Zu teuer

16. Juli 2018 10:43; Akt: 16.07.2018 13:26 Print

Patienten sollen Gebühr für Notaufnahme zahlen

Um überflüssige Besuche in deutschen Notaufnahmen zu stoppen, will der Kassenärzte-Chef eine Gebühr von Patienten verlangen.

Notaufnahme künftig kostenpflichtig? (Bild: Grafik Heute)

Notaufnahme künftig kostenpflichtig? (Bild: Grafik Heute)

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Wer kennt das nicht? Die Notaufnahmen in Krankenhäusern sind zum Platzen voll. Aber: Oft sitzen dort aber Patienten, die gar kein Notfall sind, lassen sich wegen Schnupfens oder Blähungen behandeln. Damit soll jetzt Schluss sein – zumindest wenn es nach dem Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Deutschland, Andreas Gassen, geht.

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Um überflüssige Besuche in der Notaufnahme zu verhindern, soll notfalls von den Patienten eine Gebühr kassiert werden. Bewirken will Gassen damit, dass Menschen mit kleinen Wehwehchen, zum Arzt gehen, bevor sie in die Notaufnahme ins Krankenhaus laufen.

"Es muss finanzielle Sanktionen nach sich ziehen"
„Eine finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde. In vielen anderen Ländern Europas ist so etwas längst üblich“, sagte Gassen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Montag). „Wenn sich bestimmte Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte dauerhaft entziehen und das System nach Gusto nutzen, wie es ihnen gerade einfällt, muss das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen.“

Geht es nach Gassen, gehört der Großteil der Patienten, der in die Notaufnahme kommt, nicht dorthin. „Ziel muss sein, dass wir nur noch diejenigen in den Notaufnahmen haben, die später auch stationär behandelt werden müssen“. Alle anderen müssten ambulant versorgt werden. Dafür sei eine bundesweite Lösung erforderlich.


Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Credit: Picturdesk

Von der "Stiftung für Patientenschutz" hagelt es für Gassens Vorschlag viel Kritik: „Mit einem Trommelfeuer versuchen die Kassenärzte, von ihrem eigenen Versagen abzulenken“, sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch.

Tatsächlich würden Hausbesuche immer mehr runtergefahren und Öffnungszeiten der Praxen eigenmächtig gekürzt, während das Milliarden-Budget dafür von Jahr zu Jahr steige. „Konsequent wäre es, die Kassenärztlichen Vereinigungen für die Patienten in den Notaufnahmen zahlen zu lassen“, betonte Brysch. Und auch die gesetzliche Krankenversicherungen (GKV) halten Gassens Vorschlag für eine "merkwürdige Idee".

„Erst kümmern sich die Kassenärztlichen Vereinigungen jahrelang nicht ordentlich um den Bereitschaftsdienst in der Nacht, an den Abenden und den Wochenenden und jetzt, wo die kranken Menschen die Kliniken aufsuchen, will der Chef des Kassenärzte sie dafür mit Zusatzkosten bestrafen“, sagte ein Sprecher. Die Versorgung müsse dort organisiert werden, wo die Menschen sie bräuchten.


Was geht in den deutschen Notaufnahmen ab?

In den vergangenen Jahren waren mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Deutschen in der Notaufnahme eines Krankenhauses.

Insgesamt kümmern sich die Notaufnahmen jährlich um etwa 20 Millionen Patienten, von denen 40 Prozent stationär behandelt werden müssen. Ambulant versorgt wurden im Jahr 2016 fast zwölf Millionen Patienten, so das „Krankenhaus Barometer“.

Zwei Drittel der Notfälle werden zwischen 7 Uhr uns 19 Uhr behandelt, der Rest in den Abend- und Nachtstunden. 34 Prozent der Hilfesuchenden kommt am Wochenende und an Feiertagen.


Was halten Sie davon, dass Patienten, die keine Notfälle sind, zahlen sollen? Gut oder völlig daneben – jetzt mitdiskutieren!

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(isa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Im besten Deutschland am 16.07.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das wir je hatten

    Die ersten Früchte der grenzenlosen Zuwanderung in das Sozialsystem. Gratulation

  • Arno am 16.07.2018 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist dann wieder eine Gebühr

    die das arbeitende und Sozialversicherung zahlende Volk tragen muss, während andere die Gesundheitsversorgung gratis bekommen.

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  • Angel66 am 16.07.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Fachärztin

    Wie soll ich, als nichtFachärztin einschätzen ob ich ein Notfallpatientin bin?...Wer soll mir bestätigen, dass ich gerade keinen leichten Schlaganfall, oder Herzinfarkt habe?... wenn mir übel wird und Schulter schmerzt..? Wie soll ich eine Panikattacke mit Herzrasen von einem Infarkt unterscheiden?...ein bewußtloser Blutet ist dann unwissenden Mitmenschen ausgesetzt..weil sich keiner mehr ins Spital traut?....wollt ihr uns umbringen?

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 17.07.2018 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wo hin führt das ....

    Man zahlt eh schon so viel an die Krankenkasse ... wohin geht das ganze Geld ??? Und dann noch zahlen, wenn ein Notfall ist ... wohin führt das ganze noch ??? Hauptsache die Politiker haben Ihren Schutz und Ärtze, wenn was sein sollte ... Na bravo Sie sollten einmal für mindestens ein halbes Jahr mit uns (dem Volk) tauschen und so leben wie wir (in Gemeindebauten, ohne dem hohen Einkommen, dass sie bekommen und dann einmal mit einem Mindesteinkommen alles bezahlen und überleben - dann würden Sie nicht mehr soooo die Gesetzt und dergleichen auf unsere Kosten ändern.

    • Susan gb am 19.07.2018 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anonym

      Und vor allem so im Gesundheitswesen behandelt werden wie wir Normalbürger. dann sagen sie sicher nicht es gibt keine 2 Klassen Medizin. Weil wenn denen was weh tut werden sie sofort behandelt, der rote Teppich ausgerollt, ein ärztekonsil den ganzen Tag da, etc. während unsereins auf eine Hüftoperation trotz Ärger Schmerzen warten muss, bis zu 30 Wochen

    • Susan gb am 21.07.2018 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Susan gb

      leider fehlt im Text was, gestrichen, ich meinte höher gestellte.Personen wie un in England die Queen oder ein Präsident

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  • Ernesto am 17.07.2018 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Alltag

    Das Problem ist,1 Patient 17 Verwandte die umher brüllen und alles blockieren.

  • AuchneMeinung am 16.07.2018 20:46 Report Diesen Beitrag melden

    Die Goldstückchen

    sind sehr oft Fälle für die Notaufnahme. Und die darf der deutsche Steuerzahler dann finanzieren!

  • Bugi am 16.07.2018 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bestimmte sollen zahlen

    Zahlen sollen diejenigen die noch nie oder wenig gearbeitet haben ! Bzw. sollen diejenigen die arbeiten gehen oder haben vor allen anderen drankommen !

    • Susan gb am 16.07.2018 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bugi

      es sollte schon nach der Schwere der Krankheit gehen u nicht nach Einzahlung an die Kassen

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  • Mischlin am 16.07.2018 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    Bald wird's laufen wie in Amerika, wo Leute am Krankenhausparkplatz im eigenen Auto auf eine Behandlung warten dürfen - ausser man hat eine gewisse Herkunft und randaliert nur "familiemitgliederreich" genug in der Notaufnahme. Das öffnet Tür und Tor!