Todesdrama im Schneetreiben

01. März 2018 16:15; Akt: 01.03.2018 16:41 Print

Mutter erfriert vor den Augen ihrer Tochter

Ohne Schuhe und dünner Kleidung waren die beiden Frauen im Wald verschwunden. Erst nach Stunden konnten sie gefunden werden, doch da war es bereits zu spät.

Der Nachrichtenbeitrag des "Expressen" zu dem tragischen Fall.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine scheinbare Verzweiflungstat hat einer zweifachen Mutter im schwedischen Sävsjö das Leben gekostet und das ihrer beiden jungen Kinder in größte Gefahr gebracht.

Das Drama begann am Mittwochnachmittag, als die schwedische Polizei einen neun Jahre alten Bub aus einer Schneeverwehung am Rand einer Landesstraße rettete. Das Kind war nur spärlich bekleidet und schon völlig unterkühlt.

Zeugen hatten auch eine Frau mit einem weiteren Kind gesehen, die aber beim Eintreffen der Polizei schon verschwunden waren. "Sie berichteten uns, dass sie keine Schuhe trugen und nur sehr dünn angezogen waren", erklärt Polizeisprecher Thomas Agnevik gegenüber dem schwedischen Nachrichtenportal "Expressen".

Sofort suchten Polizeikräfte die Umgebung großräumig nach den beiden Personen ab. Aus Göteborg wurde extra ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera angefordert, doch dieser musste wegen starker Schneefälle die Suche gegen 20 Uhr abbrechen. Die widrigen Witterungsbedingungen behinderten die Einsatzkräfte stark, doch sie hatten Erfolg – kurz vor 3 Uhr früh konnte die etwa 35-jährige Frau und ihre Tochter von einer Hundestaffel aufgespürt werden. Sie befanden sich in einem Waldstück südlich der Landesstraße, an der der Bub gefunden worden war.

Hilfe kam zu spät

Beide Frauen wurden mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht, doch es war bereits zu spät. Am Donnerstagvormittag bestätigte die Polizei den Tod der zweifachen Kindsmutter. "Die Frau wurde in sehr schlechtem Zustand gefunden. Sie war stark unterkühlt, trotz Wiederbelebungsversuche an Ort und Stelle, konnte ihre Leben nicht gerettet werden", so Agnevik.

Das acht Jahre alte Mädchen, sie ist die Schwester des geretteten Buben, befindet sich immer noch in Behandlung, doch ihr Zustand soll stabil sein. "Sie ist unterkühlt und steht unter Schock", erklärt der Polizeisprecher. "Es muss eine schreckliche Nacht für sie gewesen sein."

Flucht aus Verzweiflung?

Warum sich die Familie überhaupt ohne Schuhwerk in dichtes Schneetreiben hinauswagte, ist nicht bekannt. Die Frau wurde als Asylwerberin aus Westafrika identifiziert, welche mit ihren beiden Kindern in einem nahe gelegenen Wohnheim untergekommen war. Nach Angaben von Betreuern soll die Mittdreißigerin am Mittwoch einen Termin bei der Einwanderungsbehörde gehabt haben. Was besprochen wurde, ist unklar, schwedische Medien spekulieren, dass möglicherweise der Asylantrag der Familie abgelehnt worden sei. Auch Agnevik lässt durchblicken: "Dass sie ihren Sohn einfach so im Schnee zurückgelassen hat, könnte für eine Verzweiflungstat sprechen."

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

(rcp)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.