Geld oder kein Schutz

11. Juli 2018 07:22; Akt: 11.07.2018 07:46 Print

Nato-Staaten zittern vor dem Gipfel mit Trump

von Martin Suter, New York - Wird der US-Präsident die Schutzgarantie an Bedingungen knüpfen? Vor dem Nato-Gipfel sorgt Trump für Zähneklappern.

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Nato-Gipfeltreffen waren früher langweilige Rituale. Damit hat US-Präsident Donald Trump aufgeräumt. Vor der Mittwoch in Brüssel beginnenden Zusammenkunft wissen die übrigen Regierungschefs der Nato-Staaten nicht, was auf sie zukommt. Sie fürchten Schlimmes.

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Seit Amtsantritt kritisiert Trump, dass viele europäische Mitglieder der Nordatlantischen Allianz zu wenig Geld für die gemeinsame Verteidigung ausgeben. Gestern twitterte er lapidar knapp: "Nato-Staaten müssen MEHR zahlen, die Vereinigten Staaten müssen WENIGER zahlen. Sehr unfair!"

Putin-Treffen "einfacher"

Hoch über den Wolken ging er auf dem Flug nach Europa sogar noch weiter und stellte die Frage, ob säumige Staaten allenfalls den USA geschuldetes Geld zurückzahlen werden. Die Regierungen der betroffenen Staaten fürchten aber nicht nur Geldforderungen. Sie wollen an der Nato-Zusammenkunft keinen Clash mit Trump wie am G-7-Gipfel vergangenen Monat in Kanada. Vor allem zittern sie angesichts Möglichkeit, dass Trump diesen Missstand zum Anlass nehmen könnte, an Amerikas Schutzgarantie für Europa zu rütteln.

Der US-Präsident wird nach Brüssel auch London anfliegen und dort die angeschlagene Premierministerin Theresa May besuchen. Nächsten Montag will er dann in Helsinki mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammenkommen. Nichts illustriert den verheerenden Stand der transatlantischen Beziehungen besser als Trumps Bemerkung gestern: "Von allen Treffen könnte das mit Putin das einfachste werden."

Truppenabzug diskutiert?

Während die USA 3,57 Prozent ihres Bruttosozialprodukts (BSP) für die Verteidigung ausgeben, übertreffen nur Griechenland, Großbritannien und Estland den 2014 vereinbarten Mindestanteil von 2 Prozent. Verärgert ist Trump vor allem über Deutschland: Es gibt bloß 1,24 BSP-Prozent fürs Militär aus und verspricht nur, bis 2025 den Stand von 1,5 Prozent zu erreichen. Berlin argumentiert, dies sei dennoch mehr Geld, als irgend ein anderes Nato-Mitglied mit Ausnahme der USA ausgebe.

Nach amerikanischen Medienberichten prüft das Pentagon, wie und zu welchen Kosten die Zahl von gegenwärtig 35.000 amerikanischen Aktivsoldaten in Europa verringert werden kann. Die US-Botschafterin bei der Nato dementiert jedoch, dass ein Truppenabbau überhaupt zur Diskussion stehe.

"Wie Schutzgelderpressung"

Beunruhigend ist für die Europäer die Möglichkeit, dass Trump – wie schon mit Südkorea und Japan – Deals anstreben könnte, die Sicherheit und Handel miteinander vermengen, schreibt die "New York Times". Im Fokus stünde wiederum Deutschland, das im Handel mit den USA einen riesigen Überschuss erzielt. Die Europäer könnten die kollektive Sicherheit nicht wie eine Transaktion von der Handelspolitik abhängig machen, argumentiert Robin Nibbelt, Direktor der Londoner Denkfabrik Chatham House. "Es fühlt sich an wie eine Schutzgelderpressung."

Angesichts der Bedrohung vor allem Osteuropas durch Russland steht viel auf dem Spiel. "Ehrlich gesagt, niemand weiß wirklich, wie sich Trump auf dem Gipfel verhalten wird", sagt der frühere Nato-Botschafter der Slowakei, Tomas Valasek zur "Times". "Seine Unberechenbarkeit ist kein Nebenprodukt, sondern beabsichtigt."

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz Katt am 11.07.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ist Europa wirklich so klein und schwach dass wir unbedingt die USA brauchen ? Oder glauben die Europäer dass Russland gleich über uns herfallen wird wenn die USA den Schutz verweigert?

  • Menachem Seidenstrauch am 11.07.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Deutschland gibt zu wenig

    sondern die USA zu viel für die Rüstung aus und das auf Pump. 10 Flugzeugträger gegenüber einem russischen sagt alleine schon genug aus. Es geht die Angst vor einem anglosachsischen Machtverlust um, wenn sich die EU statt mit Amerika mit Rußland, China, Japan und Indien verbrüdern würde. Die Schulden kann niemend mehr begleichen so scheint ein Krieg der einzige Ausweg - Der Wirtschaftskrieg hat bereits begonnen der militärische wird folgen.

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  • A.A. am 11.07.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Die Deutschen Querulanten..

    ... sind der Untergang ... ständig am meckern wenn sich mal wer beschwert das ein Ungleichgewicht vorliegt. Und wie Kern nicht klar kommen wenn es nicht funktioniert das sich andere an der Nase herumführen lassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Schweizer am 11.07.2018 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Warum???

    Wieso lässt man eigentlich in diesem ach so renommierten Käseblatt so hetzerische Kommentare durchgehen??? Ist es bewusst politisch gewollt oder einfach nur Ignoranz???? Dass Bild was sich für mich daraus ergibt, wie der Österreicher sein soll, ist ein sehr sehr negatives!

  • Franz Katt am 11.07.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ist Europa wirklich so klein und schwach dass wir unbedingt die USA brauchen ? Oder glauben die Europäer dass Russland gleich über uns herfallen wird wenn die USA den Schutz verweigert?

  • Alois Weinzetl am 11.07.2018 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Zahlungen

    Keinen Cent mehr bezahlen. Trump braucht die EU um seine Stützpunkte zu halten.

  • Menachem Seidenstrauch am 11.07.2018 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Deutschland gibt zu wenig

    sondern die USA zu viel für die Rüstung aus und das auf Pump. 10 Flugzeugträger gegenüber einem russischen sagt alleine schon genug aus. Es geht die Angst vor einem anglosachsischen Machtverlust um, wenn sich die EU statt mit Amerika mit Rußland, China, Japan und Indien verbrüdern würde. Die Schulden kann niemend mehr begleichen so scheint ein Krieg der einzige Ausweg - Der Wirtschaftskrieg hat bereits begonnen der militärische wird folgen.

    • Kritischer Geist am 11.07.2018 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Menachem Seidenstrauch

      Diese Sprüche erinnern mich an die frühen 80er-Jahre, als manche zu wissen glaubten, dass die Aufrüstung eines R. Reagan einen Krieg provozieren könnte. In Wahrheit waren diese Weltuntergangsapostel nur besorgt über den kommunistischen Ostblock, dem Reagan mit seiner Rüstungspolitik den Gnadenstoß versetzt hat.

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  • Himmelszelt1002 am 11.07.2018 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die USA als Melkkuh der EU?

    Die NATO, vor allem die Deutschen, sind ein Schandfleck, kein Wunder dass Trump endlich Geld sehen will. Seit vielen Jahren versprechen sie, sich finanziell entsprechend zu beteiligen, überlassen aber alles den Amerikaneren. Hallo? Deutschland feiert seine "schwarze Null" wie einen Gott und protzt damit in ganz Europa, während das gesamte Land verarmt und desolat wird, die Armee noch nicht mal mehr funktionierende Gewehre, Munition, Uniformen oder Lastwägen hat, geschweige sonst noch was. Statt eigene Unis zu bauen lagert man Studenten in andere EU-Länder aus, die Autos sind Dreckschleuder...

    • ThTs am 11.07.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Immer die selben

      Alles Gut?????? Zuviel falsches inhaliert???? Was meinen sie denn, wie weit die Österreicher kommen würden, wenn sie auf sich alleine gestellt werden????? Sicherlich sind die Chrysler, die in Österreich gebaut werden sehr viel sauberer

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