"Ökologische Katastrophe"

23. März 2018 09:31; Akt: 23.03.2018 10:09 Print

Jeder dritte Vogel ist verschwunden

Die intensive Landwirtschaft und Pestizide setzen den europäischen Vögeln drastisch zu. In 15 Jahren sind die Vogelbestände um ein Drittel gesunken.

Eine Blaumeise (Bild: iStock)

Eine Blaumeise (Bild: iStock)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wo sind Amsel, Drossel, Spatz und Star? Wenn in diesen Tagen der Frühling erwacht, ist das Zwitschern deutlich leiser als noch vor 15 Jahren. Viele Vögel sind bedroht. Zwei Studien belegen eine dramatische Abnahme der Vogelbestände.

"In den letzten 15 Jahren haben wir ein Viertel der Lerchen verloren. Das ist viel, sehr viel. Ein solcher Verlust bei der Menschheit wäre massiv", sagt Benoit Fontaine vom Naturhistorischen Museum in Paris und Co-Autor einer der neuen Studien im "Guardian". Laut der Studie ist ein Drittel der Vögel im Kulturland verschwunden.

Er gibt in erster Linie der intensiven Landwirtschaft die Schuld am Vogelsterben: "Wir verwandeln unser Ackerland in eine Wüste", sagt der Biologe. Die Biodiversität sei wichtig, es brauche die Vögel zur Bestäubung und für die Mikroorganismen im Boden. "Ohne das sterben wir letztlich – es ist eine ökologische Katastrophe!".

Nicht alle Vogelarten gleich betroffen
Das Vogelsterben in Frankreich bestätigt eine zweite Studie des "European Bird Census Council". So sei in Europa mehr als die Hälfte aller Vögel in den letzten 30 Jahren von den Feldern und Wiesen verschwunden. Untersucht wurden 28 europäische Länder. Von den 39 häufigsten Vogelarten mussten deren 24 einen Rückgang verzeichnen, nur gerade sechs Arten konnten ihre Bestände vergrößern. Die Störche sind eine der wenigen Arten, die zulegen konnten.

Weniger Insekten, weniger Vögel
Der französischen Studie zufolge hat sich das Vogelsterben in den letzten zehn Jahren verstärkt, insbesondere die letzten zwei Sommer sei ein starker Rückgang beobachtet worden. Die Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem dramatischen Rückgang der Insekten wegen des hohen Pestizid-Einsatzes und dem Vogelsterben. So seien über drei Viertel der Fluginsekten in den letzten 27 Jahren verschwunden.

"Alle Vögel sind in irgendeiner Form von Insekten abhängig", sagt Fontaine. Singvögel füttern ihre Küken mit Insekten, Raubvögel wiederum essen Vögel, die sich von Insekten ernähren, sagt der Forscher. "Die Vögel können nicht überleben, wenn sie 80 Prozent ihrer Nahrungsgrundlage verlieren."

(red)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gscheitl am 23.03.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    futterstrecken - bevor es zu spät ist

    ...ornithologen sollen fütterungspfade in wald und flur einrichten - viele naturliebhaber würden ganzjährig füttern gehn ..man müsste uns nur sagen wie wir helfen können ...

    einklappen einklappen
  • j.l. am 23.03.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    giftspritzer

    gehören verboten, da würden sie mal was sinvolles zusammenbringen da oben.

    einklappen einklappen
  • UnbequemAberWahr am 23.03.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben...

    ... ein Viertel der Lerchen verloren. Das sehr viel. Ein solcher Verlust bei der Menschheit wäre für unseren Planeten allerdings eher sehr positiv als massiv zu bewerten! Seit den 70er Jahren wird von wenigen echten Experten vor Überbevölkerung gewarnt, jetzt wird's langsam eng und die nächsten Völkerwanderungen stehen bevor - die ersten negativen Anzeichen davon haben wir in den letzten 3 Jahren auch in Österreich schon mitbekommen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • olga.chraska am 16.04.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Vogelsterben

    Daß Gartenbesitzer eigentlich die Pflicht hätten sich um Tiere, die je nach Wetter nicht ausreichend Essen finden, kümmern, sollte man eigentlich wissen.. In der Stadt gehören je nach Jahreszeit Futterhäuschen aufgestellt. Tut man ja schon Jahre nicht mehr, weil man glaubt, dadurch die Tauben vertreiben zu können. Gelingt nicht, weil Tauben kluge Tiere sind, manche Menschen nett sind und an sie denken. Den Kleinen kann man ohne Futterhäuschen sehr schwer Futter bringen, weil die zu scheu sind. Gibt nichts Lieberes als wenn Amsel, Spatzen, Tauben und Meisen zu Futterhäuschen kommen...Schuldige?

  • Konfusius am 24.03.2018 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es Gott gibt, ist der Mensch Ungott

    Nun ist der Baum verschwunden und die Natur voll Wunden. Nie wieder wird es werden ganz gut auf dieser Erden.

  • Horst am 24.03.2018 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrecher

    Danke EU für das Verbot von Pestizide Danke an alle Politiker für das rasches Handeln.

  • Drakensang am 23.03.2018 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr da

    Ich habe mich soeben gefragt wie lange es her ist, dass ich in Wien den letzten Kohlweissling, Zitronenfalter gesehen habe. Aber auch die Spatzen werden immer weniger.

    • Ferdi am 24.03.2018 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Drakensang

      Dafür kommen andere Vögel ,die nicht hier her passen,da ist das gezwitschere mir wohl lieber

    einklappen einklappen
  • Ruppert am 23.03.2018 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    weniger Vogel ist gleich

    weniger Vogelkot und weniger Krawall. So hat alles auch seine guten Seiten.

    • Tine am 24.03.2018 02:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Ruppert

      Wenn ich um 4 h durch das Gezwitscher geweckt werde, ärgere ich mich auch - aber nur kurz! Zeigt es doch, daß ein neuer Tag beginnt und wenigstens die Vögel noch Grund zur Freude haben! Aber böse Menschen verstehen das nicht, gell Ruppert?

    einklappen einklappen