Entscheidung

25. Juli 2018 11:36; Akt: 25.07.2018 12:48 Print

EU trifft Hammer-Urteil bei Gentechnik-Pflanzen

Mit Spannung wurde ein Urteil zu Gentechnik vom Europäischen Gerichtshof erwartet. Wie es ausfiel, überrascht die Beobachter.

Die neuen Gentechnikverfahren unterliegen sehr wohl den Auflagen nach der Gentechnikrichtlinie der Europäischen Union. (Bild: iStock)

Die neuen Gentechnikverfahren unterliegen sehr wohl den Auflagen nach der Gentechnikrichtlinie der Europäischen Union. (Bild: iStock)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hatte sich durch ein Verfahren gearbeitet, das für den Durchschnittsbürger wohl schwer verständlich ist. Im Kern wurde darüber beraten, wie mit neuen Verfahren wie der sogenannten "Genschere" CRISPR/Cas9 umgegangen wird.

Umfrage
Würden Sie Lebensmittel kaufen, die gentechnisch veränderte Bestandteile beinhalten?
12 %
85 %
3 %
Insgesamt 281 Teilnehmer

Die Methode lässt einfacher, genauer und vor allem billiger als bisher das Erbgut von Lebewesen verändern. Sie fügt kein gentechnisch verändertes Erbgut hinzu, sondern schaltet vorhandene unerwünschte Gene in den Produkten aus beziehungsweise löst Mutationen aus, die zum gewünschten Ergebnis führen sollen – etwa nicht braun werdendes Obst oder süß schmeckende Beeren.

Eine Kernfrage

Die Kernfrage, die sich stellte: Unterliegen mit dieser Methode veränderte Produkte besonderen Auflagen wie einer Kennzeichnungspflicht? Forscher und Unternehmen argumentierten damit, dass im Gegensatz zu klassischen Gentechnikverfahren die Ergebnisse auch auf natürlichem Weg erreicht werden könnten und dass im Endprodukt keine Spuren des Verfahrens zu finden seien.

Umweltschützer und NGOs erklärten dagegen, dass so der Markt durch Gen-Gemüse und Co. still und heimlich unterwandert werde. Die vereinfachte Frage an einem Beispiel: Muss Mais, der mit der Genschere gezüchtet wurde, der aber von natürlichem Mais nicht unterschieden werden kann, zugelassen und gekennzeichnet werden?

Überraschende Entscheidung

Am Mittwoch entschied der EuGH: die neuen Gentechnikverfahren unterliegen sehr wohl den Auflagen nach der Gentechnikrichtlinie der Europäischen Union, denn die Risiken der "Genschere" seien vergleichbar mit bisherigen Genverfahren. Das überrascht, denn in Stellungsnahmen der EU-Generalanwaltschaft war vor der Entscheidung eine Empfehlung erfolgt, die in den neuen Verfahren gewonnen Produkte als nicht gentechnisch verändert anzusehen.

Das Urteil hat nun weitreichende Auswirkungen. In der EU muss man sich für einen "gentechnisch veränderten Organismus (GVO)" (darunter fallen etwa Saatgut, Pflanzen sowie Lebens- und Futtermittel, die daraus hergestellt werden) eine Zulassung einholen, was in jedem einzelnen Fall mit hohem Zeitaufwand und hohen Kosten verbunden ist. Zudem müssen Produkte, die aus solchen Verfahren hergestellt werden, als gentechnisch verändert ausgewiesen werden.

Situation in der EU

Auf EU-Ebene waren mit Stand Juli 2017 59 verschiedene gentechnisch veränderte Pflanzen für die Vermarktung sowie für die Verwendung als Lebens- und Futtermittel zugelassen, viele weitere warten auf eine Zulassung. Sie werden fast ausschließlich als Futtermittel für Nutztiere verwendet, Lebensmittel im handel findet man in äußerst geringem Umfang.

Beim Anbau sieht es noch strenger aus. Mitte 2017 lag nur für einen einzigen gentechnisch veränderten Mais die Voraussetzungen für einen kommerziellen Anbau vor. Österreich hat die Beschränkungen noch einmal verschärft. Bisher gibt es in Österreich keinen Anbau von Gen-Pflanzen, weder kommerziell noch zu Testzwecken, außerhalb von Gewächshäusern. Außerdem hat Österreich die Möglichkeit, sein Landesgebiet vom Anbau von GV-Pflanzen ausnehmen lassen. Dies nutzte Österreich bereits bei sechs Gen-Pflanzen – was quasi ein Anbauverbot in Österreich bedeutet.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

(red)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heimatland am 25.07.2018 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtige Entscheidung

    Endlich was Vernünftiges von dieser Seite!

  • Marie am 25.07.2018 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich traurig !!

    Da bin ich wirklich überrascht. Seit jahren gibt es zum ersten mal etwas positives zu berichten von diesem Verein.

    einklappen einklappen
  • geld+leben am 25.07.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    krank

    krankes geldbasierendes Spiel, auf Kosten der Konsumenten. NIEMAND weiß, was solche Züchtungen mit unserem Körper anstellen, wie sich das ganze auf die Vegetation auswirkt. Und passiert etwas, ist niemand schuld, niemand übernimmt Verantwortung.. das wird sich irgendwann rächen..

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Ludwig am 25.07.2018 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zu früh gefreut.

    Das Gesetz betrifft Importe aus Drittstaaten. Europäische Konzerne, wie Bayer, benötigen keine Import-Zulassung. Zur Erinnerung, Monsanto bot sich Bayer als Braut an, um diese geplanten EU-Zulassungshürden zu umgehen. Bayer heiratete und bekommt ein Hochzeitsgeschenk gleich mitgeliefert. Ein EU-Patent, das das Wettrüsten auf dem Acker für Bayer zum Kinderspiel macht.

  • Biotech am 25.07.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann. Mahlzeit.

    Nicht erwähnt wurde, dass dies nur EU-Importanträge betrifft. Bayer hat - dank einer göttlichen Fügung - noch vor dem Urteilsspruch Monsanto gekauft. Warum die Eile? 2016 wurde dem Monsanto-Konzern ein europäisches Patent auf Gentechnik-Pflanzen erteilt, das zulässt, die Fünfache Glyphosatmenge zu sprühen. Wir werden also weiterhin das Herbizid 2,4-D und Glufosinat im Kombi-Pack auf den Tisch bekommen, nur dieses Mal von Bayer. Betroffen sind ua. Weizen, Mais, Roggen, Reis, Hafer, Gerste, Rasengras, Sorghum, Hirse, Zuckerrohr, Tomaten, Kartoffeln, Soja, Raps, Sonnenblume

  • Sciencer am 25.07.2018 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Besserung?

    Sind die EU-ler endlich draufgekommen, dass sie sich mit volksfremder Politik selbst das Wasser abgraben? Was nützen Millionen von den Lobbies, wenn niemand mehr da ist, der es einstreichen kann?

  • ElMu am 25.07.2018 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder

    Halte normalerweise nicht viel von der EU, da sie meist zu konzernfreundlich ist, aber das finde ich eine gute Sache.

  • Hans am 25.07.2018 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Aber Mutagenese

    bleibt erlaubt und deren Erzeugnisse müssen nicht kontrolliert werden?

    • murksi am 25.07.2018 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      Wer der Natur

      ins Handwerk pfuscht,wird sich noch wundern.Ich möchte nicht wissen,was die Forscher schon alles genmanipuliert haben.Das Erkennen wird grausig sein,aber dann ist es schon zu spät!

    einklappen einklappen