.2017 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Angelika

      Woher wissen Sie das mit der Vernachlässigung? Wer alt genug ist, sich einer Terrororganisation anzuschließen, der ist auch alt genug, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Davon abgesehen weiß niemand, ob diese Terroristin sich überhaupt von ihrem Fanatismus verabschiedet hat. Sie wäre nicht die erste, die nach ihrer Rückkehr einfach weiter macht mit diesem Wahnsinn.

    • Jawollus am 09.08.2017 20:46 Report Diesen Beitrag melden

      Bonus?

      @Angelika: Wärst du auch so tolerant wenn es sich hier um einen deutschen Burschen handeln würde, oder geht's in diesem Fall rein darum, daß sie halt "ein Mädchen ist"?

    einklappen einklappen
  • Kritischer Geist am 09.08.2017 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Lektion

    Jetzt kann sie sich darüber Gedanken machen, was am islamisch-voraufgeklärten Kulturkreis besser ist als am westlich-aufgeklärten.

  • Geri am 09.08.2017 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur zwei Worte:

    KEIN ZURÜCK !

  • ich am 09.08.2017 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und?

    kein mitleid; sie wollte hin