Teure Unart

20. August 2018 08:30; Akt: 20.08.2018 08:49 Print

AK: "Zwischenparken" von Arbeitern kostet Millionen

Laut AK OÖ hat es in vielen Branchen System: Mitarbeiter vorübergehend kündigen und wiedereinstellen. Das kostet 430 Mio. Euro im Jahr.

Archivbild: Arbeitsmarktservice AMS (Bild: picturedesk.com)

Archivbild: Arbeitsmarktservice AMS (Bild: picturedesk.com)

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Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) kritisiert das sogenannte "Zwischenparken" von Arbeitskräften, das in mehrere Branchen systematisch betrieben wird, heißt es.

Arbeitsverhältnisse werden kurzfristig beendet und nach einigen Wochen und Monaten werden dieselben Arbeitnehmer beim selber Arbeitgeber wieder eingestellt. In der Zwischenzeit müssen sie zum AMS und erhalten Arbeitslosengeld.

Teure Unart
Eine Praxis, die den Staat jährlich rund 430 Millionen Euro kostet. Das hat das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO in einer Studie errechnet. Auch steigt die Arbeitslosenquote.

"Betriebe, die dies systematisch machen, sollen stärker an den Kosten beteiligt werden, die dadurch entstehen", fordert AK-Präsident Johann Kalliauer. "Mit dieser Strategie wälzen die Firmen die Kosten von Auftragsschwankungen auf die Allgemeinheit ab. Außerdem sind die betroffenen Beschäftigten mit ständiger ökonomischer Unsicherheit und mit Zukunftsängsten konfrontiert, werden aus dem betrieblichen Alltag gerissen und haben längerfristig schlechtere Erwerbs- und Einkommenschancen."

270.000 Betroffene
Wie groß das Problem ist, zeigen die Zahlen: Das WIFO schätzt, dass fast 14 Prozent (270.000 Menschen) aller neu begründeten Arbeitsverhältnisse auf Wiedereinstellungen entfallen.

Besonders betroffen sind die Branchen Bauwirtschaft und Tourismus. Auch Leiharbeitsfirmen wenden das "Zwischenparken" besonders oft an. Zudem wird es auch in den Bereichen "Verkehr und Lagerei", "Kunst, Unterhaltung und Erholung", "Grundstücks- und Wohnungswesen" und "Wasser-, Abwasser- und Abfallentsorgung" relativ häufig praktiziert.

Lösungsansätze
Die Studienautoren schlagen zwei Möglichkeiten vor, dem Problem entgegenzutreten. Ziel müsse es sein, dass Firmen stärker an den Kosten beteiligt werden, die sie durch das "Zwischenparken" verursachen.

Das ginge etwa, indem die Beiträge, die einzelne Betriebe an die Arbeitslosenversicherung zahlen müssen, individuell nach ihrem Risiko angepasst werden. Wer oft und viel kündigt würde mehr zahlen, wer wenig kündigt, weniger. Erfahrungen aus den USA hätten gezeigt, dass dies wirkt.

Zweite Forderung der AK OÖ: Betriebe sollen das Arbeitslosengeld im ersten Monat der Arbeitslosigkeit bezahlen müssen. Erst dann soll das AMS einspringen.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Danke Wirtschaft am 20.08.2018 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Politik

    gehts der Wirtschaft gut, gehts auf Kosten der Arbeitnehmer

  • Leiharbeiter am 20.08.2018 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialpartner forcieren Leih-Arbeit

    Die Sozialpartner haben zusammen mit dem AMS jahrelang das Modell der Leih-Arbeitskräfte forciert. Jetzt wundert man sich plötzlich, dass Unternehmen wie Siemens bei Produktionslücken die Arbeitskräfte beim AMS parken. Die Situation ist schlimmer, als am Bau oder im Tourismus. Gefördert wurde das noch durch die Ostöffnung. Auch Bombardier, der ehem. rote Pleitebetrieb, den Häupl durch einen Auftragsdeal mit Wiener Linien das Überleben rettete, arbeitet nur noch mit Leiharbeitern. Die stehen übrigens schon wieder auf der Straße. Was die Sozialpartner anfassen, fällt uns am Kopf.

    einklappen einklappen
  • Ehklar am 20.08.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Die AK protegiert "neoliberale Ansätze" im Deckmantel der "Gerechtigkeit?" Diese "Lösung" ist im Ergebnis das zu erwarten ist, keine Verbesserung für die AN! Das Gegenteil ist der Fall, und widerspricht diese Lösung auch dem Versicherungsprinzip. Am Ende werden die Löhne in "Risikobranchen" weiter gedrückt.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Teller am 21.08.2018 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zensur??

    wo ist denn der spannende herablassende Post von "Unternehmerin Barbara" hin?

  • Leiharbeiter am 20.08.2018 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialpartner forcieren Leih-Arbeit

    Die Sozialpartner haben zusammen mit dem AMS jahrelang das Modell der Leih-Arbeitskräfte forciert. Jetzt wundert man sich plötzlich, dass Unternehmen wie Siemens bei Produktionslücken die Arbeitskräfte beim AMS parken. Die Situation ist schlimmer, als am Bau oder im Tourismus. Gefördert wurde das noch durch die Ostöffnung. Auch Bombardier, der ehem. rote Pleitebetrieb, den Häupl durch einen Auftragsdeal mit Wiener Linien das Überleben rettete, arbeitet nur noch mit Leiharbeitern. Die stehen übrigens schon wieder auf der Straße. Was die Sozialpartner anfassen, fällt uns am Kopf.

    • Black Cube am 20.08.2018 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist totaler Schwachsinn

      Leiharbeit ist ein Verbrechen das verfolgt gehört. Die Gewerkschaften waren immer dagegen, die ÖVP hat es uns als den normalen täglichen Wahnsinn eingebrockt. Es stimmt meiner Meinung nach daß sich die SPÖ zu sehr von neoliberalen Kräften unterwandern und steuern hat lassen, sie hat zu sehr der ÖVP nachgegeben und ihre sozialen Standpunkte alle total verraten. Was in Österreich fehlt ist eine echte linke Arbeiterpartei, denn eine rechte Arbeiterpartei wäre ein Widerspruch in sich.

    • Black Cube am 21.08.2018 21:31 Report Diesen Beitrag melden

      Die "Aufgewachten" sind die Schlimmsten

      Weil sie glauben die Wahrheit zu kennen. Wer mit Kampbegriffen wie "Rote Brut" um sich wirft, disqualifiziert sich selbst.

    • Black Cube am 21.08.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

      @aufwachen

      Ich lass mir gar Nichts erzählen von einem Rüpel der mich beleidigt und duzt. Lernen Sie erst einmal Manieren.

    einklappen einklappen
  • Danke Wirtschaft am 20.08.2018 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Politik

    gehts der Wirtschaft gut, gehts auf Kosten der Arbeitnehmer

  • Ehklar am 20.08.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Die AK protegiert "neoliberale Ansätze" im Deckmantel der "Gerechtigkeit?" Diese "Lösung" ist im Ergebnis das zu erwarten ist, keine Verbesserung für die AN! Das Gegenteil ist der Fall, und widerspricht diese Lösung auch dem Versicherungsprinzip. Am Ende werden die Löhne in "Risikobranchen" weiter gedrückt.