Unnötige Belastung

01. September 2018 10:03; Akt: 01.09.2018 10:12 Print

Wie die Zeitumstellung der Wirtschaft schadet

von Dominic Benz - Das halbjährliche Umstellen der Zeit soll es bald nicht mehr geben. Dies würde auch die Wirtschaft freuen. Wir sagen, warum.

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Jedes halbe Jahr gewinnen oder verlieren wir eine Stunde. Möglich macht das die Umstellung auf Winter- oder Sommerzeit. Das könnte aber bald ein Ende haben: Am Freitag hat sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für eine "ewige Sommerzeit" ausgesprochen. Denn das ewige Hin und Her nervt die Bevölkerung. Vor allem ältere Menschen und kleine Kinder haben Mühe.

Umfrage
Soll die Zeitumstellung abgeschafft werden?
78 %
19 %
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Insgesamt 36793 Teilnehmer

Aber auch auf die Wirtschaft hat die Zeitumstellung negative Folgen. Wir zeigen auf, wo das der Fall ist:

• Schichtbetriebe

Für Industriekonzerne, Krankenhäuser oder Dienstleistungsbetriebe ist die Zeitumstellung mühsam. Sie müssen die Arbeitsschichten und Produktionsabläufe anpassen. "Das verursacht hohe administrative Kosten", sagt Korbinian von Blanckenburg, Ökonom an der deutschen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Ein großes Problem sei die Umstellung für Energieversorger: "Sie müssen Sonderschichten schieben, dass beispielsweise die von den Städten bestellten Strom- und Gasmengen zur richtigen Zeit fließen."

• Öffentlicher Verkehr

Bei den Betreibern von Zug-, Bus- und Straßenbahnnetzen wirbelt die Zeitumstellung den Fahrplan durcheinander. Sonderschichten sind im Herbst nötig. So wird bei der Änderung auf die Winterzeit die Nacht um eine Stunde länger und es braucht mehr Nachtzüge. Auch Busse und S-Bahnen im Nachtnetz kurven beim Wechsel nach einem speziellen Fahrplan. Kaum beeinflusst wird hingegen der internationale Flugverkehr, da sich dieser nach der Weltzeit richtet.

• Landwirtschaft

Laut Von Blanckenburg hat das zeitliche Hin und Her "gravierende Auswirkungen" auf die Landwirtschaft. Kühe und Schweine sollten wenn möglich immer zur gleichen Zeit gefüttert werden. Bei den Kühen wird die Milchproduktion gestört. Bauern müssen daher zweimal im Jahr sowohl behutsam das Füttern als auch das Melken anpassen. "Es gibt Bauern, bei denen dauert die Anpassung rund zwei Wochen", so Von Blanckenburg. In modernen Betrieben übernehmen automatische Milchsysteme diese Aufgabe.

• Leistungsfähigkeit bei Mitarbeitern

Die Zeitumstellung bringt den menschlichen Biorhythmus durcheinander. Bis er sich wieder eingependelt hat, dauert es teilweise über eine Woche. Vor allem die Umstellung im Frühjahr belastet, weil man eine Stunde Schlaf verlieft. "Viele Menschen leiden dann unter Konzentrationsschwäche, Stress und Müdigkeit", sagt Von Blanckenburg. Die Betroffenen können bei der Arbeit weniger leisten und machen unnötige Fehler. Das kostet die Firmen viel Geld. Auch das Immunsystem ist geschwächt. "Die Zahl der Arztbesuche schnellt jeweils nach Umstellungen nach oben", sagt Von Blanckenburg. Viele bleiben dann wegen Krankheit der Arbeit fern. Auch das verursacht hohe Kosten in der Wirtschaft.

• Höhere Stomkosten

Eigentlich wurde die Zeitumstellung eingeführt, um Energie zu sparen. Laut Studien bleibt aber der Spareffekt aus. Laut Von Blanckenburg würde eine andauernde Sommerzeit mehr bringen. "Der größte Teil des Energieverbrauchs fällt am Abend an", sagt er. Weil es bei der Sommerzeit länger hell bleibe, würden die Menschen ihre Freizeit tendenziell mehr draußen verbringen. "Sowohl Licht als auch Fernseher oder Computer wird dann weniger benutzt."

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amlacher am 01.09.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Beispiel

    Erst heist es was das alles für tolle Dinge bringt wenn man es macht und dann was für tolle Dinge es bringt wenn man es nicht macht. Typisch man wird immer nur vera.....

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  • E. E. am 01.09.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normalzeit hat sich bewährt

    Sinnvoll ist wieder die Normalzeit bzw. MEZ dauerhaft einzuführen. Die Sonne sollte zu Mittags den höchsten Stand erreicht haben und den Tag in zwei gleich Hälften teilen. Das heisst bei einer Tageslänge von 12 Stunden, Sonnenaufgang um 6h und Sonnenuntergang um 18h. Bei Beibehaltung der Sommerzeit würde in der Früh mehr Energie verbraucht werden.

  • Ossi am 01.09.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Frühausteher

    Wer denkt dabei an den Berufsverkehr oder Schulkinder die bis 9 Uhr im finsteren herumlaufen, oder jene die früh zu Bett müssen, da sie zeitig auf müssen. Nicht alle können bis 8 Schlafen und bis 22 Uhr auf sein. Manche müssen leider Arbeiten oder in die Schule gehen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Helmut Bittesnich am 04.09.2018 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Beamter

    Sommzeit -Winterzeit was für ein Schwachsinn,wehr hat das recht sechzig minuten meines Lebens mir zunehmen.daher für mich keine Zeit umstellen mehr,die Winterzeit soll bleiben.Und die Herren Politiker soll es lassen auf ihren Wählern herumhacken. Nehmt mir nicht meine Freiheit.

  • Susi am 03.09.2018 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Das kann doch nicht wahr sein

    Meine Güte, wie blöd ist denn der Mensch?? Alles muss verändert werden, überall greift er ein. Es hat alles wunderbar funktioniert mit der Normalzeit und niemand hat sich aufgeregt, dass es am Abend nicht lang genug hell ist. Ist das eure einzige Sorge?? Wenn ich dran denke wie froh ich während der Hundstage war, dass die Sonne endlich untergegangen ist. Und da war ich mit Sicherheit nicht die Einzige. Also bitte vor der nächsten Veränderung Hirn einschalten. Oft kann es mehr schaden als nützen.

  • Zufriedener zeitgenosse am 02.09.2018 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Leute seids 1x zufrieden so wie es ist

    Meine Güte 2 Tage im Jahr wo man mal sein Hirn einschalten sollte....Nur am meckern die leidln. Ganz ehrlich lieber stelle ich mich um ohne zu meckern als 365 Tage lang deswegen rumzuheulen

  • Fred von Jupiter am 02.09.2018 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsferne Schreibtischtäter

    Die Sommerzeit bringt nur den Mittelmeeranrainer- und südeuropäischen Staaten etwas. Dort ist die Dämmungszeit wesentlich kürzer. Außerdem beginnt gerade in diesen Staaten der Arbeitstag später. Die Nordeuropäer hingegen sind eher Frühaufsteher, die Dämmerung dauert länger. Dadurch wird bei Sommerzeit in den Wintermonaten in der Früh mehr Strom benötigt. Am Abend hält sich da auch eher selten jemand im Schankgarten auf. Auch stimmt es im Sommer nur bedingt, dass sich die Leute am Abend eher im Freien aufhalten. Wer morgens aufstehen und arbeiten muss, hat dafür keine Zeit.

    • G Heim am 02.09.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

      Realitätsfernes Post v. Fred

      Weil sie sich nicht im Freien aufhalten wollen negieren sie die vollen Gärten und Parks? Sie wollen im dunkeln von der Arbeit heim? Ob in der Früh Elektrisches Licht oder am Abend ist wohl egal. WER ist den davon überfordert 2x im Jahr die Uhren umzustellen? Ausserdem: Manche arbeiten abends.. jene die zB in den ihrer Meinung nach 'leeren' Gastgärten die nicht vorhandenen Gäste bedienen.

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  • Klaschen erlaubt am 01.09.2018 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kikerikiee

    Unsere neuen Facharbeiter kennen keine Sommerzeit.