Drama im Mittelmeer

27. Juni 2018 15:58; Akt: 27.06.2018 15:58 Print

Irrfahrt der Flüchtlinge nimmt ein Ende

Das deutsche Rettungsschiff "Lifeline" mit 230 Migranten und 17 Besatzungsmitgliedern an Bord darf am Mittwochabend in Malta anlegen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das seit Tagen im Mittelmeer ausharrende Flüchtlingsschiff "Lifeline" kann nach Angaben der italienischen Regierung nun in Malta anlegen. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte teilte am Dienstag nach einem Gespräch mit dem maltesischen Regierungschef Joseph Muscat mit, sein Land werde einen Teil der mehr als 230 Flüchtlinge an Bord aufnehmen. Italien hatte sich zuvor geweigert, das von einer deutschen Hilfsorganisation betriebene Schiff anlegen zu lassen.

Umfrage
Hat die EU in der Asylkrise versagt?

Wann genau das Schiff in Malta anlegen darf, war zunächst unklar. Am Morgen hatte bereits ein französischer Regierungssprecher mitgeteilt, dass sich für das Schiff eine "europäische Lösung" abzeichne. Im Gespräch sei "eine Landung in Malta", sagte er dem Radiosender RTL. Mittlerweile wurde bekannt gegeben, dass das Schiff am Mittwochabend in Malta anlegen wird.

Seehofer nennt Bedingungen für Aufnahme der Menschen

Der deutsche Bundesinnenminister Horst Seehofer nannte am Mittwoch Bedingungen für die mögliche Aufnahme der Flüchtlinge vom Schiff "Lifeline". Eine sei, dass das Schiff festgesetzt werde, wie "Focus Online" berichtet.

Die deutsche Regierung erklärte am Mittwoch, sie habe noch nicht darüber entschieden, ob einzelne Bundesländer "Lifeline"-Flüchtlinge aufnehmen dürfen. Neben dem Land Niedersachsen haben sich dazu auch die Länder Berlin und Brandenburg bereit erklärt.

Die französische Regierung habe sich zudem ebenfalls bereit erklärt, Flüchtlinge von dem Schiff aufzunehmen und ein Expertenteam nach Malta zu schicken, um die Asylanträge der Flüchtlinge "individuell" zu prüfen. Demnach sprach auch der französische Präsident Emmanuel Macron mit Maltas Regierungschef Muscat.

Schiff harrt seit Tagen in internationalen Gewässern aus

Nach Angaben eines maltesischen Regierungssprechers gab es seit dem Wochenende Gespräche zwischen EU-Mitgliedstaaten über eine Aufteilung der Flüchtlinge. Die Mittelmeerinsel Malta, die rund 400.000 Einwohner zählt, hatte der "Lifeline" zunächst wie Italien das Anlaufen eines Hafens verweigert. Das von der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline betriebene Schiff harrt deshalb seit Tagen in internationalen Gewässern vor der Küste Maltas aus.

Mission Lifeline konnte das grüne Licht aus Rom für die Einfahrt nach Malta zunächst nicht bestätigen. Ihr Sprecher Erik Marquardt sagte der Nachrichtenagentur AFP, in der Nacht sei ein lungenkranker Flüchtling nach Malta gebracht worden. Dies bestätigte der maltesische Regierungschef im Kurzbotschaftendienst Twitter. Damit befinden sich noch 233 Flüchtlinge an Bord der "Lifeline".

Frachter "Alexander Maersk" hat in Italien angelegt

Unterdessen durfte das dänische Containerschiff "Alexander Maersk" mit 108 Flüchtlingen an Bord in Italien anlegen. Der Frachter "Alexander Maersk" hatte Ende vergangener Woche 113 vor der libyschen Küste in Seenot geratenen Flüchtlingen geholfen. Nach drei Tagen Wartezeit lief das Schiff am Montagabend im sizilianischen Pozzalo ein. Ein Unternehmenssprecher begrüsste die "heldenhafte Arbeit der Mannschaft" und fügte hinzu, die Reederei Maersk sei "sehr stolz".

Es war das erste Mal, dass ein Handelsschiff vor einem Hafen blockiert wurde und auf Anweisung der Behörden warten musste. Die Küstenwache hatte das Containerschiff zuvor aufgefordert, den Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen.

Salvinis harte Linie

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei hatte am Montag bekräftigt, dass Schiffe von Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge vor der libyschen Küste aufnehmen, keine italienischen Häfen mehr anlaufen dürfen. Salvini bekräftigte auch, dass die "Lifeline" keine Genehmigung zum Anlegen in Italien erhalten werde.

Die Flüchtlinge auf der "Lifeline" waren am Donnerstag nahe der libyschen Küste aufgenommen worden. Am Sonntag traf nach Angaben von Mission Lifeline eine Versorgungslieferung aus Malta mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Die Schiffe "Sea-Eye" und "Sea-Watch" hätten zudem Medikamente und Decken gebracht.

Schicksal der "Aquarius"

Mitte Juni war auch das Flüchtlingsschiff "Aquarius" mit mehr als 600 Menschen an Bord zunächst von Italien und Malta abgewiesen worden. Erst nach einer längeren Irrfahrt konnten die Flüchtlinge auf der "Aquarius" vor gut einer Woche in Spanien an Land gehen. Auch im Fall der "Aquarius" hatte sich Frankreich bereit erklärt, einige der Flüchtlinge aufzunehmen.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte in Berlin, es gehe "um eine gemeinsame Antwort auf eine gemeinsame Herausforderung". "Wir müssen eine europäische Antwort finden." Spanien sei ein "solidarisches Land" und werde sich im Fall der "Lifeline" an einer gemeinsamen Lösung beteiligen.

Die Bilder des Tages

Die Bilder des Tages

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

(jdr/afp/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • franka am 27.06.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich

    dachte auf dem Schiff wäre die krätze ausgebrochen? das gehört doch normal unter quarantäne

    einklappen einklappen
  • Bruno Bär am 27.06.2018 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu früh gefreut.

    Laut den Meldungen ist die Aquarius schon wieder Richtung Lybien unterwegs. In ein paar Tagen geht der Zirkus wieder los. Das hört nie auf. Die machen das ja mit Absicht, um die europäische Bevölkerung zu provozieren und sind die besten Wahlhelfer für AfD und andere Rechtsparteien.

  • Huber am 27.06.2018 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Asyl

    Als es noch darum ging das Edward Snowden politisches Asyl beantragen sollte, hieß es seitens der Deutschen Regierung das man niemanden Asyl gewähren könnte der dieses nicht auf deutschem Boden beantragt. Jetzt wo es um Flüchtlinge geht die sich in Malta befinden ist das kein Problem. Da zeigt sich wieder wie verlogen die Deutschen sind.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Nil am 27.06.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht sein

    Besatzung verhaften wegen Schlepperei und Schiff beschlagnahmen. Was anderes verstehen diese Leute nicht.

  • fuhrinat am 27.06.2018 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Absicht

    Warum sind immer die Europäer schuld, wenn die Flüchtlinge nicht mehr aufgenommen werden. Es gibt doch auch noch andere sichere Länder. Aber keiner will die haben

  • Nil am 27.06.2018 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    Das Schiff gehört beschlagnahmt und die gesamte Besatzung in Untersuchungshaft wegen Schlepperei.

  • Southpaw am 27.06.2018 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Angeblich...

    ...sind ca 1 Mio Afrikaner auf dem Weg durch die Sahara. Die sollen schon vor Marokko sein. Bald wird es Zeit Farbe zu bekennen. Denn eines ist klar: Das hört nicht auf und wir werden überrannt. Ich denke, viele Leute sind sich nicht im Klaren, was bald bei uns los ist.

    • Max Mustermann am 28.06.2018 08:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Southpaw

      Weil einige Politker nicht sehen (wollen), was bereits (!) bei uns los ist. Sie beziehen exorbitant überzogene Gehälter und leben im Villenviertel eines Nobelbezirkes, wo sie kaum mit der Realität konfrontiert werden.

    einklappen einklappen
  • seven am 27.06.2018 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    UNO Webseite

    Das ist alles kein Zufall ! Vielleicht würde es helfen wenn man sich das UNO Resettlement Program mit google translater übersetzt.