UNO verurteilt Aussage

12. Januar 2018 07:07; Akt: 12.01.2018 14:29 Print

Trump bestreitet "Dreckslöcher"-Sager

Während eines Treffens mit Senatoren zur US-Einwanderungspolitik soll Präsident Donald Trump den Ausdruck "shithole countries" verwendet haben. Die UNO nennt diese "Drecksloch"-Bemerkung "rassistisch". Nun rudert Trump zurück.

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Bei einem Treffen zur US-Einwanderungspolitik hat Präsident Donald Trump die Einreise von Menschen aus "Drecksloch-Ländern" kritisiert. Der Kommentar fiel am Donnerstag während einer Debatte über einen von republikanischen und demokratischen Senatoren erarbeiteten Gesetzentwurf, wie drei Personen mit Kenntnissen über das Treffen erklärten. Trump lehnte demnach einen Vorstoß der Politiker ab, mit dem sich bestehende Regelungen für Einwanderer aus Afrika und Haiti geändert hätten.

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Speziell wollte Trump offenbar wissen, warum die USA es mehr Leuten aus "shithole countries" erlauben sollten, in die Vereinigten Staaten zu kommen. Stattdessen legte er nahe, sein Land solle mehr Einwanderer aus Ländern wie Norwegen zulassen. In dieser Woche hatte sich Trump mit der norwegischen Ministerpräsidentin getroffen.

Lösung für Dreamer gesucht

Zu dem Treffen im Oval Office kam es, weil sechs Senatoren einen überparteilichen Kompromiss ausgearbeitet hatten, der Hunderttausende junge Migranten vor Abschiebung schützen und den US-Grenzschutz stärken sollte. Die sogenannten Dreamer sorgen seit mehreren Monaten für Sorge in Washington – ein Schutzprogramm für sie läuft demnächst aus. Und die Demokraten sind nicht zu einer Zusammenarbeit beim Grenzschutz bereit, falls für die Betroffenen – die meisten im Studentenalter – keine Lösung zum Verbleib in den USA gefunden wird. Das Weiße Haus erklärte nach dem Treffen, die Vereinbarung der Senatoren sei abgelehnt worden. "Wir sind noch nicht ganz da, aber wir sind nah dran", sagte Sprecherin Sarah Huckabee Sanders mit Blick auf einen Kompromiss.

In dem Gespräch erläuterte der demokratische Senator Richard "Dick" Durbin Trump offenbar, dass dem Vorschlag der Politiker zufolge eine bislang bestehende spezielle Visa-Vergabe per Los beendet werden sollte. Durch diese haben in der Vergangenheit beispielsweise Menschen aus Afrika profitiert. Ihnen sollten andere Visa-Möglichkeiten eröffnet werden – und, im Gegenzug für die Abschaffung des Verlosungsprinzips, sollte Menschen aus El Salvador, Guatemala und Haiti der Aufenthalt erlaubt werden, die nach Naturkatastrophen in ihrer Heimat in die USA geflohen sind.

Weißes Haus bestreitet nicht, Trump schon

Anschließend fragte Trump anscheinend, warum mehr Leute aus Haiti einreisen sollten. Zudem erwähnte er Afrika und verwendete den Begriff "shithole countries". Obwohl der Präsident bereits häufiger von politischen Gegnern beschuldigt wurde, rassistische Einstellungen zu haben, ist die vulgäre Wortwahl doch bemerkenswert.

Das Weiße Haus bestritt Trumps Aussage nicht. Sprecher Raj Shah sagte in einer Mitteilung, bestimmte Politiker in Washington hätten sich entschieden, für ausländische Staaten zu kämpfen. Der Präsident hingegen "wird immer für das amerikanische Volk kämpfen". Trump wolle Einwanderer willkommen heißen, die zur Gesellschaft und zum Wirtschaftswachstum der USA beitrügen sowie sich an die "großartige Nation" anpassten. Zugleich lehne Trump aber schwache und gefährliche Übergangslösungen ab, die das Leben hart arbeitender Amerikaner bedrohten.

Trump hat am Freitag dann die Berichte zurückgewiesen, wonach er bestimmte Herkunftsstaaten als "Dreckslochländer" bezeichnet haben soll. "Die Sprache, die ich bei dem Daca-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde", twitterte Trump.

"Nun sind wir sicher, dass Trump ein Rassist ist"

Die UNO hat die Wortwahl von US-Präsident Donald Trump zu bestimmten Herkunftsländern von Migranten scharf verurteilt. "Sollte sich das bestätigen, sind das schockierende und beschämende Äußerungen durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten", sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros in Genf, Rupert Colville, am Freitag.

"Präsident Trumps Kommentare sind nur ein weiterer Beweis für seine rassistisch unsensiblen und ignoranten Ansichten. Es bekräftigt ausserdem die Bedenken, die wir jeden Tag hören, dass der Make America Great Again-Slogan des Präsidenten in Wirklichkeit ein Code für Make America White Again (auf Deutsch etwa: Macht Amerika wieder weiss) ist." Der republikanische Senator Cedric Richmond, Vorsitzender des Black Caucus im US-Kongress.


"Ich freue mich darauf, eine genauere Erklärung zu den Kommentaren des Präsidenten zu bekommen. Amerika ist unter anderem so besonders, weil wir die Besten und Schlauesten der Welt bei uns willkommen heissen, ohne Rücksicht auf ihr Heimatland." Der republikanische Senator Orrin Hatch.

"Trumps Kommentare sind unfreundlich, spaltend, elitär (...). Dieses Verhalten ist für das Oberhaupt unserer Nation inakzeptabel." Die republikanische Abgeordnete Mia Love, deren Familie aus Haiti stammt.


"Er versucht, mich zurückzugewinnen." Ann Coulter, rechtskonservative Kommentatorin

"Die Stellung der USA als moralische Instanz in der Welt ist durch den unbedarften, kaltschnäuzigen und ungefilterten Rassismus, der wiederholt von Präsident Trump vertreten wird, beschädigt worden. Seine Entscheidung, Obszönitäten zu benutzen, um afrikanische, zentralamerikanische und karibische Länder zu beschreiben, ist nicht nur ein Tiefpunkt für diesen Präsidenten, sondern ein Tiefpunkt für unsere Nation." Die Bürgerrechtsorganisation NAACP, die sich für die Rechte von ethnischen Minderheiten in den USA einsetzt.


"Präsident Trump ist konstant ehrlich über den weißen Nationalismus hinter seiner Einwanderungspolitik gewesen. Seine letzte Salve steht im direkten Kontrast zu der Entscheidung des Kongresses aus dem Jahr 1965, die rassistischen Quoten pro Land aus der Vergangenheit abzuschaffen und unsere Einwanderungspolitik auf eine Linie mit der Ära der Bürgerrechte zu bringen." Lorella Praeli, Direktorin des Bereich Einwanderungspolitik und Kampagnen der Bürgerrechtsorganisation ACLU.


"Wir können nun mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass der Präsident ein Rassist ist, der nicht die in unserer Verfassung oder in der Unabhängigkeitserklärung bewahrten Werte teilt." Der demokratische Abgeordnete Luis Gutiérrez.


"Er hat sich selbst als untauglich präsentiert, unwissend über die Geschichte dieses Landes und die Geschichte der Mitwirkung, die Einwanderer, vor allem haitianische Einwanderer, in diesem Land haben." Der demokratische Senator Kwame Raoul, dessen Eltern in den 1950er Jahren aus Haiti in die USA kamen.


(chk/ap)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Wick am 12.01.2018 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Genau))

    Na ja das ist die wahre amerikanische gesicht!!!

  • Hans am 12.01.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss nur hinschauen, Haiti

    Gut. Schreiben wir mal über Haiti, da es hier rein passt. Haiti hat ein Nachbarland auf derselben Insel. Die Dominikanische Republik. Gleiche natürliche klimatische Gegebenheiten. Haiti fast nur von Schwarzen bewohnt. DomRep mit großem weißen Anteil. Unterschiede: Haiti ist zum Großteil abgeholzt. DomRep hat viel Dschungel. Haiti hat kaum Tourismus. DomRep boomt. Haiti politisch unruhig und korrupt, hungert. DomRep, naja ist ganz OK für Lateinamerika. Fallen irgendwem da Unterschiede auf? Wo kommen die her? Könnte es nicht ansatzweise auch die Bevölkerungsstruktur sein?

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  • irgendwasistimmer am 12.01.2018 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsant

    1) Migranten aus den USA würde wahrscheinlich, kein Land der Welt aufnehmen 2) Trump weiß sicher nicht auf der Karte, wo Norwegen ist 3) ein Norweger mit klarem Verstand, würde sicherlich nicht freiwillig in die USA migrieren. 4) wenn der wüsste, wie sein Land in vielen anderen Ländern gesehen wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sabine am 12.01.2018 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat recht

    Bravo Donald. Du wirst mir immer sympathischer.

  • John Milton am 12.01.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Es ist herrlich wie sich die selbsternannten Weltverbesserer echauffieren wenn einer sagt was viele denken. Weiter so Herr Trump!

    • Richard Lego Österreicher am 12.01.2018 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      @ John Milton

      Bester Kommentar des heutigen Tages !!!

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  • zimbo am 12.01.2018 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Als Wiener versteht man ihn

    Er sagt, was viele denken.

  • Konfusius am 12.01.2018 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Worte nicht ganz von ungefähr

    Er will diese unter-entwickelten Staaten nur ermutigen, das Schicksal auch selbst in die Hände zu nehmen. Wie heisst es so schoen? An den Taten sollt ihr sie messen!

  • Hans am 12.01.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss nur hinschauen, Haiti

    Gut. Schreiben wir mal über Haiti, da es hier rein passt. Haiti hat ein Nachbarland auf derselben Insel. Die Dominikanische Republik. Gleiche natürliche klimatische Gegebenheiten. Haiti fast nur von Schwarzen bewohnt. DomRep mit großem weißen Anteil. Unterschiede: Haiti ist zum Großteil abgeholzt. DomRep hat viel Dschungel. Haiti hat kaum Tourismus. DomRep boomt. Haiti politisch unruhig und korrupt, hungert. DomRep, naja ist ganz OK für Lateinamerika. Fallen irgendwem da Unterschiede auf? Wo kommen die her? Könnte es nicht ansatzweise auch die Bevölkerungsstruktur sein?

    • alter sack am 12.01.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Rassismus hat keine Hautfarbe

      Lieber Hans, die Realität auf Haiti ist noch viel schlimmer und brutaler als es in den Medien rüber kommt. Auch wenn mein letzter Aufenthalt schon einige Jahre her ist, damals, 97, bin ich, mit 2 Freunden, in Cap Haitien um mein/unser Leben gerannt als wir in einen Aufstand (wegen eines Fussballspiels mit Toten!) gerieten und von Flaschen und Steinen fast totgeschlagen wurden! Weil wir WEISS waren!! Tourismus gab es keinen mehr. Die einzigen Ausländer, die wir trafen in 3 Wochen, war ein UN Mitarbeiter aus dem Camp ausserhalb der Hauptstadt und ein pädophiler Franzose.

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