Sami A.

10. September 2018 13:28; Akt: 11.09.2018 07:58 Print

Ex-Leibwächter von Bin Laden bewachte Flughäfen

Der aus Deutschland nach Tunesien abgeschobene Sami A. soll bei einer deutschen Sicherheitsfirma tätig gewesen sein.

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Der zuletzt in Bochum lebende Sami A. wurde am 13. Juli unter umstrittenen Umständen aus Deutschland nach Tunesien abgeschoben. Nun stellt sich heraus: Der von den deutschen Behörden als islamistischer Gefährder eingestufte Tunesier soll in Deutschland laut der "Bild" für Aufgaben wie die Bewachung von Krankenhäusern, Flughäfen und Bundeswehr-Gebäuden zuständig gewesen sein.

Der mutmassliche Ex-Leibwächter von Osama Bin Laden war in den Jahren 2000 und 2001 bei der deutschen Sicherheitsfirma Klüh Security GmbH beschäftigt, wie Recherchen der Funke-Mediengruppe jetzt ergaben. Diese beruft sich dabei auf die Ermittlungsakten des Bundeskriminalamtes und des Generalbundesanwalts. Der Tunesier soll in Deutschland zudem als offizieller Fahrgastzähler in öffentlichen Bussen und Bahnen tätig gewesen sein.

Polizei war über die Anstellung informiert

Die Mitarbeiter der Klüh Security GmbH schützen und bewachen Prominente, Großveranstaltungen sowie Flughäfen, Banken, Krankenhäuser und Einrichtungen der Bundeswehr. Laut «Bild» könne das Unternehmen die Personalie aber nicht mehr überprüfen, weil sie zu lange zurückliege.

Sami A. soll jedoch nicht der einzige als islamistischer Gefährder eingestufte Mitarbeiter bei Klüh gewesen sein. Den Recherchen zufolge soll bei der Firma auch Mohammed T. gearbeitet haben. T. wurde von Sicherheitsbehörden als früheres führendes Mitglied der Terrororganisation al-Qaida eingestuft. Die Polizei- und Jusitzbehörden seien über die beiden Anstellungen informiert gewesen.

Juristisch umstrittene Abschiebung

Sami A. kam als 21-jähriger Student 1997 nach Deutschland. In der Zeit zwischen 1999 bis 2000 reiste er laut Gerichtsurteilen nach Afghanistan. Durch die Rekrutierung für ein Al-Qaida-Ausbildungscamp soll er schließlich zur Leibgarde Bin Ladens gestoßen sein. Sami A. bestreitet dies sowie seine angeblichen Kontakte zu einem der Drahtzieher des Anschlags vom 11. September.

Sami A. war am 13. Juli aus Nordrhein-Westfalen nach Tunesien abgeschoben worden. Bis zu diesem Zeitpunkt lebte er mit seiner Frau und Kindern in Bochum. Die juristisch umstrittene Abschiebung schlug in Deutschland hohe Wellen: Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte am Abend vor seiner Abschiebung entschieden, dass diese nicht zulässig sei, da ihm in Tunesien angeblich Folter drohe.

Der Beschluss war dann aber erst am Morgen übermittelt worden, als die Chartermaschine mit Sami A. bereits in der Luft war, weshalb Sami A. in Tunesien landete. Dort wurde der 42-Jährige nach wenigen Tagen aus der U-Haft entlassen, da die Ermittler keine "Beweise" für eine Verwicklung in Terroraktivitäten gefunden hätten.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Verrat an der Bevölkerung am 11.09.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Das System ist am Ende.

    Der Staat lässt also wissentlich Gefährder in sensiblen Jobs arbeiten, damit hat er seine Schutzfunktion verloren. Warum sollte man diesen Staat dann noch schützen?

  • onlinekiebitz am 11.09.2018 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Na da hat man ....

    wohl den bock zum gärner gemacht, wenn er als security arbeitete !!!

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  • onlinekiebitz am 11.09.2018 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Na da hat man ....

    wohl den bock zum gärner gemacht, wenn er als security arbeitete !!!

  • Verrat an der Bevölkerung am 11.09.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Das System ist am Ende.

    Der Staat lässt also wissentlich Gefährder in sensiblen Jobs arbeiten, damit hat er seine Schutzfunktion verloren. Warum sollte man diesen Staat dann noch schützen?